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Kaiser und Co. Maschinenfabrik AG, Spezialfabrik für Transportanlagen

Briefkopf der Fa. Kaiser & Co. Maschinenfabrik AG, Cassel, 1926

Briefkopf der Fa. Kaiser & Co. Maschinenfabrik AG, Cassel, 1926
Foto: K-P. Wieddekind, Kassel

Mit der Einrichtung von Schlachthöfen am Ende des 19. Jahrhunderts verbunden ist die Gründung von Firmen, die die notwendigen Betriebseinrichtungen herstellten. Der Schlosser Adam Kaiser und der Ingenieur Jean Brenn gründeten am 24. Mai 1891 dieMaschinenbauAnstalt Kaiser & Brenn“. Die Wege der beiden Unternehmer trennten sich bereits in 1897 und Adam Kaiser war später mit seiner neuen Firma „Kaiser & Co. Maschinenfabrik“ in der Yorkstraße 50 in der Unterneustadt geschäftsansässig. Auf dem Industriegrundstück mit Gleisanschluss produzierte er mit Erfolg ingenieurtechnisch anspruchsvolle Beförderungsmittel, in erster Linie Hänge- und Seilbahnen aber auch Brücken. In der Zeit der Wirtschaftskrise nach dem ersten Weltkrieg fehlte den meisten Anlegern das Kapital, um die von Kaiser & Co. hergestellten großen, individuell gefertigten Anlagen zu kaufen. Hinzu kam der Verlust vieler Geschäftsbeziehungen. Mangels Aufträge war die Maschinenfabrik 1925 zahlungsunfähig. Sie wurde nach dem Konkurs in 1926 mit finanzieller Unterstützung von außen neu aufgestellt und ist noch bis 1936 im Adressbuch von Kassel zu finden. Ab 1937 wurden die Anlagen in der Yorkstraße 50 vom Heereszeugamt Kassel genutzt.

Der Schlosser Adam Kaiser und sein Geschäftspartner, der Ingenieur Jean Brenn, gründeten am 24. Mai 1891 in der Orleansstraße 44 die „Maschinenbau-Anstalt Kaiser & Brenn“. Nach dem Start mit kleineren Aufträgen stellte sich Erfolg ein und der Firmensitz wurde in die Wolfhager Straße 41/43 in der Nähe des Unterstadtbahnhofs verlegt. Doch schon 1897 trennten sich die Wege der beiden Firmengründer. Jean Brenn gründete mit dem Ing. August Schombardt in der Leipziger Straße 17 eine neue Maschinenfabrik.

Adam Kaiser blieb mit seinem Unternehmen in der Wolfhager Straße und firmierte mit dem neuen Geschäftspartner, dem Kaufmann Josef Katzenstein, unter dem Namen „Maschinenfabrik Kaiser & Co.“ Die Beiden hatten erkannt, dass es für eine Vielzahl der im Deutschen Reich neu errichteten Schlachthöfe (Kassel z.B. um 1882) auch entsprechende Ausstattungen geben musste, um das geschlachtete Vieh zu verarbeiten. Sie verlegten ihr Geschäftsfeld auf Schlachthofeinrichtungen mit dem Schwerpunkt Beförderungsmittel. Als 1910 Adam Kaiser starb, trat seine Witwe Dora Kaiser in die Gesellschaft ein. In 1912 und 1913 steht die Firma mit den Eigentümern Ing. Karl Kaiser und der Witwe Luise Katzenstein geb. Mayer im Handelsregister der Stadt Kassel. Die Familien Kaiser und Katzenstein verkauften ihre Firmenanteile und ab 1914 ist das Unternehmen eine Aktiengesellschaft mit der Bezeichnung „Kaiser und Co. Maschinenfabrik AG, Cassel“ mit mehreren Direktoren zur Leitung der Geschäfte und einem Aufsichtsrat zur Wahrnehmung der Interessen der Aktionäre

Firmengelände von Kaiser & Co in einem Stadtplanausschnitt von 1913
Firmengelände von Kaiser & Co in einem Stadtplanausschnitt von 1913  Foto: Hist. Karte der Stadt Kassel
Kaiser & Co. auf einem Luftbild aus 1929
Kaiser & Co. auf einem Luftbild aus 1929  Foto: Junkers Luftbild, Vermessung u. Geoinformationen Kassel

Das Unternehmen wuchs, und auf der Suche nach einem größeren Grundstück mit Gleisanschluss war Kaiser schon 1910 in der Unterneustadt in der Yorkstraße 50 fündig geworden. Die Firma verlegte ihren Sitz in die Unterneustadt gegenüber der städtischen Gasanstalt. Auf Grund der Erfahrungen mit den in Fabrikgebäuden verlaufenden Hängebahnen entwickelte die „Kaiser und Co. Maschinenfabrik AG“ neue Beförderungsmittel zum Transport von Gütern über längere Strecken und größere Höhen auch mit selbstständiger Entladung. Zum Angebot gehörten Seilbahnen, Pendelbahnen, Kettenbahnen, Kabelkrane und Brücken. Der Kundenkreis war vielfältig und kam aus dem Deutschen Reich und dem benachbarten Ausland

