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Großbrand in der Elbenstraße 15

Blick von der Pfarrstraße über die Losse auf die Elbenstraße, 1930

Blick von der Pfarrstraße auf die Elbenstraße, 1930
Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Am Mittwoch, den 26. Februar 1930, brannte in der Elbenstraße 15 in Bettenhausen das Haus der Familie Keidler nieder. Der unbekannte Berichterstatter der Kasseler Post nimmt am 1. März 1930 den Brand zum Anlass, den Zeitungslesern die Herkunft des Straßennamens und die Herkunft der Familie Keidler näher zu bringen. Grundlage des untenstehenden Beitrages ist der im Original erhaltenen Zeitungsartikel.
Die Elbenstraße trug ihren Namen nach dem alten niederhessischen Rittergeschlecht derer von Elben. Ein Adelsgeschlecht, das seinen Stammsitz in dem in der Nähe von Naumburg gelegenen Ort Elben, -seit 1967 Elbenberg -, hatte. Die Adligen von Elben hatten die Liegenschaften und das Lehns- und Patronatsrecht am kleinen Dörfchen Bettenhausen im Jahre 1318 von der Kasseler Patrizierfamilie „Vor dem Thore“ (antevalvam) erworben. Zur Erinnerungen an die Familie von Elben trug die von der Pfarrstraße in Höhe der Losse nach Westen abzweigende Stichstraße ab der Eingemeindung von Bettenhausen (1906) bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (1945) den Namen Elbenstraße. In der Folgezeit wurde die Stichstraße, die nur wenige Hausnummern umfasst, in Rinaldstraße umbenannt.

Wappen der niederhessischen Ritterfamilie von Elben, 1605
Wappen der niederhessischen Ritterfamilie von Elben, 1605  Foto: Appuhn, Horst (Hrsg.), Johann Siebmachers Wappenbuch

In der Elbenstraße gehörten die Häuser Nr. 15 und Nr. 19 im Jahre 1930 den Familien Georg und Konrad Keidler. Die Landwirte und Schafhalter Keidler wurden im Zusammenhang mit der Neuverteilung von Hutungsrechten nach der Verkoppelung der Bettenhäuser Feldfluren schon 1886 urkundlich erwähnt. Seit mehreren Generationen im Ort ansässig, hatte es die Familie zu Ansehen gebracht. So verwundert es auch nicht, dass der Landwirt Konrad Keidler, 1906, Mitglied im letzten Gemeinderat des noch selbstständigen Dorfes Bettenhausen war.

Furt duch die Losse mit Blick in die Elbenstraße, das Haus Keidler steht am li. Bildrand
Furt duch die Losse mit Blick in die Elbenstraße, das Haus Keidler steht am li. Bildrand  Foto: B. Jacob, Bettenhausenchronik 1927
Lossefurt zwischen Burgstraße und Elbenstraße
Lossefurt zwischen Burgstraße und Elbenstraße  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Das in der Nacht zum 26. Februar 1930 niedergebrannte Fachwerkgebäude Elbenstraße 15 stand genau an der Stelle, wo bis zum Bau der Lossebrücke in der Pfarrstraße in 1905, eine Furt durch den Fluss führte und die Burgstraße mit der Elbenstraße verband.

Das Ehepaar Arnold überquert am Tag ihrer Goldenen Hochzeit mit Gästen den Mühlgraben zum Inselweg
Das Ehepaar Arnold überquert am Tag ihrer Goldenen Hochzeit mit Gästen den Mühlgraben zum Inselweg  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Für die von der Kirche kommenden Leichenzüge, auf dem Weg zum Friedhof im Eichwald, gab es neben der Furt ein einfaches Holzbrückchen mit einseitigem Geländer, damit man trockenen Fußes den Fluss queren konnte. Außerdem gab es für eine Reihe von Anwesen massive Stege mit einem eisernen Handlauf über den parallel zur Losse verlaufenden Mühlgraben.

Karte von 1907 mit den Häusern Elbenstraße 15 und 19
Karte von 1907 mit den Häusern Elbenstraße 15 und 19  Foto: Karte der Stadt Kassel, Vermessung u. Geoinformation

Beim Brand des Fachwerkhauses in der Elbenstraße 15 wurden keine Menschen verletzt. Aus den Stadtplänen nach 1930 ist ersichtlich, dass das Gebäude nie wieder aufgebaut wurde, und damit erfüllte sich die Vorahnung des unbekannten Reporters der Kasseler Post, der im Letzten Absatz seines Artikels schreibt:
„Wieder haben nun gefräßige Flammen ihr Werk vollendet und ein weiteres Stück der ehedem rein ländlichen Vergangenheit des Dorfes Bettenhausen vernichtet. Das Bild der einst ländlichen Gemeinde begann sich zuerst zu wandeln, als Landgraf Karl die Wasserkraft der Losse für Industriezwecke ausnutzte, seit Ende des 19. Jahrhunderts aber vollzog sich die Veränderung im raschen Fluss.“

Das Haus Elbenstraße 15 ist das 2. von rechts
Das Haus Elbenstraße 15 ist das 2. von rechts  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Heute, 2020, wäre er mit Sicherheit fassungslos, wenn er sehen könnte, welche Veränderungen der Stadtteil in den zurückliegenden 90 Jahren erfahren hat. In Bettenhausen gibt es keinen Landwirt mehr und nur noch wenige Fachwerkhäuser.

Blick in die Rinaldstraße, 2010
Blick in die Rinaldstraße, 2010  Foto: Erhard Schaeffer, Kassel

Die Rinaldstraße ist heute eine gut ausgebaute Stichstraße mit Wendehammer und das Haus Rinaldstraße 19 (ehemals Elbenstraße 19) wurde in 2010 frisch renoviert.

Text und Editor: Bernd Schaeffer, Dezember 2020

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Kurzbeschreibung

Am Mittwoch, den 26. Februar 1930, brannte in der Elbenstraße 15 in Bettenhausen das Haus der Familie Keidler nieder. Der unbekannte Berichterstatter der Kasseler Post nimmt am 1. März 1930 den Brand zum Anlass, den Zeitungslesern die Herkunft des Straßennamens und die Herkunft der Familie Keidler näher zu bringen. Grundlage des untenstehenden Beitrages ist der im Original erhaltenen Zeitungsartikel.

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