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Rauchwolken über Waldau -Millionenschaden bei Großfeuer

Löschwasser wird über zwei Drehleitern, die vor der brennenden Halle stehen, auch das Dach gespritzt. Schwarze Rauwolken steigen auf.

Zwei Drehleitern der Berufsfeuerwehr im Einsatz
Foto: Feuerwehr Kassel

Am 29.Juni 1990 kam es im in einer Produktions- und Lagerhalle der AEG Isolier- und Kunststoff GmbH (AIK) an der Otto-Hahn-Straße im Industriegebiet Waldau zu einem Brand. Pechschwarze Rauchwolken zogen über Waldau und im weiten Umkreis lag penetranter Gestank in der Luft. Der Schaden sollte am Ende über zwei Millionen DM steigen.

Um 11.23 Uhr hatte die automatische Feuermeldeanlage in der etwa 80 mal 130 Meter großen Halle Alarm ausgelöst. Die erste Brandbekämpfung führte die Werkfeuerwehr durch. Wenige Minuten später rückte die Kasseler Berufsfeuerwehr mit einem Großaufgebot an Löschfahrzeugen an.

Um 12.10 Uhr ließ die Einsatzleitstelle zusätzlich sieben Freiwillige Feuerwehren der Stadt alarmieren. Zuerst bekämpfte man den Brand in der Halle 2. In der sich auf 10400 m² Fläche neben dem Produktionsbereich auch Büro und Lagerräume befanden. Brennbare Flüssigkeiten wurden dort auch gelagert.

Ein Wenderohr spritz Löschasser von einer Drehleiter auf das Hallendach. Schwarze Rauchwolken steigen auf.
Wenderohr von einer Drehleiter im Einsatz  Foto: Feuerwehr Kassel

Das Risiko der Brandausbreitung und der damit verbundenen Explosionsgefahr war entsprechend hoch. Riesige schwarze Rauchwolken über dem Industriegebiet waren weithin sichtbar. Die Wolken zogen durch Thermik und Wind beschleunigt auch über die Fulda in die Südstadt. Um Gefahren für die Bevölkerung abzuschätzen können wurden durch Trupps der Feuerwehr großräumig Messungen durchgeführt. Bei dem in Rollen gelagertem Verpackungsmaterial, dass in einem Lager brannte, handelte es sich hauptsächlich um Papier und Pappe und geringe Mengen PVC. Gefährliche andere Stoffe verbrannten nicht. Der schwarze Rauch entstand vor allem durch die Teerpappe, die auf dem Dach ausgelegt war. Von der Feuerwehr wurden hauptsächlich Stickoxide gemessen, deren Konzentrationen wegen der hohen Luftverdünnung für Menschen und Tiere keine Gefahr darstellten.

Mit der Ausbreitung des Brandes schlugen die Flammen durch das Dach der Halle. Die Brandbekämpfung gestaltete sich schwierig und zeitraubend. Von Drehleitern wurde der Brand auf dem Dach bekämpft um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Im Verlauf der Löscharbeiten kamen 54 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, 39 Männer der Freiwilligen Feuerwehren aus Waldau, Wolfsanger, Forstfeld, Harleshausen, Niederzwehren, Nordshausen und Oberzwehren, 11 Betriebsfeuerwehrleute der Firma AIK und der Notarzt mit Rettungswagen des DRK zum Einsatz. Die Koordination durch die Einsatzleitung vor Ort erfolgt aus einen Kommandobus der Feuerwehr.

Der rote Einsatzleitbus der Feuerwehr Kassel steht vor einem Gebäude
Einsatzleitbus der Feuerwehr Kassel  Foto: Feuerwehr Kassel

Das Feuer wurde mit Schaum und Wasser aus 11 C-Rohren, vier B-Rohren und einem Wenderohr bekämpft. Die Feuerwehr schützte sich durch Einsatz von Pressluft-Atemschutzgeräte, von denen insgesamt 120 eingesetzt wurden. Die Löscharbeiten erfolgten von Außen über drei Drehleitern und später im Innenangriff mit Schaumrohren. Erst nach 31/2 Stunden war der Brand unter Kontrolle, d. h. eine weitere Ausbreitung konnte nicht mehr stattfinden. Die Nachlöscharbeiten dauerten aber bis in die Abendstunden an. Der Lagerbereich brannte völlig aus. Eine Sicherheitswache der Feuerwehr blieb bis in den nächsten Tag vor Ort.

Die Isolier- und Kunststoffproduktion der AEG im Industriepark AIK dauerte noch bis in die 2000 Jahre. Später ist in dem Gewerbepark u. a. die AIK Flammadur Brandschutz GmbH neben der Firma Schneider Bedachungen angesiedelt. Im Jahr 2016 hat sich die AIK der svt - Unternehmensgruppe angeschlossen, einem renommierten Anbieter auf dem Gebiet des vorbeugenden Brandschutzes und der Schadensanierung.

Text und Editor: Erhard Schaeffer, Januar 2023

 

Quellen:

  • HNA Archiv 30.06.1990

  • Feuerwehrverein Kassel, 100 Jahre Feuerwehr Kassel, Giller, Mierke, Petig, 1991

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Kurzbeschreibung

Am 29.Juni 1990 kam es im in einer Produktions- und Lagerhalle der AEG Isolier- und Kunststoff GmbH (AIK) an der Otto-Hahn-Straße in Waldau zu einem Brand. Pechschwarze Rauchwolken zogen über Waldau und im weiten Umkreis lag penetranter Gestank in der Luft. Der Schaden sollte am Ende über zwei Millionen DM steigen.

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