Der Landbesitz in dem Straßendorf Waldau

Bauer Ludwig Förster steht auf seinem Hof in Waldau, im Hintergrund sein Gebäude

Ludwig Förster Großbauer in Waldau (1844 bis 1922)
Foto: Familienarchiv Förster

Waldau war lange ein Agrardorf dessen Wohlstand auf dem Landbesitz und dem Ackerbau einiger Großbauer beruhte. Erst mit der Ansiedelung von Gewerbe und den Bau von Wohnsiedlungen nach der Eingemeindung 1936 insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich diese Struktur. In diesem Beitrag soll die ländliche Situation vor der Eingemeindung betrachtet werden.

Der Landbesitz einzelner Waldauer Großbauern betrug zwischen 200 und 500 Morgen (1 Morgen = 2500m²). Sie bauten im wesentlichen Kartoffeln, Rüben, Weizen, Gerste, Hafer und Roggen an. Daneben gab es aber auch die s. g. "Gemüsebauern", die zwischen 10 und 15 Morgen Land besaßen. Fast alle Einwohner von Waldau hatten ihren eigenen Garten in dem sie ihr eigenes Gemüse anpflanzten. An bestimmten Wochentagen war nachmittags auf den Höfen Verkaufstag für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Dienstags, donnerstags und samstags brachten die Bauern Blumen und Gemüse auf den Markt auf dem Königsplatz Kassel. Die Produkte wurden mit dem Pferdewagen oder kleine Mengen mit der Kiepe dort hin transportiert. Es gab auch ein Milchmädchen das frische Milch an die Kunden in Kassel verkaufte.

In dem Straßendorf Waldau gab es nur wenige Straßen. Die Nürnberger Straße die von Kassel kommend in den Ort führte und an der Schmiede Bergmann (heutiger Anger) auf die vom Haltepunkt der Eisenbahn kommende Bahnhofstraße (spätere Bergshäuser Straße) stieß. Die Kasseler Straße begann danach an der Kreuzung mit der Nürberger Straße Höhe der Gaststätte Hessischer Hof und führte aus dem Ort in Richtung Lohfelden-Crumbach. Die Hausnummern wurden im Kataster fortlaufend mit der Bebauung den Grundstücken zugeordnet. So geben sie keine fortlaufende Reihenfolge wieder. Bei der Teilung der Liegenschaft wurden dann halbe und viertel Bezeichnungen der ursprünglichen Gebäudenummer vergeben z.B. Gebäude 70 1/2 heute Kasseler Str. 2 . Erst nach der Eingemeindung von Waldau in das Stadtgebiet Kassel erfolgte die Zuordnung von Straße und Hausnummer.

In der Tabelle sind die im Adressbuch aufgeführten Gutsbesitzer, Landwirte und Gemüsebauern des 20. Jahrhunders vor und nach der Eingemeindung aufgelistet. Sie  kann aus dem Anhang heruntergeladen werden.

Auf dem Bauernhof Bergmann in der Nürnberger Straße 189 stand ein Rotdornbaum, daher wurde der Hof auch roter Hof genannt. Im Zuge der Stadtentwicklung wurden die Gebäude in den 1960er Jahren abgebrochen.

Die vierspurige Breslauer Straße bildet an der Stelle die Durchfahrt zu den danach entstandenen Siedlungshäusern der Neuen Heimat auf den ehemaligen Äckern und Gärten der Bauern von Waldau.

Anwesen Karl Winkelstern
Das Anwesen der Gutsbesitzers Karl Winkelstern befand sich in der Kasseler Straße. Das Grundstück hatte die Haus Nr. 6 und wird nach der Eingemeindung unter Kasseler Str. 28 geführt. Es war das größte Haus und der größte Hof in Waldau mit ausgedehnten Ländereien.

Leider wurde das Wohnhaus 1970 in noch guten Zustand abgerissen. Heute gibt an dieser Stelle nur noch große Hofflächen. Die noch erhaltenen Wirtschaftsgebäude sind z. T. zu Wohnzwecken ausgebaut. Fahrzeuge stehen unter den Dächern wo einst Leiterwagen und landwirtschaftliches Gerät ihren Platz fanden. Von dem Wohnhaus zeugt nur noch ein Steinhaufen.

Großbauern Adolf Hohmann
Das Haus 88 des Großbauern Adolf Hohmann, heute Kasseler Straße 42, wurde im 18. Jahrhundert erbaut. 100 Jahre später entstand der ganze Bauernhof, auf dem bis 1960 Geflügel und Vieh wie Kühe, Pferde und Schweine gehalten wurden. Im 20. Jahrhundert wurden auf den Feldern, die hinter dem Hof, sowie der Gesamtschule und hinter dem Waldauer Friedhof, lagen Getreide und Kartoffeln angebaut.