Produkt-Werbung der Fa. Kaiser & Co.
Produkt-Werbung der Fa. Kaiser & Co.  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Die Anlagen wurden nicht nur geliefert, sondern auch an Ort und Stelle montiert und gewartet. Die Anpassung an die individuellen Wünsche der Auftraggeber und an die örtlichen Gegebenheiten stellte hohe Anforderung an die ingenieurtechnische Ausarbeitung der Anlagen. Die Installation an Ort und Stelle beinhaltete aber auch ein großes unternehmerisches Risiko

Hängebahn der Fa. Kaiser & Co.
Hängebahn der Fa. Kaiser & Co.  Foto: Die Drahtseilbahn, Springer Verlag

Die Firma hatte einen guten Ruf, wuchs und beschäftigte vor dem 1. Weltkrieg im Jahr 1914 mehr als 60 Angestellte und ca. 300 Arbeiter.
Die untenstehende, unvollständige Liste der von „Kaiser & Co.“ eingerichteten Anlagen belegt, wie leistungsfähig und vielseitig das Unternehmen war.

  • Hängebahnen zur Beförderung von Großvieh im neuen Schlachthof der Stadt Dresden
  • Seilbahn mit einer Länge von 24,7 km Länge zur Beförderung von Stammholz in den Siebenbürger Karpaten
  • Pendelbahn mit automatischer Entladestation für die Harkortschen Bergwerke in Beutnitz in der Neumark (heute Bytnica in Polen).
    Länge: 472 m, Höhenunterschied: 86 m, Leistung: 5 t pro Stunde, Antrieb: Elektromotor mit 6 PS Leistung.
  • Pendelbahn für die Kötitzer Leder- und Wachstuchwerke AG in Coswig bei Dresden zur Beschickung des Kesselhauses mit Braunkohle.
    Länge: 110 m, Höhenunterschied: 14 m, Leistung: 10 t pro Stunde
  • Elektrowinden mit Wagen zur Kuppelofenbegichtung in Hüttenwerken
  • Brücke im Verlauf des Pfaffenstiegs über mehrere Bahngleise in Kassel-Bettenhausen in 1926
Blick von der B83 auf die Fabrikanlage Yorkstraße 50
Blick von der B83 auf die Fabrikanlage Yorkstraße 50  Foto: B. Schaeffer, 2021

Nach dem 1. Weltkrieg brachen wichtige Geschäftsbeziehungen zusammen und in Zeiten der Inflation war es nicht möglich, Großprojekte mit Fremdkapital zu finanzieren. In der Folge musste das Unternehmen 1925, wie viele andere Investitionsgüter-Hersteller in Kassel, Konkurs anmelden.

Offensichtlich fand die Geschäftsführung einen neuen Geldgeber zur Rettung der Firma „Kaiser & Co. Maschinenfabrik AG, Cassel“, denn im Stadtarchiv Kassel gibt es eine Akte aus 1926 ( StadtAKS A-8.80 Nr. 302) mit dem Titel „Wiederöffnung Kaiser und Co. nach Konkurs“ und auch über den Betrieb des Industriegleises entlang der Yorkstraße gibt es Vermerke im Stadtarchiv bis 1936 (StadtAKS A2-23 Nr. 85).

Im Adressbuch von Kassel ist „Kaiser & Co.“ noch bis 1936 in der Yorkstraße 50 zu finden, danach zieht in die Gebäude der Firma das Heereszeugamt Kassel für die Pioniere ein.

Wesentliche Teile der Gebäude müssen die schweren Bombardierungen des 2. Weltkrieges überstanden haben, denn ab 1950 hat der Großhändler für Eisenwaren, Haus- und Küchengeräte „Köbberling und Kurtze“ in der Yorkstraße 50 seine Geschäfts- und Lagerräume.
„Köbberling und Kurtze“ meldete in 1996 Konkurs an und das Areal wurde wieder einer neuen Nutzung zugeführt. Aber das ist eine andere Geschichte

Text und Editor: Bernd Schaeffer, November 2021

Quellen:

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Kurzbeschreibung

Mit der Einrichtung von Schlachthöfen am Ende des 19. Jahrhunderts verbunden ist die Gründung von Firmen, die die notwendigen Betriebseinrichtungen herstellten. Der Schlosser Adam Kaiser und der Ingenieur Jean Brenn gründeten am 24. Mai 1891 dieMaschinenbauAnstalt Kaiser & Brenn“. Die Wege der beiden Unternehmer trennten sich bereits in 1897 und Adam Kaiser war später mit seiner neuen Firma „Kaiser & Co. Maschinenfabrik“ in der Yorkstraße 50 in der Unterneustadt geschäftsansässig. Auf dem Industriegrundstück mit Gleisanschluss produzierte er mit Erfolg ingenieurtechnisch anspruchsvolle Beförderungsmittel, in erster Linie Hänge- und Seilbahnen aber auch Brücken. In der Zeit der Wirtschaftskrise nach dem ersten Weltkrieg fehlte den meisten Anlegern das Kapital, um die von Kaiser & Co. hergestellten großen, individuell gefertigten Anlagen zu kaufen. Hinzu kam der Verlust vieler Geschäftsbeziehungen. Mangels Aufträge war die Maschinenfabrik 1925 zahlungsunfähig. Sie wurde nach dem Konkurs in 1926 mit finanzieller Unterstützung von außen neu aufgestellt und ist noch bis 1936 im Adressbuch von Kassel zu finden. Ab 1937 wurden die Anlagen in der Yorkstraße 50 vom Heereszeugamt Kassel genutzt.

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