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Karl Schölch, Sägewerk und Holzhandlung

Schölch, Karl sen.

Karl Schölch sen.
Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Der Stellmachermeister Karl Schölch übernahm 1903 die Firma von Georg Damm in der Leipziger Straße. Aus kleinen Anfängen mit nur vier bis fünf Arbeitern brachte er es durch persönlichen Einsatz und durch tatkräftige Hilfe seiner im Holzfach ausgebildeten Söhne zu einem der größten Holzhandlungen mit Sägewerk im Kasseler Raum mit Sitz in der Königinhofstraße 86. Schon früh erkannte die Familie Schölch die Bedeutung der Stellmacherei für den Karosseriebau und spezialisierte sich im Ersten Weltkrieg auf die Herstellung von Manschafts- und Wohnwagen für die Armee. Trotz vielfältiger Rückschläge durch Überflutung und Brände wuchs der Betrieb kontinuierlich. Ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz starb der Firmengründer 1959. Seine Söhne führten die Geschäfte bis 1985 in der Königinhofstraße 86 weiter. Noch heute gibt es die „Außenstelle“ in Landwehrhagen OT Lutterberg, wo seit 1975 eine Möbelmanufaktur für Massivholzmöbel aus Edelhölzern von Peter Schölch, dem Enkel des Firmengründers, geführt wird.

Karl Schölch, geb. am 17. 8. 1878 in Oberdielbach im Odenwald, Stellmachermeister, kam auf seiner Wanderschaft 1901 nach Kassel und übernahm am 2. 1. 1903 die Stellmacherei Georg Damm in der Leipziger Str. 45 (nach der Eingemeindung Bettenhausens im Jahre 1906 Leipziger Str. 75). Er legte damit den Grundstein für ein Familienunternehmen, welches nach nunmehr über 100 Jahren weiter besteht.
Am 20. 6 1903 heiratete Karl Schölch die Handwerkstochter Katharina Riemenschneider, geb. am 13. 2. 1880, aus Malsfeld. Sie bekamen insgesamt fünf Kinder. Sohn Georg, geboren am 23.10.1904, machte eine Lehre als Bankkaufmann und arbeitete anschließend in einem Holzhandel und Sägewerksbetrieb in Leipzig. Sohn Heinrich, geboren am 9. 10. 1906, absolvierte seine Lehre in der väterlichen Stellmacherei und besuchte zur Weiterbildung die Wagenbauschule in Köthen. Sohn Eduard, geb. am 1. 10. 1911, ging bei Zimmerermeister Bischoff im Olebachweg 43 in Kassel in die Lehre.
Karl Schölch beschäftigte in den Anfangsjahren vier bis fünf Arbeiter. Er erweiterte die Stellmacherei um einen Rundholzhandel und fertigte Schwellen für den Gleisbau. Der Betrieb wuchs und so konnte er 1912 das Grundstück in der Leipziger Str. 75 käuflich erwerben. Auf der Suche nach neuen Fertigungsprodukten erkannte er sehr früh die Bedeutung des Karosseriebaus. Er baute, besonders im Ersten Weltkrieg, für die Armee viele Mannschafts- und Wohnwagen.

