Hessen
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In der Schlacht bei Trenton in New Jersey, 1776, kämpften Söldner aus Bettenhausen.

Hessische Truppen des Oberst Rall, 1776

Hessische Truppen des Oberst Rall, 1776
Foto: www.lagis-hessen.de/img/hetrina/s2/RAL1.jpg

Die relativ kleine Landgrafschaft Hessen-Kassel hat im 17. und 18. Jahrhundert eine Reihe von repräsentativen Anlagen errichtet sowie in großem Ausmaß in die wissenschaftliche und künstlerische Entwicklung des Landes investiert. Eine wesentliche Einnahmequelle für die enormen Investitionen war der Soldatenhandel mit den europäischen Fürstenhäusern. Landgraf Friedrich II von Hessen-Kassel (*14.08.1720, +31.10.1785) hat durch Subsidien-Vertrag mit König Georg III von Großbritannien allein zur Unterstützung der Engländer während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges mehr als 12 000 gut ausgebildete hessische Soldaten bereitgestellt. Unter den angeworbenen Söldnern waren auch junge Männer aus Bettenhausen. Ihre Namen sind bekannt und sie sind in dem Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS) unter der Rubrik Hetrina (Hess. Truppen in Amerika) zu finden.

Oberst Johann Gottlieb Rall
Oberst Johann Gottlieb Rall   Foto: li: Georg Whitning Flagg, re:Philipp Leopold von Heister

Unter den Offizieren, die am 23.07.1758 im Siebenjährigen Krieg am Sandershäuser Berg im Infanterie-Regiment Prinz von Isenburg gekämpft hatten, war auch der landgräflich hessen-kasselscher Oberst Johann Gottlieb Rall (1725-1776), ein alt gedienter und in vielen Schlachten erprobter Berufssoldat. Auf der Grundlage des am 15. Januar 1776 mit Großbritannien abgeschlossenen Subsidien-Vertrags gehörte das Grenadierregiment Rall zu den 12 500 Soldaten, die Landgraf Friedrich II nach Nordamerika sandte, um die Engländer im Krieg gegen die um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Amerikaner (1776-1783) zu unterstützen. Das Regiment Rall hatte eine Stärke von etwa 500 Mann und gehörte zur 1. Division, die der General v. Heister befehligte. Unter diesen hessischen Soldaten befanden sich nach den vorhandenen Unterlagen mindestens neun junge Männer aus Bettenhausen. Die ersten 6000 hessischen Soldaten zur Stärkung des britischen Expeditionskorps in Nordamerika starteten am 4. März 1776 vom Standort Grebenstein in Richtung Bremerlehe. Hier begaben sie sich am 18. Mai 1776 an Bord der englischen Transportschiffe „Queen“, „Triton“, „Allicia“ und „Jane“. Nach knapp drei Monate, am 12. August 1776, betrat das Regiment bei Staten Island nordamerikanischen Boden. Schon am 26. August führte Oberst Rall seine Männer in die Gefechte auf Long Island (Gebiet des heutigen New York) und konnte auf dem „Battle Pass“ bei New Utrecht durch heroischen Einsatz und die Eroberung einer Fahne auf sich aufmerksam machen. Der englische Kommandeur, General William Howe, war voll des Lobes über seine „Hessian Lions“ (Hessischen Löwen).

Georg Washington überquert den Delaware, 1776
Georg Washington überquert den Delaware, 1776  Foto: Emanuel Leutze, 1851

Am 16. November stand Rall mit seinen Hessen an der Spitze einer Angriffskolonne bei der Einnahme von Fort Washington des späteren Fort Knyphausen. Mitte Dezember 1776 bezog Rall mit seinen hessischen Einheiten in dem kleinen Ort Trenton am Delaware-River in New Jersey sein Winterquartier. Zu den Truppen im Lager gehörten auch das Füsilier-Regiment Heinrich August v. Loßberg und ein Regiment des Wilhelm v. Knyphausen. Die um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Amerikaner unter Führung des Generals Georg Washington – den späteren Präsidenten der USA – hatten in Erfahrung gebracht, dass Oberst Rall sein Winterlager nur unzureichend durch Schanzen gesichert hatte. In einer bitterkalten Nacht, vom 25. auf den 26. Dezember 1776, marschierte G. Washington unter Regen und Schneegestöber mit 2400 Mann und 18 Geschützen über den zugefrorenen Delaware-River und griff das hessische Winterlager an. Die Hessen setzten sich mutig und leidenschaftlich zur Wehr, hatten aber keine Chance. Rall wurde schon nach kurzer Zeit tödlich verwundet und nach zwei Stunden war der Kampf beendet. Die Hessen hatten an Toten, Verwundete und Gefangenen 933 Männer eingebüßt.

Plan der Schlacht bei Trenton, 1776
Plan der Schlacht bei Trenton, 1776  Foto: Andreas Wiederholdt, 1776https://history.army.mil/news/2014/images/gal_trenton/gal_trenton_02.jpg

