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Friedrich Stahl & Carl Nölke - Zündholzfabrikanten

Stahl & Nölke Zündholzfabrik

Briefkopf Fa. Stahl und Nölke AG
Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Die Zündholzfabrik Stahl & Nölke in der Salztorstraße Nummer 6 - 8 später 6 -14, war eine der drei größten Hersteller von Zündhölzern in Deutschland. In der Zündholzfabrikation galt Kassel in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts als führend in Deutschland.

Die älteste Fabrik für Zündhölzer in Deutschland, die Firma Otto Miram in Bettenhausen, war wahrscheinlich sogar die älteste der Welt. Als eigentlicher Begründer der Zündholzindustrie, gilt aber Carl Beck. Sein Sohn führte das Schwedische Herstellungsverfahren in Deutschland ein. Die Firma Carl Beck war noch bis 1889 unter Carl Beck jun. im Adressbuch vertreten. Die Becksche Zündholzfabrikation ging aber in einer anderen Kasseler Firma, die von Friedrich Stahl und Carl Nölke 1890 gegründete Firma „Stahl & Nölke vorm. C. Beck”, auf. Unter dieser Firmierung stand sie noch bis Ende des 19. Jahrhunderts als Einzelunternehmen im Firmenregister.

Beide Gründer waren Bewohner der Unterneustadt, Friedrich Stahl wohnte am Unterneustädter Kirchplatz 8 und Carl Nölke in der Salztorstraße 2. In den Jahren bis zur Umwandlung in eine Aktien-Gesellschaft engagierten sich beide Firmeninhaber in sozialen Einrichtungen der Unterneustadt, wie der Armenpflege.

Nölke Zündholzfabrikant
Carl Nölke der Zündholzfabrikant  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Mit der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft nahm die Entwicklung der Zündholzfabrik Stahl & Nölke eine rasante Entwicklung. Mitbeteiligter an der Umwandlung in eine AG war Carl Albrand, der ebenfalls eine Zündholzfabriken in der Leipziger Straße 126 besaß. Die Niederhessische Streichholzfabrik Albrand & Haltnorth GmbH., galt damals als die modernste Fabrik Deutschlands. Die Zündholzfabrik Mainz-Kostheim wurde von der Casseler Firma übernommen. Vor Einführung der Zündholzsteuer 1909 produzierten die Werke Cassel und Mainz-Kostheim täglich 60 bis 70 Kisten mit Streichhölzern, eine dieser Holzkisten enthielt tausend Packungen mit je zehn Streichholzschachteln.

Zündholzfabrik Stahl & Nölke Salztorstr. 6-8
Zündholzfabrik Stahl & Nölke in der Salztorstaße vor 1900  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e.V.

1914 kaufte die „Stahl & Nölke AG” Cassel die Zündholzfabrik in Ahaus, die den Bedarf der Industrieregion Rhein-Ruhr deckte. Mit einem Aktienkapital von einer Million Mark und einen Reingewinn von 388 220 Mark schloss das Geschäftsjahr 1914/15 ab. 1921 wurde die Anhaltische Zündwarenfabrik „Heintz & Bischof” in Coswig, von der Fa. Stahl & Nölke AG gekauft. Der Geschäftssitz blieb nach wie vor in Cassel. Die bekannteste Streichholzmarke „Welt-Hölzer” wurde von den Besitzern mit dem Etikett der blau-weißen  Farben  ihrer Heimatstadt ausgestaltet.

WELT-Hölzer von Stahl & Nölke
Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Am 25. Nov. 1899 wurde die Deutsche Zündholzfabriken AG gegründet. Ihr Tätigkeitsbereich war die Errichtung von und Beteiligung an Fabriken zur Produktion von Zündhölzern. Friedrich Stahl und Carl Nölke waren Mitbegründer der „Deutschen Zündholzfabriken AG”. Deren Firmensitz war von 1921 bis 1926 in Kassel und bis 16.12.1927 in Hamburg, davor und danach in Berlin. Am 19. Juni 1926 ging mit Beschluss der General Versammlung der Deutschen Zündholzfabriken AG die Fa. Stahl & Nölke auf dem Wege der Fusion in den Besitz der Zündholzfabriken über. Die Gebäude in der salztorstraße wurden im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zerstört.

Nach dem Abriss der im II. Weltkrieg stehengebliebenen Gebäudeteile der Zündholzfabrik in der Salztorstraße erinnert heute (2019) nur noch das ca. drei Meter hohe Grabmal auf dem Kasseler Hauptfriedhof an die Familie Nölke. Hier wurden die Fabrikanten Carl Nölke (*19.10.1849, +23.04.1912) und sein Sohn Paul Nölke (*10.01.1884, +06.09.1961) beigesetzt.

Familiengrab der Familie Nölke auf dem Kasseler Hauptfriedhof
Familiengrab der Familie Nölke auf dem Kasseler Hauptfriedhof  Foto: Bernd Schaeffer, Kassel

Die Aktiengesellschaft der Zündholzfabriken nahm die deutschen Interessen des weltweiten Zündholzmonopols von Kreuger & Toll wahr. Im Zündwarenholzmonopolgesetz vom 29.1.1930 wurde der deutsche Markt mit dem schwedischen „Streichholzkönig Ivar Kreuger” auf Kartellgrundlage zwischen schwedischen und deutschen Produzenten aufgeteilt. Mit dem Monopolvertrag bekam die deutsche Reichsregierung eine 125 Millionen US-Dollar Anleihe mit sechs prozentiger Verzinsung.
Das Monopolgesetz überlebte den Zweiten Weltkrieg und wurde erst am 15. Januar 1983 abgeschafft.

Autor: Gerhard Böttcher
Editor: Erhard Schaeffer, Dezember 2013

Quellen:

Kurzbeschreibung

Die Zündholzfabrik Stahl & Nölke in der Salztorstraße Nummer 6 - 8 später 6 -14, war eine der drei größten Zündholzfabriken in Deutschland. In der Zündholzfabrikation galt Kassel in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts als führend in Deutschland.

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