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Karosseriebau Schölch, Glanzleistungen des Handwerks

Werbung der Fa. Karosseriebau Schölch in der HNA von 1981

Werbung der Fa. Karosseriebau Schölch in der HNA von 1981
Foto: HNA Kassel, 11.12.1981

Der Stellmachermeister Karl Schölch, geb. am 17.08.1878 in Oberdielbach (OT von Waldbrunn im Odenwald), kam auf seiner Wanderschaft 1901 nach Kassel und übernahm am 02.01.1903 die Stellmacherei von Georg Damm in der Leipziger Str. 45 (nach der Eingemeindung Bettenhausens im Jahre 1906 dann: Leipziger Str. 75). Er legte damit den Grundstein für ein Familienunternehmen, das von mehreren Generationen geführt wurde.

Auf der Suche nach neuen Fertigungsprodukten erkannte Karl Schölch sen. sehr früh die Bedeutung des Karosseriebaus. Er baute, besonders in den Zeiten des Ersten Weltkrieges, für die deutsche Armee viele Mannschafts- und Wohnwagen. Als zweiten Geschäftszweig betrieb er in der Königinhofstraße ein großes Sägewerk für Rundhölzer.

Firmengelände der Fa. Schölch in der Sandershäuser Str. 89
Firmengelände der Fa. Schölch in der Sandershäuser Str. 89  Foto: Vermessung und Geoinformationen Kassel, 1993

Sein Sohn Heinrich, geboren am 09.10.1906, absolvierte eine Lehre in der väterlichen Stellmacherei und besuchte zur Weiterbildung die Wagenbauschule in Köthen (Sachsen-Anhalt). Danach machte er seine Meisterprüfung als Stellmacher und Wagenbauer.
Heinrich Schölch heiratete 1931 Hulda geb. Landgraf. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Sohn Karl jun. (* 31.01.1932, +13.01.2008) und Tochter Ellen.

Am 01.01.1938 übernahm Heinrich Schölch die Stellmacherei in der Leipziger Str. 75, die sich inzwischen zu einem führenden Karosseriebetrieb entwickelt hatte und schon 35 Mitarbeiter beschäftigte. Seine Frau Hulda führte den kaufmännischen Abteilung des Betriebes.
Die Werkstätten fielen 1943 den Bomben des 2. Weltkrieges zum Opfer und wurden behelfsmäßig in Hofgeismar weitergeführt. Erst 1952 nahm der Karosseriebetrieb Heinrich Schölch GmbH in Kassel Sandershäuser Str. 89 seine Arbeit wieder auf.
Das Unternehmen vergrößerte sich ständig. Durch die Hinzunahme einer eigenen Elektroabteilung und einer Lackiererei mit Rostschutzverarbeitung erfolgte eine Anpassung an die Herausforderungen der modernen Technik. Ab 1957 sind Heinrich Schölch und Sohn Karl als Gesellschafter der Heinrich Schölch OHG im Handelsregister eingetragen.

Bus mobile Einsatzleitung Mot. Hessen Nord ausgebaut von Karosseriebau Schölch vor den mit Efeu umrankten Toren der Feuerwache
Die mobile Einsatzleitung Mot. Hessen Nord ausgebaut von Karosseriebau Schölch  Foto: Berufsfeuerwehr Stadt Kassel

Nach 1958 war der inzwischen als Karosserie- und Fahrzeugbaumeister ausgebildete Karl Schölch jun. Geschäftsführer der Fa. Heinrich Schölch GmbH. Er setzte den eingeschlagenen Erfolgsweg des Betriebes fort und engagierte sich in den Handwerkerorganisationen. Er war ab 1975 Präsident des Zentralverbands der Karosserie- und Fahrzeugtechnik, Präsidiumsmitglied des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und Präsident der Handwerkskammer Kassel von 1989 bis 1996.

