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Schützenverein Bettenhausen 1867 e.V.

Gruppenfoto Königschießen 1907, Männer in Schützentracht

Königsschießen 1907
Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.

Zu den ältesten Traditionsvereinen des Kasseler Ostens gehört der Schützenverein Bettenhausen 1867 e.V.. Seit dem Gründungsjahr trägt er unverändert diese Vereinsbezeichnung. 125 Jahre Vereinsgeschichte sind der Anlass für einen Rückblick.

Die ältesten Mitglieder des Vereins traten allerdings schon im Jahr 1862 schießsportlich in Erscheinung. Hierbei handelte es sich nur um eine heimliche Betätigung, denn nach dem Verbot des herrschenden Kurfürsten in Kurhessen war das Schießen eine "reaktionäre Betätigung".

Schon nach der Einverleibung Kurhessens in den Staat Preußen wurde im Jahr 1866 die Gründung eines Schützenvereins in Bettenhausen offiziell gefordert. Der schießsportlichen Betätigung stellten sich nun keine Hürden mehr in den Weg und so wurde die Gründung des Vereins im Jahr 1867 vollzogen.

Der Schießstand am Lindenberg, ein 7500 m² großes Arial oberhalb des heutigen Faustmühlenweges, wurde ebenfalls 1867 eröffnet. Dort fanden alle Königs- und Leistungsschießen bis zum Anfang des zweiten Weltkrieges statt und es wurden hier häufig Schützenfeste ausgerichtet. In den ersten Jahrzehnten allerdings noch mit großkalibrigen Gewehren, die persönliches Eigentum der Schützen waren.

Das Foto oben zeigt die Schützen des Königsschießens von 1907 auf dem Lindenbergschießstand.

Logo des Schützenvereins mit gekreuzten Gewehren und Schießscheibe umrahmt von Eichenlaub
Logo des Schützenvereins Bettenhausen 1867 e.V.  Foto: Schützenverein Bettenhausen 1867 e.V.

Der erste Weltkrieg brachte die erste Unterbrechung des Schießbetriebes und verurteilte die Schützen zu einer fünfjährigen Pause. Aber schon 1920 wurde der Schießbetrieb wieder aufgenommen und Heinz Malkomes, einer der erfolgreichsten Bettenhäuser Sportschützen, als Schützenkönig ermittelt. In den Nachkriegsjahren musste der Verein schwere Kämpfe um den Erhalt seiner Existenz bestehen. Der damalige Zeitgeist brachte einen starken Rückgang der Mitgliederzahl. Doch ein harter Kern der Vereinskameraden hielt zusammen und nahm jede Gelegenheit wahr, auch nach außen hin geschlossen aufzutreten, um die Schützensache in der Öffentlichkeit zu repräsentieren. 1927 wurde das 60 jährige Vereinsbestehen im Zusammenhang mit der 800 Jahrfeier von Bettenhausen begangen. Das Jubiläumsschießen fand im Park Schönfeld statt. Der Verein nahm auch am Bundesschießen 1930 in Köln teil.

Mitgliedskarte von Fritz Wiederhold von 1934
Mitgliedskarte von Fritz Wiederhold, der in den Jahren 1929 bis 1933 dreimal Schützenkönig wurde.  Foto: Schützenverein Bettenhausen 1867 e.V.

Nachdem das alte Schützenhaus auf dem Lindenberg nach dem ersten Weltkrieg beseitigt wurde, konnte 1933 eine nach den neusten Gesichtspunkten entworfene Schießanlage mit Schützenhaus errichtet werden. Am 16. September 1934 fand auf der neuen Anlage das Königsschießen statt und Adolf Hartung errang den Königstitel. Die Mitgliederzahl nahm wieder zu.

Im Bild zu sehen ist die Mitgliedskarte von Fritz Wiederhold, der in den Jahren 1929 bis 1933 dreimal Schützenkönig wurde. Er war es auch der mit dem Bürgerverein Bettenhausen 1927 für die Organisation der 800 Jahrfeier Bettenhausens verantwortlich zeichnete.

In den Folgejahren übernahmen die NSDAP Organisatoren die Anlage zur Ausübung des Wehrsportes der HJ. Der Verein erhielt nur die Mitbenutzungsrechte. Durch zwei Unwetter im Januar und im Februar 1935 wurde die Anlage und die Terrasse des Schützenhauses stark beschädigt. Die Vereinsmitglieder beseitigten in ihrer Freizeit die Schäden wieder.

