Hessen
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Unvergessliche Feste unter alten Eichen

Kassler Wappen mit Eichenlaub 1950 gegründet

Wappen des Bürgervereins Gartenstadt Eichwald
Foto: Bürgerverein Gartenstadt Eichwald e. V.

Die Mitglieder des 1950 gegründeten Bürgervereins Gartenstadt Eichwald veranstalteten zwischen 1951 und 2010 das vielbeachtete Eichwaldfest unter den hundertjährigen Eichen des Eichwaldes. Das Eichwaldfest war lange Zeit, neben dem Kasseler Zissel und der Wehlheider Kirmes, das bekannteste Sommerfest der Region und lockte Tausende von Besuchern an. 2011 löste sich der Bürgerverein auf. Mit den Feiern und den Umzügen der vergangenen Jahrzehnte verbinden sich viele heitere Erinnerungen, und es soll Bewohner der Gartenstadt geben, die dem Eichwaldfest heute noch nachtrauern.

Kurt Klehm, ein engagierter Bürger der Eichwaldsiedlung, forderte 5 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges in einem Artikel der „Kasseler Zeitung“ die gewählten Vertreter der Stadt Kassel auf, die unhaltbaren Zustände in der Eichwaldsiedlung zu verbessern und den Bettenhäuser Stadtteil in eine Gartenstadt umzugestalten.
Aus dieser Initiative formierte sich der Bürgerverein Gartenstadt Eichwald. Zehn Monate nach dem Erscheinen des Artikels war der Bürgerverein Gartenstadt Eichwald so weit gewachsen, dass im Gasthaus „Zum Osterholz“ die erste ordentliche Jahreshauptversammlung stattfinden konnte. Der neu gewählte 1. Vorsitzende Helmut Fey und der Vorstand beschlossen, im Juli 1951 ein Eichwaldfest zu veranstalten. Ein siebenköpfiger Festausschuss wurde gewählt und machte sich an die Arbeit. Vom 14. bis 16. Juli 1951 veranstaltete der Bürgerverein zum ersten Mal nach dem Krieg wieder ein Eichwaldfest. Es fand auf dem Festplatz unter den hundertjährigen Eichen statt und war für die Besucher eine willkommene Abwechslung nach den Kriegsjahren, die voller Not, Leid und Entbehrungen waren.

Umzug 1954 geschmückte Fahrräder Herzlich Willkommen Transparent
Eichwaldfestumzug 1954  Foto: Bürgerverein Gartenstadt Eichwald e. V.
Die Eichwaldkönigin Mit Krone und Scherbe 1956
Eichwaldkönigin 1956  Foto: Bürgerverein Gartenstadt Eichwald e. V.

Es wurde ein fröhliches Fest mit Blick auf eine friedliche Zukunft. Jedes Jahr wurde ein Eichwaldfest veranstaltet und im dritten Jahr konnte man das Modell eines Eichwaldturmes auf einem Festzug bewundern. Nach dem Wunsch der Mitglieder sollte der Turm mit einem Kostenaufwand von 25 000 DM im Jahr 1957 im Eichwald errichtet werden, um das schöne Lossetal überblicken zu können. Leider scheiterte dieses Vorhaben, da das nötige Geld durch Spenden nicht aufgebracht werden konnte und ein liquider Geldgeber nicht präsent war. Bis zum Jahr 1977 wurden unter den hundertjährigen Eichen 26 Feste mit viel Freude und großen Einsatz der Mitglieder, die von Jahr zu Jahr mit neuen Ideen diese Feste zu verschönern wussten, veranstaltet. Es fanden auch Kunstradfahren und das Radrennen rund um den Eichwald statt.
Die einmalige Wahl der Eichwaldkönigin in 1956 wurde in den Kasseler Zeitungen groß angekündigt und hervorgehoben.

Drei geschmückte Pferdegespanne
Festumzug mit Pferdegespann im Fasanenweg  Foto: Bürgerverein Gartenstadt Eichwald e. V.

Der Mittelweg im Eichwald war während des Festes geschmückt mit bunten Glühbirnen.