Oberst Johann Gottlieb Rall erlag noch am Abend des gleichen Tages seinen Verletzungen. "Er starb gern", stand im Tagebuch eines Mitkämpfers. In späteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass er als altgedienter Offizier nicht nur den Gegner unterschätzt hatte, sondern bei der Weihnachtsfeier am Vorabend „der Flasche zugesprochen hatte“ und deshalb am anderen Morgen zu spät reagierte. Die Regimentsfahnen und sechs mitgeführten Geschütze wurden von Washington erbeutet. Einem Bericht zufolge, gingen 15 Fahnen der besiegten drei hessischen Regimenter (Rall, von Loßberg, von Knyphausen) verloren. Der Sieg über die als kampfstark bekannten Hessen, stärkte die Moral der amerikanischen Soldaten außergewöhnlich und sollte für den späteren Kriegsverlauf eine entscheidende Bedeutung haben. Nach der Niederlage von Trenton erfolgte eine Reorganisation der englischen Truppen. Nachfolger von Oberst Johann Gottlieb Rall wurde 1777 Oberst von Woellwarth. Doch der Wille zur Unabhängigkeit setzte sich am Ende durch, der entscheidende Sieg gelang den amerikanischen Truppen mit ihren französischen Verbündeten im Oktober 1781, als die britische Armee nach der Belagerung von Yorktown/Virginia kapitulierte. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien unterzeichneten am 30. Nov. 1782 einen Vorfrieden. Später, im Frieden von Paris (1783), erkannte Großbritannien die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien an und verzichtete auf alle Gebiete bis zum Mississippi. Das Regiment Rall wartete ab Januar 1783 in der Nähe von New York auf seine Einschiffung. Von dort aus trat es am 12. August 1783 den Rückweg in die Heimat an. Am 10. Oktober 1783 erreichten die verbliebenen Truppen Bremerlehe und nach einer Parade am 1. November 1783 wurde das Regiment am 3. November 1783 abgemustert.

li. Die Erinnerungssaeule an die Schlacht bei Trenton, re. Gefangene Hessen
li. Die Erinnerungssaeule an die Schlacht bei Trenton, re. Gefangene Hessen in Philadelphia  Foto: li: Famartin, wikipedia re: Gottfried Daniel Berger

Nach Beendigung der Kriegshandlungen in Amerika wurden die Regimenter zu ihren Standorten in Hessen zurückverlegt und die Mannschaften auf Friedensstärke herabgesetzt. Die Folgenden namentlich benannten jungen Männer aus Bettenhausen sind mit Oberst Rall an der Seite der Engländer nach Amerika gezogen und haben nach den Recherchen in den unten genannten Archiven am 26.12.1776 in der Stadt Trenton am Delaware an der Kämpfen teilgenommen. Den siegreichen Amerikanern unter G. Washington wurde 1893 genau an der Stelle wo die Schlacht stattgefunden hat ein 46 Meter hohes Denkmal gesetzt, „The Trenton Battle Monument“. In den unteren Räumen wird in Zeichnungen, Schriften und Karten an das Ereignis erinnert.

Diese Bettenhäuser gehörten zum Regiment des Oberst Rall und sind als Söldner mit ihm nach Amerika gegangen.

  • 1. Bottermann, Wilhelm (ca. 1756 - 1779), Bettenhausen - gefangen, 2.1777, gestorben, 7.1779
    2. Fischer, Leonhard, Bettenhausen - desertiert, 6.1778
    3. Pfeiffer (* ca. 1756), Bettenhausen - krank zurückgeblieben, 1776
    4. Pfeiffer, Johannes (* ca. 1749), Bettenhausen - genannt, 1775
    5. Schroeder, Adam (* ca. 1739), Bettenhausen - krank zurückgeblieben, 1776
    6. Wickmann, Martin (* ca. 1747), Bettenhausen - krank zurückgeblieben, 1776
    7. Widdekind (* ca. 1749), Bettenhausen - krank zurückgeblieben, 1776
    8. Widdekind, Ernst (* ca. 1753), Bettenhausen - gefangen, 2.1777 von der Einheit wegversetzt, 1779
    9. Zufall, Gottfried (* ca. 1750), Bettenhausen – genannt, 1775

Was in den Militärakten als „krank zurückgeblieben“ verzeichnet wurde, kann außer Krankheit auch „Verwundung durch Kampfhandlungen“ bedeutet haben.

Kapitulation des schwer verwundeten Oberst G. Rall
Kapitulation des schwer verwundeten Oberst G. Rall  Foto: @ alliance/Glasshouse Im

Oberst Johann Gottlieb Rall hatte sich für den Einsatz in Amerika unter der Voraussetzung anwerben lassen, dass im Falle seines Todes, Landgraf Friedrich II seine Schulden bezahlt und für den Unterhalt seiner Frau und seiner Kinder aufkommt. Er hatte als 50jähriger altgedienter Offizier das eigene Risiko offensichtlich richtig eingeschätzt.

Nachwort: Nachdem der Editor im September 1988 von Philadelphia aus die Stadt Trenton besuchte und das „Trenton Battle Monument“ besichtigen konnte, hat ihn der Gedanke an die Kasseler Männer, die schon vor 200 Jahren hier gekämpft hatten, immer wieder eingeholt. Bei Recherchen im Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS) stieß er auf die Listen der Kriegsteilnehmer am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Auf der Suche nach Bettenhäuser Teilnehmern ist die obenstehende Geschichte entstanden.

Editor: Bernd Schaeffer, August 2018

Quellen:

Kurzbeschreibung

Die relativ kleine Landgrafschaft Hessen-Kassel hat im 17. und 18. Jahrhundert eine Reihe von repräsentativen Anlagen errichtet sowie in großem Ausmaß in die wissenschaftliche und künstlerische Entwicklung des Landes investiert. Eine wesentliche Einnahmequelle für die enormen Investitionen war der Soldatenhandel mit den europäischen Fürstenhäusern. Landgraf Friedrich II von Hessen-Kassel (*14.08.1720, +31.10.1785) hat durch Subsidien-Vertrag mit König Georg III von Großbritannien allein zur Unterstützung der Engländer während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges mehr als 12 000 gut ausgebildete hessische Soldaten bereitgestellt. Unter den angeworbenen Söldnern waren auch junge Männer aus Bettenhausen. Ihre Namen sind bekannt und sie sind in dem Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS) unter der Rubrik Hetrina (Hess. Truppen in Amerika) zu finden.

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