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Eine verlassene Industrieanlage wird Ausstellungsort der Documenta 15

Ein Mann betrachtet eine Videoinstallation zur d15 auf der Außenwand der Firma Hübner

Videoinstallation zur d15 auf der Außenwand der Firma Hübner
Foto: Erhard Schaeffer, 2022

Die Geschichte der HÜBNER-Gruppe beginnt im Jahr 1946. In der kargen Nachkriegszeit gründet der 40-jährige Kurt Hübner, der ein Jahr zuvor mit seiner Familie vor der russischen Armee aus dem sächsischen Lugau nach Kassel geflohen ist, eine Firma für Gummiartikel und -reparaturen. Der Inhaber und seine Mitarbeiter bringen im Laufe der Zeit zahlreiche neue Produkte auf den Markt, die sich schnell als Referenz etablieren: vom Faltenbalg bis zum durchstimmbaren Laser, die Produkte von HÜBNER kommen täglich auf der ganzen Welt zum Einsatz. Ein zentraler Ort in dem für die documenta fifteen 2022 neu erschlossenen Kasseler Stadtteil Bettenhausen war das Areal, das die Firma Hübner erst 2021 aufgegeben hatte.

Der Auszug des Unternehmens aus dem Standort in der Agathofstraße 15 schaffte Platz für eine kollaborative Ausstellung, deren Arbeiten sich gegenseitig beeinflussten. In den ehemaligen Produktionsräumen der Firma, die mit verlassenen Maschinen, Lagertechnik und anderen Einrichtungen einen besonderen Rahmen für die Documenta Ausstellung boten, konnten sich die zahlreiche Künstler der ganzen Welt wie aus Mali, der chenesischen Provinz Guangdong, Indien oder Argentienen 100 Tage präsentieren. Den d15 Besuchern wurden durch die Künstler und Aktionsgruppen kulturelle Themen und Probleme des globalen Südens vielfältig und eindrucksvoll aufgezeigt.

Ein grüner Kleintransport der d15 steht vor dem Ausstellungsgebäude der Firma Hübner, Besucher gehen aus Gelände
Foto: Erhard Schaeffer, 2022

Die Fondation Festival sur le Niger aus Mali, die in ihrer Heimat ein weltbekanntes Festival initiiert hat und sich mit Gastfreundschaft und anderen zentralen Traditionen der malischen Kultur auseinandersetzt, brachte Prozessionen, Konzerte, Theater, Filme und (andere) zeitgenössische Kunst auf das Gelände.

In einer Fabrikhalle sitzen Personen auf Paletten und schauen auf eine Videoleinwand
Foto: Erhard Schaeffer, 2022

Name BOLOHO ist eine kantonesische Romanisierung des chinesischen Wortes für „Jackfruchtkern“ – und in einem zerklüfteten alten Wohnviertel im Stadtkern der Megalopole Guangzhou (aus einer Zusammenballung von benachbarten Großstädten entstandene Riesen Stadt) entstand. Guangzhou ist die Hauptstadt der Provinz Guangdong. Sie ist die drittgrößte Stadt Chinas. Die traditionellen "chinesischen"– eigentlich kantonesischen– Speisen stammen aus Guangzhou, das früher Kanton genannt wurde. Für die documenta fifteen hat das Kollektiv eine Fabrikkantine des Hübner-Areals in ein kantonesisches Café verwandelt und mit einem Aufgebot von Rezepten aus so weit entfernten Orten wie Kambodscha, Indien und Chengdu in China überrascht.

Mehere Personen sitzen an Gartentischen vor Getränken und betrachten eine Videoleinwand
Foto: Bernd Schaeffer, 2022

Amol K Patil aus Indien schaffte eine Installation, die unter anderem aus einer Bühne mit kinetischem Sand, die aus einem Hologramm, einem Screening und mehreren Objekten besteht. In Sweep Walkers (2022) bewegen sich dann auch Performer*innen auf Rollschuhen mit Reinigungsbürsten durch die Ausstellungsräume, aus Radiogeräten kommt Musik. Auf dem Hübner-Areal sah man immersive Skulpturen, die den Reiserouten Patils Großvaters und vieler anderer nachgebildet sind.

Viele Holz-Marionetten hängen vor einer weissen Leinwand
Foto: Erhard Schaeffer, 2022

Sebastián Díaz Morales wurde 1975 im argentinischen Comodoro Rivadavia geboren. Er lebt und arbeitet in Amsterdam. Sebastián Díaz Morales und Simon Danang Anggoro zeigten mehrere Filme zur Praxis ruangrupas. Diáz Morales’ Arbeiten sind Teil bedeutender Sammlungen und waren bereits weltweit zu sehen, unter anderem im Museum für Gegenwartskunst Siegen.

Drei Besucher stehen vor Gestellen und schlagen auf Ziegel zum Tackt der Musik, die auf einem Video erklingt
Foto: Erhard Schaeffer, 2022

Außerdem zeigt die Jatiwangi art Factory Dachziegel- und Steininstallationen. Das Gemeinschaftsprojekt aktiviert die Ausstellungshalle durch Musikvorführungen und performative Veranstaltungen.

Zwei Besucher von hinten gesehen sitzen vor einer Videoleinwandauf auf der ein Mann im rosa Gewand zu sehen ist
Foto: Erhard Schaeffer, 2022

Die Besucher aus aller Welt kamen in Scharen, nicht zuletzt auch wegen der 100 sonnigen Tage des heißen Sommers 2022, zum Hübner-Arenal in Bettenhausen, dem neu erschlossenen Kasseler Stadtteil.

Es war ein kulturelles HIGHLIGHT. Man kann nur wünschen das die Nutzung der Hallen für Ausstellungen, Veranstaltungen oder andere Zwecke sich fortsetzt. Eine weiterer Industriebrache, wie das Salzmann-Arenal auf der anderen Straßenseite, braucht Bettenhausen nicht.

 

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Kurzbeschreibung

Die Geschichte der HÜBNER-Gruppe beginnt im Jahr 1946. In der kargen Nachkriegszeit gründet der 40-jährige Kurt Hübner, der ein Jahr zuvor mit seiner Familie vor der russischen Armee aus dem sächsischen Lugau nach Kassel geflohen ist, eine Firma für Gummiartikel und -reparaturen. Der Inhaber und seine Mitarbeiter bringen im Laufe der Zeit zahlreiche neue Produkte auf den Markt, die sich schnell als Referenz etablieren: vom Faltenbalg bis zum durchstimmbaren Laser, die Produkte von HÜBNER kommen täglich auf der ganzen Welt zum Einsatz. Ein zentraler Ort in dem für die documenta fifteen 2022 neu erschlossenen Kasseler Stadtteil Bettenhausen war das Areal, das die Firma Hübner erst 2021 aufgegeben hatte.

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