Das Anwesen wurde 2002 verkauft, die Scheune kurze zeit als Lagerfläche genutzt stand danach leer. 2017 wurden die Gebäude abgebrochen. 2024 stehen an ihrer Stelle zwei moderne Wohnhäuser.

Gutsbesitzer Ludwig Förster
Ein anderer Gutsbesitzer war Ludwig Förster (1844 - 1922). Sein Hof stand auch an der Kasseler Straße und trug die Nummer 60. Ab den 1930er Jahren betrieb Gustav Zuschlag den Hof. Der Landwirt Georg Zuschlag hingegen hatte sein Anwesen in der Nummer 1 spätere Kasseler Straße 40 heute neben der Kasseler Straße 42.

Familie Brede
Das Gebäude Nürnberg Straße 160 gehörte der Familie Brede, die wie viele anderen Bauern ihre Landwirtschaftlichen Produkte in Kassel auf dem Markt verkauften. Die rechte Scheunenseite fiel 1944 einer Fliegerbombe zum Opfer und wurde nicht wieder aufgebaut. Das Gebäude wirkt 2025 asymmetrisch mit der neuen Giebelseite und der Einfahrt zum Hof.

Anwesen Neumann und Nägel
Die Anwesen Neumann und Nägel standen in der Nürnberger Straße 170 und 172. Die Fachwerkgebäude wurden in 1971 abgerissen. Auf dem Foto passiert gerade ein Festzug die Häuser der beiden Familien.

Heute befindet sich sich da der Übungsplatz der Waldauer Feuerwehr und ein Parkplatz.

Ludwig Siebrecht
In der Kasseler Straße 2 (alte Bezeichnung 70 1/2) direkt dahinter stand und steht noch heute das Wohnhaus von Ludwig Siebrecht dem Gärtner.

Bergshäuser Straße 2
Das Haus Bergshäuser Straße 2 war ursprünglich im Besitz von Ludwig Förster einem Landwirt. Die Wirtschaftsgebäude, die zum Anwesen gehörten sind abgebrochen worden. Das alte Wohnhaus ist 1987 hingegen fachgerecht saniert worden. Dies ist ein gutes Beispiel, das leider nicht alle alten Fachwerkhäuser im Ort erfahren durften.

Scherbsche Hof
Der Scherbsche Hof lag in der Bergshäuser Straße 6 (alte Bezeichnung 46) wie auf einer Aufnahme von 1920 zu sehen ist. Das Haus war ehemals doppelt so lang, der hintere Gebäudeteil fiel einem Brand zu Opfer.

Nach dem der Landwirt Konrad Scherb den Hof aufgegeben hatte, stand das Haus lange leer. Da eine Sanierung scheiterte wurde es 2014 abgerissen. An diese Stelle gleich neben der Kirche ist 2017 ein modernes Wohnhaus getreten. Die erhaltenen Hofpfosten aus Stein begrenzen noch immer die Einfahrt auf das Grundstück.

Von der Landwirtschaftlichen Struktur und den Gehöften sieht man im 21. Jahrhundert nicht mehr viel. Der Stadtteil Waldau hat mit der Schaffung einer Neubausiedlung mit Sozialwohnungen in Mietblöcken und Hochhäusern für 6000 Menschen ab 1963 eine starke Umgestaltung erfahren. Doch es gibt noch einige lauschige Fachwerkhäuser zu entdecken.

Text und Editor: Erhard Schaeffer, August 2026

Quellen:

  • Als Waldau noch ein Dorf war, HNA KSS 06.04.2006
  • 80 Jahre gehört Waldau zu Kassel, HNA KSS 28.10.2016
  • Arbeitskreis Waldauergeschichte(n), Kalender 2021
  • Gesamtanlage Ortskern Waldau, Denkmalbuch der Stadt Kassel, Jörg Katz und Guntram Rother, 1979

Wo spielt dieser Beitrag?

Ort: Alt Waldau

Kurzbeschreibung

Waldau war lange ein Agrardorf dessen Wohlstand auf dem Landbesitz und dem Ackerbau einiger Großbauer beruhte. Erst mit der Ansiedelung von Gewerbe und den Bau von Wohnsiedlungen nach der Eingemeindung 1936 insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich diese Struktur. In diesem Beitrag soll die ländliche Situation vor der Eingemeindung betrachtet werden.

© Copyright 2018-2026 - Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege