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Meine Kindheit bei den Großeltern

Die Leipziger Straße  Höhe der Hausnummer 126, aufgenommen zur 800 Jahrfeier 1927

Die Leipziger Straße Höhe der Hausnummer 126, aufgenommen zur 800 Jahrfeier 1927
Foto: @ Geschichtskreis Bettenhausen

Bei ihren Großeltern im Haus der Firma Sigurd an der Leipziger Straße verbrachte Ingrid Leimbach viele schöne aber auch ereignisreiche Ferien in ihrer Kindheit. Davon erzählt Ingrid Dörnte, geb. Leimbach, Jahrgang 1937, hier aus der Erinnerung.

„Im ersten Stock des Hauses Leipziger Straße 126 über der Fahrradfirma Sigurd wohnten meine Großeltern, Elise und Ferdinand Leimbach, mit ihren beiden Söhnen, Richard und Waldemar. Richard Leimbach war mein Vater.

Bei Oma und Opa verbrachte ich viele schöne, aber auch ereignisreiche Ferientage. Ich erinnere mich, dass Onkel Waldemar mir einen wunderschönen Gummiball schenkte. Dieser war mein ganzer Stolz. Ich spielte damit vor dem Haus auf dem breiten Bürgersteig. Plötzlich rollte der Ball auf die Straße. Ohne nach rechts oder links zu sehen, lief ich dem Ball hinterher. Die herannahende Elektrische sah ich nicht, ich hörte nur das laut anhaltende Bimmeln. Da hatte ich meinen geliebten Ball auch schon im Arm, trat den Rückzug an und landete vor einem Auto. Es war nichts passiert, der Autofahrer hatte gut reagiert und war langsam gefahren. Aber der Schreck saß mir in den Knochen. Ich schrie aus Leibeskräften, was wiederum meine Oma auf die Straße rief. Sie brachte mich nach oben in die Wohnung und nach einem heißem Kakao ging es mir wieder gut. Ich konnte nach unten zum Spielen gehen, natürlich mit dem Ball, wo die Zwillinge von Malermeister Hartung schon auf mich warteten.

Blick in die Leipziger Straße Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Straßenbahn in der Leipziger Anfang des 20. Jahrhunderts, im Hintergrund das Haus von Malermeister Hartung  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.

Es gab aber nicht nur schöne Erinnerungen an das Haus Nr. 126. Auch Bombenangriffe erlebte ich mit. Mit Koffer, Tasche und mich im „Gepäck“ zogen wir oft in Richtung Agathofstraße zum Bunker, vorbei am Cafe' Griesel. Schlimm war es hinterher, wenn die Entwarnung kam. Die Schilderung des Rückweges mit seinem ganzen Elend möchte ich mir ersparen.

Einmal wurde ich im Bett meiner Großeltern durch heftige Donnerschläge und grelle farbige Blitze geweckt. Ich dachte an ein heftiges Gewitter. Meine Oma lag schützend über mir, immer zur Decke schauend, von der bröckelnder weise der Putz herunter fiel. Die Deckenleuchte schwankte bedenklich hin und her. Als Oma merkte, dass ich wach war, erklärte sie mir, dass ein schwerer Bombenangriff im Gang war. Aber wo war Opa und Tell, der Schäferhund? War Opa zum Dienst gegangen und Oma hatte den Weg zum Bunker oder in den Keller nicht mehr geschafft? Kam der Angriff so plötzlich? Darauf werde ich nie mehr eine Antwort erhalten.“

Hier enden die Schilderungen von Ingrid Dörnte, die sie in dem Geschichtkreis Bettenhausen früher und heute erzählte. Bei den Angriffen in den Tagen des Zweiten Weltkrieges wurden die Gebäude der Firma Sigurd an der Leipziger Straße stark beschädigt und zum Teil zerstört, darunter auch des Haus Nr. 126.

Text: Ingrid Dörnte

Editor: Erhard Schaeffer, Februar 2019

Kurzbeschreibung

Bei ihren Großeltern im Haus der Firma Sigurd an der Leipziger Straße verbrachte Ingrid Leimbach viele schöne aber auch ereignisreiche Ferien in ihrer Kindheit. Davon erzählt sie hier aus der Erinnerung.

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