Schölch, Werksfoto 1952
Sägewerk und Holzhandlung Karl Schölch, 1952  Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Diese Sparte konnte er dank der Zufriedenheit seiner Kunden weiter ausbauen und erhöhte so seinen Umsatz. Das gekaufte Rundholz wurde im Lohnauftrag von verschiedenen Sägewerken geschnitten. Das Schnittholz wurde bis nach Thüringen, Sachsen, Bayern und Ostpreußen verkauft.
Ab 1931 arbeiteten die Söhne Georg und Eduard wieder im Holzhandel des Vaters. Mit ihm zusammen bauten sie ein Sägewerk auf, zunächst mit nur einem Horizontalgatter, angetrieben mit einem Dieselmotor. 1934 kam ein dampfgetriebenes Vollgatter hinzu.
Am 1. 1. 1938 übernahm Heinrich Schölch die Stellmacherei in der Leipziger Str. 75, die sich inzwischen zu einem führenden Karosseriebetrieb entwickelt hatte. Die Werkstätten fielen 1943 den Bomben zum Opfer und wurden danach in Hofgeismar weitergeführt. 1952 nahm der Karosseriebetrieb in Kassel, Sandershäuser Str. 89, seine Arbeit wieder auf.
Der Sägewerksbetrieb wuchs weiter und so wurde das seit Mitte der 1930er Jahre gepachtete Grundstück in der Königinhofstraße. 86 gekauft. Auf dem 33.000°qm großen Areal wurde mit dem Bau eines neuen Sägewerks begonnen, welches infolge der Kriegseinwirkungen erst 1942 fertiggestellt wurde. Mehrere kriegsbedingte Katastrophen verzögerten den Aufbau an der neuen Betriebsstätte.

Schölch Sägegatter
Werkshalle mit vier Sägegattern  Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.

So wurde durch die Zerstörung der Edertalsperre am 17. 5. 1943 das Sägewerksgelände überflutet und Lagerbestände weggespült. Am 5. 10. 1943 sank durch einen Bombenangriff der gesamte Betrieb in Schutt und Asche, alle Lagervorräte wurden vernichtet. Noch dreimal, letztmalig 1945, ließ der Krieg Zerstörungen zurück. Erst 1948 war der Wiederaufbau des Sägewerks abgeschlossen. Wohn- und Bürogebäude folgten, ebenso Werkstätten und Garagen.
Die eigene Schlosserei übernahm alle anfallenden Reparaturen im Betrieb und dem Fuhrpark mit mittlerweile sechs Lastkraftwagen und einem Trecker. 1951/52 wurden die Sägegatter erneuert und 1952 lieferte die neu aufgestellte Lokomobile die Energie für den Betrieb. Mit ihrer Hilfe war es jetzt auch möglich, gedämpftes Buchenholz zu liefern.

Schölch, Eduard und Georg
Eduard und Georg Schölch  Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Am 1. 10. 1948 wurden die Söhne Georg und Eduard zu Teilhabern des Seniorchefs Karl Schölch. Sie führten den Betrieb jetzt gemeinsam. Karl Schölch gehörte weiterhin dem Vorstand der hessischen Wirtschaftsvereinigung der Sägeindustrie an und war auf allen größeren Holzauktionen anzutreffen.

Schölch Lokomobile
Die Lokomobile von 1952  Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.

