Hessen
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Die Gartenwirtschaft Auguste Althans auf dem Lindenberg

Jubiläumsurkunde für Auguste Althans 1965

Jubiläumsurkunde 1965
Foto: Gisela Eberle, Kassel

Gasthaus Holländer Hof am Holländischen Platz
Gasthaus Holländer Hof am Holländischen Platz  Foto: H. Brier und D. Dettmar, Kassel

Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb Auguste Althans erfolgreich eine kleine Gartengaststätte im Kalkbergweg 5 auf dem Lindenberg. Ihre Enkelin, Gisela Eberle, die heute noch das Grundstück bewohnt, berichtet davon.

Meine Großmutter Auguste Schormann, geb.1889, war eine gelernte Köchin. Sie stammte aus Mühlheim im Ruhrgebiet und zog nach ihrer Heirat mit Andreas Althans Anfang des 20. Jahrhunderts nach Kassel. Mein Großvater stammte aus dem kleinen Ort Heiligenrode, seine Eltern waren Landwirte. Er hatte den Beruf des Schreiners erlernt und arbeitete in diesem auch eine Zeit bei der Rochollschen Stockfabrik. Nach dem Ersten Weltkrieg fand er zunächst wegen gesundheitlicher Probleme als Schreiner kein Auskommen. Auf der Grundlage der Ausbildung meiner Großmutter entschloss man sich 1925 eine Gaststätte zu eröffnen. Das erste Gasthaus hieß Holländer Hof und befand sich am Holländischen Platz in der Nähe des heutigen UNI-Standortes.

Blick vom Bahnhof in die Bahnhofstraße und rechts auf die Trümmer der Schomburgstraße nach der Zerstörung durch den Bombenangriffe am 22. Oktober 1943
Blick vom Bahnhof in die Bahnhofstraße und rechts auf die Trümmer der Schomburgstraße nach der Zerstörung durch den Bombenangriffe am 22. Oktober 1943  Foto: Stadtarchiv Kassel 0.004.723

1931 zogen meine Großeltern mit meinem Vater in die Schomburgstraße 10 in der Nähe des Bahnhofs. In den 30er Jahren betrieben sie den Rheinischen Hof in der Schomburgstraße neben dem Hotel Vaterland. In diesem Haus gab es auch Hotelzimmer. Die Geschäfte liefen gut bis die Bomben im Zweiten Weltkrieg das Haus zerstörten.

Auguste und Gisela Althans stehen rechts vor dem Gartenhaus im Kalkbergweg 1950
Gisela Althans rechts vor dem Gartenhaus im Kalkbergweg 1950  Foto: Gisela Eberle, Kassel

Meine Großeltern fanden ausgebombt auf dem Lindenberg am Lindenhöher Weg in einem kleinen Gartenhaus im Garten meines Urgroßvaters eine vorläufige Bleibe. Obwohl vom Schicksal hart getroffen, ließen sie sich nicht unterkriegen und versuchten nach dem Ende des Krieges einen Neustart in der Gastronomie. Auf dem Grundstück in der Schomburgstraße erhielten sie keine Baugenehmigung. So schachteten sie auf dem Lindenberg im Garten eine Baugrube aus und transportierten mit der Handkarre die Trümmersteine des ehemaligen Rheinischen Hofes auf den Lindenberg. Dies war ein mühsamer und langer Weg, so etwas kann man sich heute kaum noch vorstellen. Die Besiedelung des Lindenbergs hatte durch ein Siedlungsprogramm für junge Familien ab 1933 zwar begonnen, aber auch hier versagte die Baubehörde den Plänen zunächst die Zustimmung. Die Baugrube musste wieder zugeschüttet werden und nur das Wohnhaus konnte um Zimmer erweitert werden. Nach langem Streit mit der Stadt erhielten sie 1951 die Genehmigung für den Ausbau einer Gartengaststätte im eingeschossigen Haus im Kalkbergweg 5.

Terrasse des Gartenlokals Althans im Kalkbergweg, nach 1951
Terrasse des Gartenlokals Althans im Kalkbergweg, nach 1951  Foto: Gisela Eberle, Kassel

Ich wuchs, nach dem mein Vater im Krieg vermisst wurde und meine Mutter früh starb, bei meinen Großeltern in diesem Gartenhaus im Kalkbergweg auf. Leider verstarb auch mein Großvater Andreas bereits 1958 und so musste meine Oma die Gaststätte mit dem Biergarten, in dem Herkules-Bier ausgeschenkt wurde, allein betreiben. Im Dachgeschoss gab es auch noch ein paar Fremdenzimmer. Dort wohnten zeitweise Arbeiter der ehemaligen Casseler Wollwäscherei Pincus aus dem Kupferhammer an der Leipziger Straße. Das kleine Gartenrestaurant wurde gut besucht und es bestand ein freundschaftlicher Kontakt zur Gaststätte Lindenberger Höhe der Familie Quentin in der Leipziger Straße, in der ich mit meiner Mutter eine Zeit wohnte.

Opel Olympia Rekord 1953
Opel Olympia Rekord 1953 "Haifischmaul" vor dem Gartenlokal Althans im Kalkbergweg  Foto: Gisela Eberle, Kassel

1965 konnte das 40jährige Geschäftsjubiläum der Gaststätten Althans gefeiert werden. Die Herkules Brauerei würdigte aus diesem Anlass die guten Geschäftsverbindungen zu ihrer treuen Kundin Auguste Althans (siehe Urkunde oben links). Meine Oma war noch fast bis zum 80. Lebensjahr beruflich aktiv und gehörte noch lange dem Kreis der Kasseler Altgastwirte an. Sie verstarb im Alter von 91 Jahren nach einem arbeitsamen und erfüllten Leben im Jahr 1980.

Auguste und Andreas Althans in ihrem Lokal am Zapfhahn vor 1958
Auguste und Andreas Althans in ihrem Lokal vor 1958  Foto: Gisela Eberle, Kassel

Das Gartenhaus wurde später abgerissen und ein neues Wohnhaus mit einer großen Garage auf dem Grundstück errichtet, in dem wohnen mein Mann und ich heute noch.

Erzählt von Gisela Eberle 2013

 

Editor: Erhard Schaeffer, April 2013

Bildquelle: Privatfotos von Gisela Eberle

Kurzbeschreibung

Nach dem Zweiten Weltkrieg betrieb Auguste Althans erfolgreich eine kleine Gartengaststätte im Kalkbergweg 5 auf dem Lindenberg. Ihre Enkelin, Gisela Eberle, die heute noch das Grundstück bewohnt, berichtet davon.

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