Unvergessen die einfachen, und mit wenigen Mitteln schön gestaltete Festumzüge und das Feuerwerk. Oberbürgermeister Lauritz Lauritzen wurde mit dem Festzug im Fasanenweg abgeholt, es ging über die Heiligenröder Strasse und den Umbachsweg zum Festplatz. Der letzte Festzug im Jahr 1975 wurde von dem 6er Pferdetraditionszug der Martini-Brauerei gezogen.
Doch die Ansprüche der Menschen stiegen mit ihrem Lebensstandard und somit auch die Kosten der Eichwaldfeste. Ein dreitägiges Fest war finanziell für die 150 Mitglieder des Bürgervereins nicht mehr tragbar. Geschäftsführerin Marlies Schnettler und Festausschussvorsitzende Annemarie Hommel machten den Vorschlag, ein Kinder- und Familienfest an einem Sonntag zu veranstalten.
Diese Idee wurde umgesetzt und am 02.07.1978 fand unter dem Motto „Kinder spielen im Märchenwald für Kinder“ das erste Familienfest statt. Die Mitglieder waren voller Eifer dabei und es wurde ein voller Erfolg. Bis zum Jahr 2010 wurden diese Familienfeste gefeiert.
Der Eichwälder Bürger Willy Kröcher erzahlt, das er mit 16 Jahren, Anfang der 50er Jahre, das erste Mal auf das Eichwaldfest ging.
Die Kadruf-Kapelle, eine reine Blaskapelle mit ca. 25 – 30 Bläsern spielte unter freien Himmel zum Tanz auf. Ein Zelt gab es nicht. Eine Losbude war aufgestellt und der Bratwurststand von der Fleischerei Gundlach betrieben. Es gab auch einen Schießstand und ein Kettenkarussell. Die Eichwaldgaststätte Goldmann, die Schwiegereltern waren Lattemann´s, war eine gefragte Adresse. Goldmann hatte während des 2. Weltkrieges in den Diana-Werken als Koch gearbeitet und später bei der Kriegsmarine als Schiffskoch. Goldmann´s und Lattemann´s wohnten in der Gaststätte.
Für den jungen Willy Kröcher ein unvergessliches Erlebnis war die Prügelei einiger „leichter Mädchen“, die im Auftrag des Kioskbesitzers Koch an dessen Stand Getränke verkaufen sollten, worauf sich ein beinamputierter Festbesucher mit seinen Krücken einmischte. Er bezog Prügel mit den Kochlöffeln. Die Polizei musste die Kampfhähne trennen. Bei späteren Festen sangen und spielten die „3 M´s“ mit Akkordeon, Bass und Gitarre auf. Es waren 2 Brüder mit Namen Marz und der Dritte hieß Hermann Manns.

Drei Männer fliegen auf einer Geige
Das bekannte Trio die Drei M's  Foto: Bürgerverein Gartenstadt Eichwald e. V.
Bulldock zieht geschmückten Geräteanhänger mit Kindern
Der Eichwaldexpress 1985  Foto: Bürgerverein Gartenstadt Eichwald e. V.

Eine überaus beliebte Fortbewegungsart war die Fahrt mit dem Eichwaldexpress. Dieser entstand aus den Gerätehängern der Friedhofsgärtnerei Fresenius und einem Bulldock. Später wurde der Bulldock durch einen Gartenschlepper der Familie Kröcher ersetzt. Manfred Günter und Willy Kröcher fuhren viele Jahre große und kleine Festbesucher durch den Eichwald.

Bei Einbruch der Dunkelheit gingen die Kinder mit Lampions in Begleitung des Spielmannzuges durch den Eichwald.
Mit den sonntäglichen Familienfesten führte man auch den Kaffeegarten mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee ein. Es wurden 2 Bierpilze, ein Fischbrötchenstand, Frikadellen und Pommes frites, ein Bratwurststand, der mit ca. 1000 verkauften Würsten gut besucht war, ein Basar, Tombola, Torwandschießen, Schatztruhe und Entenangeln zur Unterhaltung der Gäste angeboten.
Bei der Programmgestaltung konnte der Bürgerverein immer auf die Mitwirkung und gute Zusammenarbeit der Bettenhäuser Vereine, Schulen und Kitas zählen. Bunt und voller Lebensfreude präsentierten sich die verschiedenen Turn- und Gymnastikgruppen und Sportakrobaten des VFB-Kassel, die kleinen und großen Fußballer des FC-Victoria sowie des VFB-Kassel, die Schüler und Schülerinnen der Grundschule „Am-Eichwäldchen“ und der „Josef-von-Eichendorff-Schule“. Die Kleinsten der Kitas Bunte Berna und Bettenhausen und die Frauen der Siedlergemeinschaft Bunte Berna Gartenstadt Eichwald bereicherten das Programm mit Tänzen und fröhlichen Einlagen.
Aber nicht nur die regionale „Volkskunst“, sondern auch Stars aus Funk und Fernsehen trugen zur Unterhaltung bei. René Caroll, Bata Ilic und die Jokaris traten auf.
Am 10. 07. 2010 wurde das letzte Eichwaldfest gefeiert.

Editor: Elke Resch 08/2012

Fotos: Archiv der Bürgervereins Gartenstadt Eichwald

Kurzbeschreibung

Die Mitglieder des 1950 gegründeten Bürgervereins Gartenstadt Eichwald veranstalteten zwischen 1951 und 2010 das vielbeachtete Eichwaldfest unter den hundertjährigen Eichen des Eichwaldes. Das Eichwaldfest war lange Zeit, neben dem Kasseler Zissel und der Wehlheider Kirmes, das bekannteste Sommerfest der Region und lockte Tausende von Besuchern an. 2011 löste sich der Bürgerverein auf. Mit den Feiern und den Umzügen der vergangenen Jahrzehnte verbinden sich viele heitere Erinnerungen, und es soll Bewohner der Gartenstadt geben, die dem Eichwaldfest heute noch nachtrauern.

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