Hessen
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Metallgießerei und Dreherei Damm & Co

Die Straße Pferdemarkt 1930. Alte Fachwerkhäuser. Ein Pferdefuhrwerk

Pferdemarkt in Kassel, 1930
Foto: Stadtarchiv Kassel

Der Unternehmer Konrad Damm bezog mit der 1843 gegründeten Metallgießerei und Dreherei Damm & Co kurz nach dem Ersten Weltkrieg das Grundstück Leipziger Str. 111. Nach vielen Jahren erfolgreicher Tätigkeit und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte sein Sohn, Heinrich Damm, den Betrieb 1969 zwecks Expansion nach Fuldabrück - Bergshausen. Im Jahr 2000 meldete die Firma Damm & Co KG aufgrund der wirtschaftlichen Situation Insolvenz an und wurde abgewickelt.

1843 gründete Johann Klebe die Metallgießerei am Kasseler Pferdemarkt. Konrad Damm hat 1904 mit einem Compagnon die Firma seines Lehrmeisters J. Klebe, der keine Nachkommen hatte, übernommen und firmierte danach als Damm & Co. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg siedelte Konrad Damm mit dem Betrieb vom Pferdemarkt in die Leipziger Str. 111 um. Gleichzeitig trennte er sich von seinem Compagnon.

Das Luftbild von 1928 zeigt die Gießerei zwischen Leipziger Straße und Sandershäuser Straße
Betriebsgelände der Fa. Damm & Co in einem Luftbild von 1928  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

In der Bombennacht vom 22. zum 23. Oktober 1943 wurden das Wohnhaus und die Gießerei in Schutt und Asche gelegt. Bei dem letzten großen Bombenangriff auf Kassel, am 8. März 1945, kamen seine Frau Catharina Damm und sein Sohn Ludwig, der die die Fa. weiterführen sollte, ums Leben. So übernahm sein jüngster Sohn Heinrich Damm, Dipl.-Ing. der Geodäsie, nachdem er eine zusätzliche Ausbildung als Former absolviert hatte, die Firma. Die Einstellung eines Fachingenieurs bewirkte einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Einer der wichtigsten Kunden war die AEG. Später kamen Autofirmen (Autokühler) und Motorradhersteller (van Veen, BMW) hinzu. Hauptsächlich wurden Gussteile aus Aluminium, aber auch aus Messing, Kupfer und Bronze hergestellt. Auftrittsplatten für Rolltreppen und sogenannte Halbzeuge waren die Regel. Nullserien wurden bei Damm und Co. gefertigt, die Produktion ging dann oft an große Gießereibetriebe, wenn die Serientauglichkeit erwiesen war. Der klassische Trockenguss kam aus der Mode, weil man auch ohne Trocknung der Sandformen eine hinreichend gute Oberfläche der Gussteile erzielen konnte. Neben dem Nassguss kamen der Kokillenguss und auch der Schleuderguss hinzu. In der Leipziger Str. 111 hatte der Betrieb keine Expansionsmöglichkeiten. Heinrich Damm zog deshalb 1969 mit seiner Firma nach Bergshausen auf ein größeres Areal um. Wolfgang, der älteste Sohn von Heinrich Damm und seiner Frau Ilse, geb. Düring, fand nach dem Studium der Metallurgie in Friedberg eine gut dotierte Stellung bei der Fürstlich Hohenzollernschen Gießerei in Sigmaringen. 1973 übernahm er die Leitung der Firma, um sie aus einer wirtschaftlichen Krise herauszuführen. 1983 gründeten Wolfgang Damm und seine Frau Gerlinde in Bergshausen eine Kernmacherei, die WD-Giesserei-Technik GmbH. 1992 starb Heinrich Damm. Ein Jahr später wurde das Jubiläum „150 Jahre Damm & Co.“ gefeiert. 1997 kauften Gerlinde und Wolfgang Damm eine Hälfte des Grundstücks mit Gebäuden von der Gießerei Damm & Co. KG. Im Jahr 2000 war man aufgrund der wirtschaftlichen Situation gezwungen, mit der Firma Damm & Co KG Insolvenz anzumelden und sie abzuwickeln. Das restliche Grundstück mit Gebäuden ging 2001 aus der Konkursmasse in das Eigentum von Gerlinde und Wolfgang Damm über. Nach dem Unfalltod von Wolfgang Damm in 2003 wurde das Unternehmen WD-Giesserei-Technik GmbH mit inzwischen 80 Mitarbeitern von der Witwe Gerlinde Damm allein fortgeführt, die es 2006 an einen Konzern weiter veräußerte.

Anzeige der Metallgießerei und Dreherei 1927 in der Bettenhausenchronik von Bruno Jacob
Anzeige der Fa. Damm, erschienen 1927 in der Bettenhausenchronik von B. Jacob  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Verfasser: Volker Renkwitz

Editor: Bernd Schaeffer, 2011

 

Quellen:

  • Martin Damm, Stadthagen-Wendthagen
  • Gerlinde Damm, Fuldabrück-Bergshausen

Kurzbeschreibung

Der Unternehmer Konrad Damm bezog mit der 1843 gegründeten Metallgießerei und Dreherei Damm & Co kurz nach dem Ersten Weltkrieg das Grundstück Leipziger Str. 111. Nach vielen Jahren erfolgreicher Tätigkeit und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg verlegte sein Sohn, Heinrich Damm, den Betrieb 1969 zwecks Expansion nach Fuldabrück - Bergshausen. Im Jahr 2000 meldete die Firma Damm & Co KG aufgrund der wirtschaftlichen Situation Insolvenz an und wurde abgewickelt.

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