Hessen
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Friedrich Wilhelm von Hasserodt wird auf dem Forst exekutiert

Hasserodts Weg

Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Die Zeitschrift „Hessenland“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe von 1897 (S. 250 ff.) das Urteil, die letzten Briefe und den letzten Gang eines Mannes, der versucht hatte, von Allendorf aus die Menschen dazu zu bringen, gegen König Jérôme , und damit das Westphälische Königreich, zu putschen. Er ist einer der „Treuen Hessen“, die im Forst durch westphälische Soldaten hingerichtet wurden.

Im Urteil, welches am 12.05.1809 durch ein Militärgericht gefällt wurde, warf man ihm vor, dass er „an einer bewaffneten Zusammenrottung gegen die öffentliche Ordnung Theil genommen, und Proklamationen, welche zum Aufruhr gegen seinen rechtmäßigen Herrn reitzen sollten, ausgetheilt hat.“1

Friedrich Wilhelm von Hasseroth war damals gerade 22 Jahre alt und lt. Urteil vormals Unter-Lieutenant in hessischen Diensten gewesen, inzwischen aber in der westphälischen Armee zum Leutnant aufgestiegen. Er hatte blondes Haar, graue Augen und war 167 cm (5 Fuß, 4 Zoll) groß. Seinen Vernehmern hatte er angeblich gesagt: „Ich bin ein Unterthan des Kurfürsten von Hessen, - der König von Wesfalen geht mich nichts an, - seine Beamten haben nicht die Befugniß, mich zu verhören oder ein Urtheil über mich und meine Handlungen zu fällen, ich bin nicht verpflichtet, ihnen Rede zu stehen."2

Das kann aber auch dichterische Freiheit des Novellenschreibers gewesen sein, wie auch die letzen Worte, von denen der Pfarrer, der bei der Hinrichtung anwesend war, nichts schrieb. Bei den Lesern kamen solche Aussagen natürlich gut an.

Am 23.04.1809 erschienen Carl von Eschwege mit Leutnant von Hasserodt zu Pferd in Allendorf und erklärten den Bürgern, worunter sich auch viele ehemalige hessische Soldaten befanden, dass es einen allgemeinen Aufstand gäbe, um die Franzosen aus Hessen zu vertreiben. Da die Franzosen im Süden bereits von Österreichern geschlagen seien, solle man sich anschließen und sofort die Sturmglocke läuten, was nicht geschah. Bürgermeister (Maire) Stephan, der Hasserodt von früher kannte, nahm diesem die gespannte Pistole aus der Hand, schüttete das Pulver aus und sagte: „Ach machen Sie doch kein dummes Zeug“. Eschwege und Hasserodt wurden noch in der gleichen Nacht auf von Eschweges Gut in Reichensachsen gefangen genommen und nach Kassel überführt. 3

Nach dem königlichen Dekret vom 6. April [1809] sollte „jeder durch die bewaffnete Gewalt verhaftete Verführer … vor das besondere Tribunal der Militärdivision, worin er sich befindet, geführt, von demselben gerichtet, zum Tode verurtheilt und sogleich erschossen werden.“

Also wurde v. Hasserodt zur Todesstrafe verurteilt, „und verordnet, daß das Urtheil sogleich, unter der Aufsicht des Platzkommandanten von Kassel, vollstreckt werde.

Der Abschiedsbrief, den er im Kastell an seine Schwester schreibt, beginnt mit den Worten: „Wie Du diese Zeilen liesest, ist die Hand schon erstarrt, die es schrieb, heute Nacht erhielt ich mein Urteil zum Tode…ich sterbe ruhig…ohnerachtet ich glaube, daß ich den Tod nicht verdient habe. Schicksal!“ Er gibt ihr dann einige Ratschläge, verflucht einige untreuen Freunde und bittet sie, seinen Vater und seine Mutter zu trösten. Der Brief endet: „Leb wohl, ewig wohl, meiner Elise gieb noch den letzten Kuß, endlich bleibe Dein, bis die Tödliche Kugel [kommt], welche mich bald in eine bessere Welt bringen wird.“

Pfarrer Ruppersberg, der von Hasserodt in seinen letzten Stunden begleitet, schildert in einem Brief an v. Hasserodts Mutter die letzten Stunden ihres Sohnes.

