Textbeitrag von Erhard Schaeffer
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"Gaststätten":

Gaststätte Insel-Helgoland

Foto: Archiv H. Schagrün, Niestetal

“Insel-Helgoland“

Der älteste, über „Schank- und Herbergierungsgerechtigkeit zu Bettenhausen“ vorliegende Erbleihebrief datiert vom 4. November 1689. Wer außer dem Inhaber des Erbleihebriefes einen Ausschank haben wollte, konnte das nur durch einen Untervertrag mit jenem erreichen.

Da gab es die wiederholten Versuche des Schreinermeisters Jakob Zuschlag, eine Schankgenehmigung zu erhalten. Als er 1891 unter Einsatz seines Lebens ein Kind aus der Hochwasser führenden Losse gerettet hatte und dafür ausgezeichnet werden sollte, verzichtete er auf die Rettungsmedaille und erbat sich dafür die Konzession für eine Gastwirtschaft, die er dann “Insel Helgoland“ nannte. Er hatte einen Sohn und zwei Töchter. Seine Tochter Lina heiratete später Albert Leinweber und führte mit ihm die Gaststätte weiter.

Als in den 1890er Jahren der Fußball von England herüber kam,  wurde 1894 der 1. Casseler Ballspielclub „BC Sport" in der Gaststätte „Insel Helgoland“ aus der Taufe gehoben und ein Jahr später der „Sportverein Kurhessen“, der spätere KSV gegründet.

Einen Sportplatz gab es damals noch nicht. Gespielt wurde auf dem Forst, damals ein militärisches Übungsgelände zwischen Bettenhausen und Waldau. Die Spieler mussten ihre Torlatten und Eckfahnen dorthin schleppen und nach dem Spiel wieder abbauen und zur „Insel“ zurückbringen. Ob Sieg oder Niederlage, anschließend wurde gefeiert. Mit nem Mußtenwecke für 15 Pfennig oder ner Portion Schmandhering mit Pellmännern, oder Sulperknochen mit suren Kohl und Salzkartuffeln für 60 Pfennige wurde sich dann gestärkt.

 „Der alte Brauch wird nicht gebrochen - Familien können Kaffee kochen“

Wo dies geschrieben stand, wurde mitgebrachter Kaffee aufgebrüht und für die leeren Tassen, Milch und Zucker ein paar Pfennige berechnet. Am Abend wurden mitgebrachte Stullen verzehrt. Der Wirt lieferte dazu Messer Brettchen und die Menage. Als besondere Attraktion hatte der „Inselwirt“ einen Kahn angeschafft, mit dem man für 10 Pfennige auf der Losse fahren konnte. Hiervon machten die Gäste regen Gebrauch.

Bei dem Feuersturm in der Kasseler Altstadt am 22. Oktober 1943 fand das Gastwirt-Ehepaar, Lina und Albert Leinweber, den tragischen Tod. Auch die „Insel Helgoland“ wurde vollständig zerstört. Sie wurde aber nach dem Krieg wieder aufgebaut und erlebte noch so manche Feier vor allem schöne große Familienfeiern.

Insel Helgoland 1938

Feier der Goldenen Hochzeit der Familie Kugler Ende der 30iger Jahre in der Insel Helgoland

Es war im Jahr 1958. Wir wohnten am Dorfplatz in einem alten Bauernhaus. Eine Steintreppe führte in das Haus, unter der ging es hinab in den Keller. Es war ein schönes Wohnen. Man hörte die Losse rauschen und die Glocken der nahen Kirche läuten. Hundert Schritte entfernt war die Gaststätte „Insel Helgoland“ und wir waren dort zu einer Silberhochzeitsfeier eingeladen. Die Feier war wunderschön, nur das Wetter spielte nicht mit. Der Wirt August Leinweber war aufgeregt und lief ständig raus und rein. Als ich ihn fragte, was denn los sei, antwortete er: „Wir haben Hochwasser! Ich muss schnell alles aus dem Keller holen“. Hochwasser! Ich ging erschrocken in den Saal zurück und rief der feiernden Gesellschaft zu: „Wir haben Hochwasser!“ .

.Kirchgasse_8

Sofort rannten alle Gäste von der Insel Helgoland zum Dorfplatz und zu dem Haus Kirchgasse 8.Tatsächlich, das Wasser stand auf dem Dorfplatz, doch es hatte vor unserem Keller Halt gemacht. Glück gehabt! Den Dorfplatz als See mit schwimmenden Enten darauf, das hat man, so glaube ich, später nie wieder erlebt.

Dorfplatz, Hochwasser 1958 sw

Der Dorfplatz stand bei Hochwasser immer wieder unter Wasser und wie auf diesem Bild sieht man im Hintergrund die Gaststätte Insel-Helgoland, die von den Wasserflächen eingeschlossen ist. Zu diesem Zeitpunkt war der Wirt im wahrsten Sinne des Wortes ein "Inselwirt". Laut Erika Helbinge sieht man auf dem Bild das so genannte Pfingst-Hochwasser vom 07. Juni 1940. Es entstand durch wolkenbruchartigen Regen in Sandershausen, Heiligenrode und Bettenhausen.

Editor: Erhard Schaeffer 2009

Erinnerungen von: Wilgard Schiller, August Leinweber (Sohn von Lina und Albert) und Uschi Knoke

Hochwasserbilder von Gisela Herwig geb. Bischoff und Ernst Herwig,

 

 

Dokumente zum Herunterladen:

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Grußkarte von der Insel Helgoland von 1901
[pdf-Datei; Größe 1.70 MB]
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