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Wäscherei Albrecht - Helfer der Hausfrau

Dormannweg 15, Bewohner schauen aus den Fenstern, 1930

Dormannweg 15, 1930
Foto: Sammlung Horst Knoke

Johann Albrecht gründete 1885 sein Unternehmen eine Wäscherei als Färberei und chemische Reinigung in der Neue Leipziger Straße 39. Kurze Zeit darauf kam das Geschäft zum Dorfplatz und um 1900 zum Dormannweg 15. Dort behielt dieser weithin bekannte Fachbetrieb bis zu seiner Schließung Ende der 1970er Jahre seinen Standort.

Als Elvira und Gerhard Pfaff 2021 eine alte Registrierkasse in einer bekannten Trödelschow im Fernsehen zeigten erinnerten sie an die Wäscherei Albrecht in Kassel Bettenhausen. Dort im Betrieb ihrer Eltern hatte diese Registrierkasse der Firma National aus dem Jahr 1910 bis zur Auflösung der Firma gestanden.

Schöne Wäsche ist der Stolz einer jeden Hausfrau. Es war früher ein mühsam erkaufter Stolz. Die Wäsche wurde unter viel Kraft und Mühe in der Hauswaschküche gekocht, von Hand gewaschen, ausgewrungen und zum Trocknen auf die Leine gehangen oder die Bleiche gebracht. Wer sich daher alle Mühe und Plage ersparen wollte, überließ die große oder kleine, die bunte oder weiße Wäsche ganz der Wäscherei bis zur Schrankfertigkeit. Zur Zeit der Gründung der Wäscherei Albrecht 1885 als Färberei und chemische Reinigung leisteten sich diese Dienstleistung nur die privilegierten reichen Haushalte und Gewerbebetriebe. 1890 kamen Wäscherei und Plätterei hinzu.

Mit dem erweitertem Angebot musste der Betrieb ausgebaut werden und so zog Johann Albrecht erst zum Dorfplatz in Bettenhausen, Untere Dorfstraße 68 und 1901 in den Dormannweg 15 (früher Stiftstraße) in einen Neubau um. Der Vorteil das Grundstück hatte Zugang zur Losse und damit zum Wasser, unerlässlich für eine Wäscherei. Von 1910 ab wurde das Geschäft als reine Dampfwäscherei weiterbetrieben. Damals fand auch die oben erwähnte Registrierkasse ihren Platz auf dem Tresen.

 Registrierkasse_der_Firma_National_aus_1910
Registrierkasse der Firma National aus 1910  Foto: G. Pfaff
H:Albrecht steht neben der Dampfkesselanlage der Wäscherei
Heinrich Albrecht neben der Dampfkesselanlage  Foto: E. und H.G: Pfaff, Kaufungen

1931 übernahm der Sohn Georg Albrecht und dessen Frau Amalie den Betrieb, 1935 wurde deren Sohn Heinrich Mitbesitzer. Die Geschäfte liefen für die Familie Albrecht gut und der Betrieb hatte einen bekannten Namen in Kassel. Doch dann kam es zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. 1944 wurde durch einen nahen Bombeneinschlag vor dem Bunker Dormannweg die Wäscherei zerstört.

Gertrude Albrecht und eine Büglerin an der Bügelmaschine
Gertrude Albrecht und eine Mitarbeiterin an der Bügelmaschine 1950er Jahre  Foto: E. und H.G. Pfaff, Kaufungen
Gertrude Albrecht im Bübelsaal mit vielen Bügelmaschienen
Gertrude Albrecht im Bügelsaal  Foto: E. und H.G. Pfaff, Kaufungen

Nach der Zerstörung und Wiederaufbau eröffneten Heinrich und seine Frau Gertrude Albrecht am 1. April 1947 die Dampfwäscherei und Plätterei am selben Standort neu. Dazu betrieb man einen großen Bügelsaal in dem etliche Handwerkerinnen an Bügelautomaten die Wäsche herrichteten. Die Auslieferung erfolgte als Schrankfertige-Wäsche.

Anzeige der Wäscherei Albrecht- Im Diesnst der Hausfrau mit Preisangaben-1962
Anzeige der Wäscherei Albrecht 1962  Foto: HNA-Kss

Seit dem 1. Januar 1958 führte Maria Schmidt, geb. Albrecht, zusammen mit ihrem Mann Wilhelm Schmidt das Geschäft. Am 15.02.1960 feierte man das 75jährige Bestehen der Wäscherei Albrecht in der vierten Generation. Mit der verstärkten Nachfrage nach chemischer Reinigung eröffnete Schmidt in der Wilhelmshöher Allee 273 zusätzlich das Geschäft „Tip-Top-Reinigung“. Eine der wesentlichsten Arbeiten des chemisch Reinigens besteht darin, Schmutz, in den vielfältigsten Formen aus Stoffen und Kleidungsstücken zu entfernen. Bei der chemischen Reinigung werden an Stelle von Wasser organische Lösungsmittel verwendet.

Wilhelm Schmidt und Heinrich Albrecht stehen an Waschmaschinen
Wilhelm Schmidt (li) und Heinrich Albrecht (re) 1950er Jahre  Foto: E. und H.G. Pfaff, Kaufungen
Lieferwagen mit Aufschrift Wäscherei Albrecht vor dem Rathaus Kassel
Lieferwagen im Zisselumzug vor dem Rathaus Kassel  Foto: E. und H.G. Pfaff, Kaufungen

Unter dem Druck des ansteigenden Wettbewerbs entstand 1976 eine Kooperation zwischen der Wäscherei Albrecht, Inhaber Obermeister W. Schmidt, und der Firma Schneeweiss, Göttingen. Die Firma Schneeweiss war natürlich bemüht, die geschäftlichen Beziehungen der Firma Albrecht in ihrem Sinne fortzusetzen. Durch die Mitgliedschaft in der Gütezeichengemeinschaft bot die Firma Schneeweiss ein umfangreiches Programm zum Vorteil des Kunden an. Die Firma Albercht wurde Ende der 70er-Jahre aufgelöst.

1982 verstarb Wilhelm Schmidt der frühere Inhaber der Wäscherei Albrecht, Kassel-Bettenhausen.

 

Häuser Dormannweg 15-19, Reklame der Fa. Heise am Haus 15, 2005
Häuser Dormannweg 15-19, 2005  Foto: Klaus-Peter Wieddekind

Späterer zog die Firma Heise WG, Inhaber Claus Wittmann, als Fachbetrieb für Rollläden, Jalousien und Markisen in die Räume der ehemaligen Wäscherei ein. Der Inhaber Wittmann bewohnte das Hinterhaus auf dem Grundstück Dormannweg 15.

Wir danken dem Ehepaar Pfaff für die freundliche Überlassung der Familienfotos.

Editor: Erhard Schaeffer, Dezember 2021

Quellen:

  • HNA KSS Archiv, Ausgaben 042-1950, 299-1957, 038-1960, 290-1962, 166-1963, 153-1971, 258-1976 und 26.04.2021
  • Geschichtskreis Bettenhausen früher und heute
  • Elvira und Hans Gerhard Pfaff, Kaufungen

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Kurzbeschreibung

Johann Albrecht gründete 1885 sein Unternehmen eine Wäscherei als Färberei und chemische Reinigung in der Neue Leipziger Straße 39. Kurze Zeit darauf kam das Geschäft zum Dorfplatz und um 1900 zum Dormannweg 15. Dort behielt dieser weithin bekannte Fachbetrieb bis zu seiner Schließung Ende der 1970er Jahre seinen Standort.

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