Kastell Kassel ca. 1800
Das Kastell an der Fulda, ca. 1800, Pastell von C. Siebert.  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Er schreibt u. a., dass er in der Nacht auf den 13. Mai um „½ 12 Uhr“ geweckt wurde und die Nachricht erhielt, dass er „Morgens um ½ 5 Uhr ins Castell kommen, und einen zum Tode Verurteilten auf denselben vorbereiten sollte“. Man teilte ihm aber nicht mit, um wen es sich handelte. Jetzt konnte er nicht mehr einschlafen und meldete sich um 5 Uhr im Castell, wo er sogleich zum Todeskandidaten gebracht wurde, der rauchte und wie er sagte „dem Tod mit aller Gelassenheit und Unerschrockenheit“ entgegensah. Er habe gut geschlafen, wolle sich die Augen nicht verbinden lassen und von den Jägern erschossen werden. Er meinte, „daß er glaube getrost diesen Schritt thun zu können, da ihm sein Gewissen das Zeugniß gebe, daß er zwar sich manchen Leichtsinnes, aber keiner vorsätzlichen schändlichen That schuldig wisse.“ Er empfing das hl. Abendmahl mit „vielem Anstande und ernstem Nachdenken, und ließ sich nicht im geringsten durch das klingende Spiel des unterdessen herannahenden Militärs…außer Fassung bringen.“ Dann kam der Kommandant, fragte, ob der Delinquent einen Freund hätte, der seiner Mutter die Nachricht von seinem Tod überbringen könnte. Dieser nannte einen Pfarrer in seinem Heimatort, den der anwesende Pfarrer informieren sollte. Er sprach dann noch mit einigen Freunden und verabschiedete sich vom Pfarrer, der eigentlich hier bleiben wollte, weil am gleichen Tag noch zwei Deserteure erschossen werden sollten.

Hasserodt bat nun den Pfarrer, ihn zum Richtplatz zu begleiten. „Ich ging mit und ward also auch Zeuge des standhaften und heldenmüthigen Verhaltens Ihres Sohnes. Auf dem Wege sprach er öfters mit den Jägern, die ihn begleiteten und grüßte freundlich und herzlich jeden Bekannten, den er erblicken konnte. Auf dem Siechenhofe trank er guten Muths ein Glas Wein, das ihm gereicht wurde, und empfahl mir manchmal den Brief wegen seiner Mutter, und befürchtete nichts mehr, als daß sie etwa den Tag nach Kassel kommen möchte. Während ihm das Todesurtheil nochmals auf dem Forst vorgelesen wurde, winkte er seinen Kameraden lächelnd zu; ich umarmte ihn zum zweiten Mal, und mit starken Schritten ging er zu der Stelle hin, wo er den Todesstreich empfangen sollte. Er ließ sich nicht die Augen verbinden, sondern sagte: er wolle als ein braver Soldat sterben, und so sank er hin, ohne die geringste Zuckung.“ Zuvor soll er noch gesagt haben: „Es lebe der Kurfürst – mein rechtmäßiger Herr“.4

Ähnlich wie ihm erging es 6 weiteren Freiheitskämpfern. Nach Beendigung der französischen Fremdherrschaft pflanzte man über den Gräbern die Forsteiche. Später wurde dann an der Stelle, auf dem sie erschossen wurden, ein Denkmal errichtet mit einem Stein in einigem Abstand davor.  Der Stein symbolisiert den Ort, an dem das Erschießungskommando stand.

Dieses Denkmal konnte lange nicht besichtigt werden, weil hier die Munitionsfabrik gebaut worden war. Heute kann man es wieder besichtigen, es steht aber nicht mehr an der Originalstelle, weil die Spinnfaser hier ihr Werk gebaut hatte.

Von Eschwege wurde nach einiger Zeit auf Fürbitte vom König begnadigt.5

Im Kasseler Stadtteil Kirchditmold zwischen Auf der Höhe und Knaustwiesen wurde eine Straße nach Friedrich Wilhelm v. Hasserodt benannt.

Dieser Beitrag gehört zu der Reihe "Tod(t) auf dem Forst".

Autor und Editor: Falk Urlen, März 2014

Quellen:

  1. O. V.: Georg von Hasserodt, in: Hessenland, Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, 11. Jg., Kassel 1897, S. 250 ff. (Das gilt auch für die folgenden nicht nummerierten Zitate). Anmerkung: Von Hasserodt hieß nicht Georg, sonder Friederich. Im 19. Jhd. hatte sich aber eingebürgert, ihn Georg zu nennen. Den Grund konnte auch der Autor des Aufsatzes nicht nennen, er wies aber darauf hin. In neueren Schriften wird wieder nur von Friedrich gesprochen.
  2. Hensler, Heinrich: Im Forsthause; Nürnberger Kreuzerblätter v. 08.02.68, S. 43 (Das ist eine Novelle, Quellen sind hier keine angegeben).
  3. Wagner, G.: Geschichte der Stadt Allendorf, Marburg 1865, S. 85 f.
  4. Hensler, a. a. O.
  5. Wagner, a. a. O., S. 86

Kurzbeschreibung

Die Zeitschrift „Hessenland“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe von 1897 (S. 250 ff) das Urteil, die letzten Briefe und den letzten Gang eines Mannes, der versucht hatte, von Eschwege aus die Menschen dazu zu bringen, gegen König Jérôme und damit das Westphälische Königreich zu putschen. Er ist einer der „Treuen Hessen“, die im Forst durch westphälische Soldaten hingerichtet wurden.

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