1953 liefen in der neu erbauten Sägehalle drei moderne Vollgatter, ein Horizontalgatter und eine Fußbodenhobelmaschine. Die vier Gatter waren mit dem Einschnitt von Laubhölzern wie Eiche, Buche, Esche, Ahorn, Pappel, Ulme, Nussbaum, Linde sowie Obstbaumstämmen und Weichhölzern aus den heimischen Wäldern ausgelastet. Sie wurden als Schnittholz überwiegend an Industrie, Zimmerer- und Schreinerhandwerk verkauft. Das Verbreitungsgebiet der Firma umfasste überwiegend die Bundesländer Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, das Rheinland und die neuen Bundesländer der ehemaligen DDR sowie Holland. Für die Deutsche Bundesbahn wurden Schwellen gefertigt. Furniere von deutschen Hölzern fanden ihre Abnehmer in dem wachsenden Kundenstamm des Unternehmens. Um allen Kundenwünschen gerecht zu werden, wurden in den 1950er Jahren bis zu 120 Angestellte und Arbeiter beschäftigt.
Anlässlich seines 75. Geburtstags erhielt Karl Schölch von Oberbürgermeister Willi Seidel das Bundesverdienstkreuz überreicht. Noch im gleichen Jahr, am 1. 10. 1953, zog sich der Seniorchef aus dem Unternehmen zurück und übergab die Leitung an seine beiden Söhne Georg und Eduard Schölch. Durch Brandstiftung wurden am 8. März 1967 weite Teile des Sägewerks zerstörte. Während der Brand die Maschinenhalle völlig zerstörte konnte das Bürogebäude durch den Großeinsatz der Kasseler Feuerwehr und Feuerwehren des Umlandes vor den Flammen gerettet werden. Schon nach dreimonatiger Bauzeit konnten eine neue Sägewerkshalle eingeweiht und die Arbeiten wieder aufgenommen werden.
Bereits 1954 wurden Bereiche der Holzverarbeitung nach Landwehrhagen OT Lutterberg verlagert. Hier wurde die Fabrikation von Särgen aufgenommen und Möbelteile gefertigt.
Die An- und Auslieferung der umfangreichen Holzbestellungen erfolgte mit eigenen Lastkraftwagen und über das auf das Werksgelände führende Anschlussgleis der Bundesbahn, ein Abzweig der Betriebsbahn vom Bahnhof Bettenhausen zum Hafen an der Fulda.
Karl Schölch starb am 20.10.1959, Georg Schölch am 2. 1. 1979, Eduard Schölch am 23. 9. 1986. Die Cousins Peter Schölch und Karl-Heinz Schölch übernahmen nun gleichberechtigt die Geschäftsführung.
Wegen der immer größer werdenden Auflagen im Umweltschutz für ein Sägewerk in der Nähe von Wohnsiedlungen wurde der Betrieb in der Königinhofstraße 1985 aufgegeben. Das Gelände des ehemaligen Sägewerks wurde an mehrere Kleinunternehmer verpachtet.
Die „Außenstelle“ in Landwehrhagen OT Lutterberg wurde 1975 durch eine Möbelmanufaktur für Massivholzmöbel aus Edelhölzern erweitert. Die Firma „Schölch Exklusives Wohnen“ mit einer Ausstellungsfläche von 1.500 qm wird von Peter Schölch dem Enkel des Firmengründers geführt.

Text: Klaus Peter Wieddekind, Kassel, Juni 2011

Fotos: Peter Schölch, Kassel

Quellennachweis:

  • Chronik „50 Jahre Karl Schölch – Kassel, Sägewerk und Holzhandlung OHG“, 1953
  • Hessische Nachrichten vom 18. 8. 1953
  • Peter Schölch, Kassel

Editor: Bernd Schaeffer, Oktober 2013

Der Beitrag wurde 2011 in der Broschüre„Industriestandort Bettenhausen, Bd. 2“ zusammen mit weiteren elf Firmengeschichten veröffentlicht. Das Heft kann im Stadtteilzentrum Agathof (Tel. 572482) erworben werden.

Kurzbeschreibung

Der Stellmachermeister Karl Schölch übernahm 1903 die Firma von Georg Damm in der Leipziger Straße. Aus kleinen Anfängen mit nur vier bis fünf Arbeitern brachte er es durch persönlichen Einsatz und durch tatkräftige Hilfe seiner im Holzfach ausgebildeten Söhne zu einem der größten Holzhandlungen mit Sägewerk im Kasseler Raum mit Sitz in der Königinhofstraße 86. Schon früh erkannte die Familie Schölch die Bedeutung der Stellmacherei für den Karosseriebau und spezialisierte sich im Ersten Weltkrieg auf die Herstellung von Mannschafts- und Wohnwagen für die Armee. Trotz vielfältiger Rückschläge durch Überflutung und Brände wuchs der Betrieb kontinuierlich. Ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz starb der Firmengründer 1959. Seine Söhne führten die Geschäfte bis 1985 in der Königinhofstraße 86 weiter. Noch heute gibt es die „Außenstelle“ in Landwehrhagen OT Lutterberg, wo seit 1975 eine Möbelmanufaktur für Massivholzmöbel aus Edelhölzern von Peter Schölch, dem Enkel des Firmengründers, geführt wird.

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