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Karl Branner - echter Unterneustädter Junge

Dr. rer. pol. Karl Branner

Karl Branner
Foto: Stadt Kassel

Dr. rer. pol. Karl Branner, geboren am 11. September 1910, gestorben am 17. Oktober 1997 in Kassel, war ein echter Unterneustädter Junge. Karl Branner wurde als Sohn des Bäckermeisters Heinrich Branner in der Unterneustadt, Leipziger Straße 2, geboren.

„D`r Karle wie er in Kassel genannt wurde, war ein echter Unterneustädter Junge. Er lebte im „Dörfchen” bis zu seinem 21. Lebensjahr und musste bis zu seinem Abitur an der Goetheschule, für die väterliche Bäckerei Brötchen austragen. Seine ersten sportlichen Erfahrungen machte er am Kirchplatz, hier wurden Leichtathletikwettkämpfe ausgetragen. Fußball gegen die Altstadt fanden in der Aue, der späteren Hessenkampfbahn, statt. Er kann sich noch erinnern, dass beim Hochwasser 1925 im Stunz, einem alten Waschzuber auf der Leipziger Straße gepaddelt wurde.

Waisenhausstraße Hochwasser 1925-26
Hochwasser 1924-1925 in der Waisenhausstraße  Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.
Bäckerei Branner Leipziger Str. 2
Bäckerei Branner Leipziger Str. 2  Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Seine eigentliche Passion aber war die Musik, mit seiner Geige spielte er in einer Kapelle im „Kurfürst” am Unterneustädter Kirchplatz. Karl Branner war ein echter Brückengänger, im „Gasthaus Peter“ am Altmarkt besserte er mit Freunden musizierenderweise sein Taschengeld auf. Es war auch einer der Beweggründe des Ortsbeirates die neue Brücke der Unterneustadt, auf den Namen „Karl Branner Brücke”, zu taufen.

Karl Branner galt als ein typischer Kasseläner, der seine Heimatstadt von 1963 bis 1975 als Oberbürgermeister diente. D`r Karle galt als volksnah, er hatte einen Bekanntheitsgrad in Kassel von über 90 Prozent. Sein unermüdliches Interesse galt der Kasseler Mundart. Die von ihm herausgegebenen Bücher, „D`s Kraachenknöbbchen” und „De Drillerpiffe” las er in der „Fullebrickensproche”. Er war zweimal verheiratet, aus seiner ersten Ehe seiner Jugendliebe aus der Maulbeerplantage stammt seine einzige Tochter.
Nach erfolgreichen Abitur an der Oberrealschule II, das heutige Goethe Gymnasium, in der Ysenburgstr. 41, studierte er in Göttingen Wirtschaftswissenschaften und Soziologie. Der zweite Weltkrieg zerstörte seine Pläne nach der Promotion 1937 Hochschullehrer zu werden. Branner wurde 1939 Soldat und kehrte erst nach 5 Jahren Kriegsgefangenschaft nach Kassel zurück. In der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit fand er eine neue Aufgabe.

Seine kommunalpolitische Aktivität begann Anfang der 50er-Jahre als er ins Stadtparlament einzog. 1954 wurde er Dezernent für Wirtschaft und Verkehr, 1957 Bürgermeister und am 1. Februar 1963 zum Oberbürgermeister gewählt.

Seiner Heimatstadt fühlte er sich stets eng verbunden und folgte nicht den Ruf nach Wiesbaden. Das Angebot von Ministerpräsident Albert Oswald, Finanzminister zu werden, lehnte er ab.

„Mein Platz ist und bleibt in Kassel” sagte Karl Branner 1969. In seine Amtszeit fiel die missglückte Gebietsreform, der den Bau des Kasseler VW-Werk in Baunatal zur Folge hatte. Aber auch den Wiederaufbau des Schlosses Wilhelmshöhe, den Ausbau des Klinikums Kassel, sowie die Gründung der Gesamthochschule , der heutigen Universität Kassel.
Den Aufbau der Hochschule hat Branner stets als sein wichtiges Werk angesehen. Er, dem der Traum Hochschullehrer zu werden, verwehrt geblieben war, konnte somit beitragen, dass sein Kassel eine Hochschulstadt wurde. Die Wiederauferstehung seiner Unterneustadt erlebte er leider nicht mehr.

Karl Branner Brücke 2011
Die Karl Branner Brücke verbindet die Unterneustadt mit der Altstadt  Foto: Erhard Schaeffer

Anmerkung:

Die Stadt Kassel hat im Januar 2014 einen Auftrag zur wissenschaftlichen Untersuchung der politischen Biographien von drei ehemaligen Kasseler Oberbürgermeistern vergeben, darunter ist auch Dr. Karl Branner. Auslöser für den Auftrag war die von J. Flemming und D. Krause-Vilmar herausgegebene Veröffentlichung „Kassel in der Moderne“. Vielseitige, auch öffentliche, Streitgespräche ergaben sich aus der Darstellung der politischen Haltung und des Handelns insbesondere von Karl Branner während der NS-Zeit.

Gegebenenfalls muss der obige Beitrag, auf der Grundlage dieser wissenschaftlich fundierten Rekonstruktion des Verhältnisses von Dr.Karl Branner zum Nationalsozialismus und seiner Mitgliedschaft in der NSDAP sowie sein Umgang mit seiner NS-Vergangenheit, ergänzt oder verändert werden.

Text: Gerhard Böttcher, März 2013

Editor: Erhard Schaeffer, Mai 2015

Anmerkung: Bernd Schaeffer, Mai 2015

Quellen:

  • Adressbücher Cassel
  • Stadt Kassel
  • Kasseläner Klassik von Hans Römhild
  • Kirchenarchiv Unterneustadt

Kurzbeschreibung

Der bekannte SPD-Politiker Dr. rer. pol. Karl Branner, geboren am 11. September 1910, gestorben am 17. Oktober 1997 in Kassel, war ein echter Unterneustädter Junge. Karl Branner wurde als Sohn des Bäckermeisters Heinrich Branner in der Unterneustadt, Leipziger Straße 2 geboren.

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