Hessen
Skip to Content
erin_logo.png

Vom Luftschutz- zum Musikbunker

Blick auf eine braune Bunkereingangstür

Bunkereingang von der Agathofstraße,
Foto: Gerhard Böttcher, Kassel

Die Bunkerbauwerke als Zeugen des Zweiten Weltkrieges existieren noch heute in Kassel. Neben einer Anzahl von Tiefbunkeranlagen gibt es die für jeden ersichtlichen Hochbunker. Einer davon steht in der Agathofstraße 48a neben dem Stadtteilzentrum Agathof.

Seit Juli 1935 wurde der Luftschutz vom Reichsluftschutzbund und der Stadt Kassel forciert. Acht öffentliche Hochbunker und zwei Tiefbunkeranlage wurden in der Zeit zwischen 1940 und 1943 in Kassel gebaut. Daneben gab es eine Reihe von privat gebauten Bunkeranlagen und Werksbunker vor allem in den Rüstungsbetrieben. Die Bunkerbauwerke als Zeugen des Zweiten Weltkrieges existieren noch heute in Kassel. Neben einer Anzahl von Tiefbunkeranlage gibt es die für jeden ersichtlichen Hochbunker . Einer davon steht in der Agathofstraße 48a neben dem Stadtteilzentrum Agathof.

Mitten im Krieg wurde das Bunkerprojekt neben dem alten Schulgebäude in der Agathofstraße begonnen. Der Hochbunker in der Agathofstraße 48a passte sich in seiner Formgebung geschickt der umliegende Bebauung an.

Blick vom Turm der Kunigundiskirche auf die Bunkerbaustelle
Blick vom Turm der Kunigundiskirche auf die Bunkerbaustelle, 1942  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.
Luftbild auf den Bunker neben dem Agathof im Grünen
Blick vom Turm der Kunigundiskirche auf den Bunker im Grünen, 2009  Foto: Bernd Schaeffer, Kassel

Dies war von Seiten der NS Bauherrn zur Tarnung des Objektes gegen die Angriffe aus der Luft so gewollt. Das Ojekt erscheint von oben aus bestimmten Perspektiven wie ein Zwillingsbruder eines noch heute daneben stehenden Fachwerkhauses. In das Satteldach sind daher auch Dachgauben eingebaut, die aber keine Funktion besaßen.

Grundriss Erdgeschoss Agathofbunker 1943
Erdgeschoss Agathofbunker 1943  Foto: Stadtarchiv Kassel S8 A4

Zur vollständigen Gestaltung des Betonbauwerks war auch eine Klinkerverblendung vorgesehen, die wurde aber nicht mehr angebracht. Im Januar 1943 wurde das Grundstück durch den Reichsfiskus gekauft. Als Bauzeit wird Januar 1941 bis März 1943 angegeben.

Zu diesem Zeitpunkt war die Bedrohung der Kasseler Bevölkerung durch Luftangriffe der britischen und amerikanische Bomber schon allgegenwärtig. In den zwei Geschossen des Wohnbunkers und der Rettungsstelle fanden mehrere Hundert Menschen Schutz vor den Brand- und Sprengbomben. Dicken Stahltüren der Eingangsschleusen riegelten das Gebäude nach außen hermetisch ab. Die Betonwände und abschließenden Decken hatten eine Stärke von 1-1,4 m und waren damit bombensicher. Der Zeitpunkt für das regelmäßige Öffnen und Schließen der LS-Bunker wurde durch den örtlichen Luftschutzleiter bestimmt.

Tisch mit Funkgerät, Schutzhelm und Aktentasche im Bunkerwartraum
Bunkerwart Raum   Foto: Fulda-GAP

Die Ausstattung des LS-Bunkers war spartanisch. Es gab nur eine Notbeleuchtung. Elektrische Lüftungsmotoren, die bei Stromausfall auch mit der Hand zu betreiben waren, sorgten für die erforderliche Zuluft, über Kiesbettfilter. Genauso wie im Notfallraum, ausgestattet mit Tisch, Stuhl und einer Trage, gab es im ganzen Bunker nur spärliches Inventar und einfache Aborte. Die Kontrolle oblagen einem vom örtlichen Luftschutzleiter eingesetztem LS-Bunkerverwalter und dem sogenannten LS-Bunkerwart, der einen besonderen Arbeitsraum besaß. Mit Aufschriften wie „Ruhe bewahren“ an den Wänden sollte für die notwendige Disziplin gesorgt werden. Viele Menschen konnten im Schutz diese Bunkers unverletzt die Angriffe auf Bettenhausen und die Industrieanlagen wie Spinnfaser, Salzmann und Fieseler überstehen. Doch wenn sie nach der Entwarnung wieder raus kamen fanden sie leider zu oft ihre Häuser und Wohnungen nur noch brennend oder zerstört vor. Sie mussten schmerzlich erfahren welche verheerende Wirkung der Bombenangriff hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Bunker erst einmal ungenutzt. Der Städtebaulichen Richtlinie zum Luftschutz aus 1942 wurde durch ein Bundesluftschutzgesetz wieder aktiviert und damit die Nutzung der alten Bunkeranlage ins Auge gefasst. Am 1.10.1959 konnte der Bunker dem örtlichen Luftschutzleiter in Kassel übergeben werden. Während der Zeiten des Kalten Krieges wurden auf der Grundlage der "Richtlinie für die Nutzbarmachung öffentlicher Schutzbauten" viele alte Bunker in der Bundesrepublik vom Bund im Rahmen der Zivilschutzplanung wieder hergerichtet und ausgestattet.

Blick von der Marienkirche auf den Bunker 1972
Blick von der Marienkirche auf den Bunker in der Agathofstraße 1972  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.
Lüftermotorraum im Agathofbunker, 2012
Lüftermotorraum im Agathofbunker, 2012  Foto: Gerhard Böttcher, Kassel

Nach der politischen Wende in Europa und dem Ende des kalten Krieges in den 1990er Jahren entfiel die Zivilschutzbindung für die Bunkeranlagen und sie konnten einer friedlichen Nutzung zugeführt werden. Das Rockbüro Kassel, ein seit 1993 eingetragener Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat Bands mit verschiedenen Hilfestellungen zu unterstützen, bietet seit dem im ausgebauten Luftschutzbunker Agathofstraße Proberäume an, die sich die Bands selber eingerichtet haben. Das Projekt “Musikbunker” konnte mit Unterstützung vom Kulturamt der Stadt Kassel und der Kasseler Sparkasse realisiert werden.

Bunkerraum Rockbüro mit vielen Musikinstrumenten
Übungsraum für Musiker vom Verein -Rockbüro Kassel- im Agathofbunker, 2012  Foto: Gerhard Böttcher, Kassel

Autor: Erhard Schaeffer, April 2013

 

Quellen:

  • ROCKBÜRO KASSEL E. V. Agathofstr. 48a
  • Wieviel "gebauter" Krieg steckt in der Stadt, Fachbereich Architektur Uni Kassel, Lola Meyer 2006
  • Die Orgnisation des Lutschutzes, Stadtarchiv Kassel S8 A4
  • Fotos Bunker von 2012, Gerhard Böttcher Kassel

Kurzbeschreibung

Die Bunkerbauwerke als Zeugen des Zweiten Weltkrieges existieren noch heute in Kassel. Neben einer Anzahl von Tiefbunkeranlagen gibt es die für jeden ersichtlichen Hochbunker. Einer davon steht in der Agathofstraße 48a neben dem Stadtteilzentrum Agathof.

© Copyright 2018-2019 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Back to top