Von 1940 bis 1952 war der Vereinsbetrieb unterbrochen. Die Schießanlage wurde auf Anordnung der amerikanischen Besatzung nach Kriegsende gesprengt. Das Schützenhaus wurde seitens der Stadt Kassel vorübergehend an einen Jugendverein verpachtet. Mit Zustimmung der US-Militärregierung durften die alten Vereinsmitglieder Adolf Möller, Adolf Hartung und Theo Krause 1952 zu einer ersten Versammlung für Mitglieder und Interessierte aufrufen. Das Gasthaus „Insel Helgoland“ wurde zum Vereinslokal ausgewählt. Vorerst wurde der Schießbetrieb nur mit Luftgewehren und später erst mit Kleinkaliberwaffen genehmigt. Die Mitgliederzahl stieg rasch, sie belief sich 1957 bereits auf 116. Das große Gelände am Lindenberg wurde in einen Kinderspielplatz umgewandelt. Nach langen Verhandlungen mit der Stadt erhielt der Verein ein 3000 m² großes Schießplatzgrundstück in der Miramstraße 69 als Eigentum.

Hier entstand 1959 das heutige Schützenhaus und ein Schießstand mit 14 Ständen für das Schießen mit Luftgewehr und Luftpistole.

In einem zweiten Bauabschnitt konnte 1978 die Errichtung von weiteren sechs Kleinkaliberständen und fünf Sportpistolenständen verwirklicht werden. Maßgeblichen Anteil am Aufbau hatten die Schützenbrüder Fritz Keidler, Theo Krause und Heinz Frisch. Im Januar 1979 nahm der damalige 1. Vorsitzende Horst Knoke die Einweihungsfeier vor.

Traditionsgemäß führte der Verein nach 1952 schon mehrere Schützenfeste durch, besonders zu erwähnen sind:

Das vom 28.6. bis 1.7.1957 aus Anlass des 90 jährigen Bestehens des Vereins unter dem Vorsitz von Fritz Keidler durchgeführte große Heimat- und Schützenfest wurde auf dem neuen Vereinsgelände an der Miramstraße begangen. Dies war das erste Bettenhäuser Heimatfest nach der 800Jahrfeier von 1927. Das Fest wurde unterstützt durch den Gemischten Chor Kassel Bettenhausen, das Bandonion-Orchester und den Turn- und Sportverein Kassel- Bettenhausen. Die Schule in der Eichwaldstraße brachte das Heimatstück “Kassels Wehr zu Kassels Ehr“ von Lehrerin Hilde Kastner zur Aufführung. Das Stück wurde begeistert aufgenommen und das ganze Fest und der Festzug waren ein toller Erfolg.

Festzugwagen zum 90jährigen Bestehen des Vereins 1957 am Dorfplatz Bettenhausen
Festzug zum 90jährigen Bestehen des Vereins 1957 am Dorfplatz, im Wagen der 1. Vorsitzende Fritz Keidler  Foto: Herta Schweizer, Kassel

Das 100jährige Jubiläum vom 1. bis 3. September 1967 unter dem 1.Vorsitzenden Heinz Frisch. Anlässlich des Jubiläums wurde die Damen-Abteilung gegründet.

Die 125-Jahrfeier vom 18. bis 20. September 1992 zu der auch das 33. Kreisschützenfest stattfand. Der 1. Vorsitzende war Jochen Bartel. Er trug die Daten und Fakten für die vorliegende Vereins Chronik zusammen.

Wenn sie den vollständigen Text zu 90 Jahre Schützenverein im 2. Kreisschützenheft von 1957 lesen wollen, können sie sich die pdf-Datei im Anhang herunterladen. Hier finden sie auch alle Mitglieder und die Könige von 1867 bis 1957 aufgelistet.

 

Editor: Erhard Schaeffer, 2010

Quellen:

  • Festschrift 850 Jahre Bettenhausen, ARGE 850 1976
  • Vereins Chronik „125 Schützenverein Bettenhausen 1867“, Jürgen Bartel 1992
  • Bilder: Archiv Geschichtskreis "Bettenhausen früher und heute"

Kurzbeschreibung

Zu den ältesten Traditionsvereinen des Kasseler Ostens gehört der Schützenverein Bettenhausen 1867 e.V.. Seit dem Gründungsjahr trägt er unverändert diese Vereinsbezeichnung.

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