Hessen
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Gründung der Gärtnerei Omonsky in der Heiligenröder Straße

Gärtnerei Omonsky in Bettenhausen 1970

Foto: Archiv Bettenhausen früher und heute

Die Gärtnerei Hördemann wurde 1951 durch die aus Wangern in Schlesien (heute Polen) stammende Familie Omonsky gekauft und zu einem großen Familienbetrieb aufgebaut. Im Bild die Gärtnerei Omonsky in Bettenhausen im Jahr 1970. Auf dem freien Feld rechts entstanden später verschiedene gewerbliche Betriebe.

Elisabeth Omonsky ist die Schwiegermutter des Forstfelders Franz Kohl. Dieser kam eines Tages zu mir und bat mich, 2 Kopien der Aufzeichnungen seiner Schwiegermutter für Freunde in Polen zu erstellen, die er diesen zu Weihnachten schenken wollte.

Seine Schwiegermutter hatte die Geschichten oft erzählt, da wurde sie von Verwandten und Freunden gedrängt, diese aufzuschreiben, damit auch spätere Generationen einmal erfahren, wie die Zeit der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg für die Betroffenen war.

Ich fand diese Aufzeichnungen so interessant, dass ich eine Broschüre daraus erstellte, die dann im Wesentlichen über die Forstfelder Sparkassenfiliale vertrieben wurde. Im Mittelpunkt der Broschüre beschreibt Elisabeth Omonski ihre Flucht aus Schlesien, sie hatte hier mit ihrem Mann eine Gärtnerei betrieben. Viele, die ihr Bild auf der Titelseite sahen, erinnerten sich an „die alte Frau, die immer in der Heiligenröder Str. im Laden saß“.

Lesen Sie hier einen Auszug aus der Broschüre, in der Elisabeth Omonsky schildert, wie sie nach Kassel-Bettenhausen kamen.

Die gesamte Broschüre finden Sie als PDF-Datei im Anhang, hier wird auch der alte Heimatort Wangern der Familie beschrieben, außerdem wird ein Besuch von Christa Kohl auf dem ehemaligen elterlichen Anwesen in Schlesien und die Freundschaft, die mit den polnischen Betreibern daraus entstand, geschildert.

Elisabeth Omonsky
Foto: @ Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Jetzt aber zu Elisabeth Omonsky:

„… Es war schwer einen richtigen Betrieb mit Wohnung für eine große Familie zu finden. Da kamen Theodor und Felix eines Tages mit einem kleinen Hoffnungsschimmer, und zwar aus Kassel. Dort gab es einen Betrieb. Er war ziemlich verwahrlost, das Haus war klein. Es gab fünf kleine alte Gewächshäuser, wo keine Verkaufsware darin war, außerdem einige vermorschte Frühbeetfenster. Nun kam Rücksprache mit der Besitzerin Frau Hördemann und dem Kulturamt. Diesmal mußte ich mitfahren mit sämtlichen Papieren. Theodor war froh, daß ich sie so gut verwahrt hatte.

Am 1. Oktober 1951 sollten wir einziehen. Doch das ging nicht, denn der Meister, der bei Hördemanns angestellt war, hatte kein Geld zum Ausziehen und keine Wohnung. So mußten wir auf Bescheid warten. Bei der Gemeinde legten wir das erste Schreiben der Gärtnerei Hördemann vor und baten um einen Umzugsschein vom Flüchtlingsamt. Da kam ein Schreiben aus Kassel. Wir sollten den Betrieb am 1. Februar 1952 übernehmen, falls der Meister auszog.

Wir erwarteten umgehend Bescheid, damit der Umzug geplant werden konnte. Es kam Rückanwort. Er hätte leider kein Geld zum Ausziehen, er benötige noch 300,- DM. So liehen wir uns den Betrag von unseren lieben Verwandten und sandten das Geld dem Mann zu. Mitte Januar bekamen wir von ihm Post. Er bedankte sich und wir konnten einziehen.

Wieder baten wir Gott um seinen Beistand. Das Flüchtlingsamt stellte ein großes Auto für unsere Möbel zur Verfügung. Sehr zeitig luden wir unsere Habe ein und los ging es, wieder in das Ungewisse.

Die beiden Bauern waren sehr traurig über unsere Abreise und von jedem bekamen wir ein großes Paket mit Essen zum schweren Anfang. Wir fuhren in einem beheizten Waggon bis nach Kassel. Dort angekommen meldeten wir uns in der Bahnhofsmission und baten um Unterkunft bis unsere Sachen ankamen. Uns wurden sogleich Plätze zugewiesen. Der Vater, Schwager Felix und Christa blieben tagsüber in der Gärtnerei um ein paar Vorbereitungen und Anmeldungen zu erledigen. Es war Herz-Jesu-Freitag und ich war mit der Missionsschwester zur heiligen Messe gegangen um zu danken. Als ich nach Hause kam, riefen die Kinder: "Die Möbel kommen, es geht los". Ich bedankte mich mit einem herzlichen „Gott vergelt's“ bei der Mission.

Wir konnten es nicht erwarten ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Wir dankten Gott und bis heute sind wir alle noch dankbar.

Und ist das Zimmer noch so klein, es reicht für uns zum glücklich sein.“

Editor: Falk Urlen, Oktober 2009

Kurzbeschreibung

Elisabeth Omonsky schrieb auf Wunsch von Freunden und Verwandten ihre Geschichte der Vertreibung aus Schlesien auf. Gleichzeitig berichtet sie über die Gründung der Gärtnerei Omonsky in Kassel-Bettenhausen, und erstellt damit auch einen Baustein für die Bettenhäuser Geschichtsforschung.

Ihre Tochter Christa nimmt dann den Kontakt zu den Bewohnern ihres Elternhauses in Polen wieder auf und es entwickelt sich eine neue Freundschaft.

Das ist eine ergreifende und versöhnliche Geschichte, die hilft, Hass und Vorurteile zu überwinden, eine kleine Hilfe für das echte Zusammenwachsen unserer Europäischen Union.

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