Durch erhebliche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen für vier Millionen DM erhielt der Betrieb 1981 mit 20 000 qm nahezu die doppelte Nutzfläche. Etwa 140 Mitarbeiter boten, nach Angaben der Regionalzeitung, „Full-Service auf dem Karosserie- und Fahrzeugsektor“. Ein Lastenaufzug mit einer Tragfähigkeit von 5000 kg erleichterte die über mehrere Etagen führende Produktion. Im Lager erlaubte eine EDV-Steuerung schnellsten Zugriff auf die Bestände.
In der Karosserieabteilung wurden alle Kundenwünsche erfüllt. Aufbauten, Anhänger, Container Verkaufsfahrzeuge, Kräne und Kühlfahrzeige waren lieferbar. In der Reparaturabteilung wurden Arbeiten an Pkw, Lkw, Anhängern und Omnibussen ausgeführt. Die Abteilung Kfz-Elektrik setzte ihre Fachkenntnisse für Anlasser, Beleuchtungsanlagen, Lichtmaschinen und Klimaanlagen ein. In der Sattlerei wurden Verdeck-, Polster- und Sattlerarbeiten ausgeführt. Eine teilbare Großraumspritzkabine mit Trockenboxen stand für alle Lackierarbeiten zur Verfügung. Fachliche Beratung und guter Service sollten die Garanten für die Zufriedenheit der Kunden sein.

Opel Lkw mit einem durch die Fa. Schölch verlängerten Aufbau
Opel Lkw mit einem durch die Fa. Schölch verlängerten Aufbau  Foto: Foto Franke, Hassia Drogerie, Kassel

In die Zeit in der Karl Schöch jun. Präsident der Handwerkskammer Kassel war, fiel die Deutsche Wiedervereinigung. Als Kammerpräsident sorgte er ab 1990 für den Auf- und Ausbau von Wirtschaftskammern, Fachverbänden und Bildungseinrichtungen in den Neuen Ländern. Für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement erhielt Karl Schölch zahlreiche Auszeichnungen. Unter anderem das Goldene Handwerkszeichen und die Goldene Ehrennadel des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik. Weiter wurde er mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Karl Schölch war verheiratet mit Gisela geb. Weltner und hatte drei Söhne.

Der letzte Firmeninhaber Karl Schölch jun.
Der letzte Firmeninhaber Karl Schölch jun.  Foto: Handwerkskammer Kassel

Die Geschäfte nahmen nach der Wiedervereinigung in 1990 eine gute und florierende Entwicklung. Als jedoch die großen Nutzfahrzeughersteller dazu übergingen individuelle Kundenwünsche bezüglich der Gestaltung der Ladeflächen und Aufbauten selbst zu berücksichtigen, wurde die Absatzlage für die kleinen Karosseriebauer immer prekärer. Hinzu kam, dass sich im Schwerlastverkehr der Containertransport zunehmend durchsetzte. An der Firma von Karl Schölch ging diese Entwicklung nicht spurlos vorüber, und so kam es, dass die Heinrich Schölch GmbH im Jahre 2000 Insolvenz anmelden musste und noch im gleichen Jahr seine Tore für immer schloss.

Das Firmengelände in der Sandershäuser Straße 89 wurde in der Folgezeit von verschiedenen Unternehmen genutzt. Heute (2023) ist dort die Fa. Herbert Nuhn, Transportkälte, geschäftsansässig.
Karl Schölch starb am 13. Januar 2008 im Alter von 75 Jahren. Die Handwerkskammer Kassel ehrte ihn mit einem würdevollen Nachruf.

Text und Editor: Bernd Schaeffer, Januar 2023

Quellen:

  • Verschiedene Ausgaben der HNA der Jahrgänge 1973, 1981, 2000 und 2008
  • Nachruf der Handwerkskammer Kassel aus 2008

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Kurzbeschreibung

Der Stellmachermeister Karl Schölch, geb. am 17.08.1878 in Oberdielbach (OT von Waldbrunn im Odenwald), kam auf seiner Wanderschaft 1901 nach Kassel und übernahm am 02.01.1903 die Stellmacherei von Georg Damm in der Leipziger Str. 45 (nach der Eingemeindung Bettenhausens im Jahre 1906 dann: Leipziger Str. 75). Er legte damit den Grundstein für ein Familienunternehmen, das von mehreren Generationen geführt wurde.

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