Hessen
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Eine Fahrt mit Hindernissen

Plakat zur Deutschen Sängerbundeswoche 1950

Plakat zur Deutschen Sängerbundeswoche 1950
Foto: Sängerbund

24 Stunden von Kassel nach Wiesbaden und zurück. Der Beitrag schildert die Reise des Gemischten Chores 1861 Kassel-Bettenhausen e. V. in die Landeshauptstadt Wiesbaden zum Bundeschorfest.

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“. So erging es auch unserem Chor, als er im Jahre 1954 mit stolzgeschwellter Brust in die hessische Metropole fahren wollte. Mit viel Mühe, Fleiß und Können hatten wir beim Bundesleistungssingen des Großhessischen Sängerbundes in der Kasseler Stadthalle mit dem Lied „Gottes Glocke“ von Helmut Bräutigam (1914-1942) als einziger nordhessischer Chor das Prädikat „sehr gut und besser“ erzielt und uns so die Teilnahme an dem Konzert der Spitzenvereine in Wiesbaden gesichert. Und nun sollte es losgehen. Ein Bus der KVG war für 5:00 Uhr bestellt. Man höre und staune: 65 Sänger wollten die Reise antreten. Da jedoch nur 62 Sitzplätze vorhanden waren, mussten 3 Personen mit einem Stehplatz vorliebnehmen. Alle sollten ja mit, und so waren die ersten Sänger schon um 4:00 Uhr an der Abfahrtsstelle, um ja einen Sitzplatz zu ergattern. Pünktlich um 5:00 Uhr fuhr der Bus ab, denn wir mussten um 9:00 Uhr in Wiesbaden sein, da um 10:00 Uhr das Bundeschorfest beginnen sollte.

Mehrbildpostkarte von Wiesbaden
Mehrbildpostkarte von Wiesbaden  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e. V.
KVG-Bus an der Haltestelle.
Henschel-Bus der KVG  Foto: @HENSCHEL-Museum Kassel

Doch „Mit des Geschickes Mächten ist kein ew’ger Bund zu flechten!“ Wir waren kaum 100 km von Kassel entfernt, da fing der Motor zu stottern an. Die meisten nutzen die Panne, um schnell im Gebüsch zu verschwinden, denn Busse mit Toilette gab es damals noch nicht. Ob die KVG eine Panne vorausgesehen hatte, da ein Monteur als Beifahrer mitfuhr? So war uns zunächst nicht bange, denn wir glaubten immer noch, unser Ziel pünktlich zu erreichen. Als der Monteur nach langem Suchen immer noch nicht die Ursache des Schadens gefunden hatte, wurde es uns mulmig und wir suchten einen Ausweg. Zwei Mann stellten sich an den Straßenrand und winkten um die Wette, bis sich ein LKW-Fahrer erbarmte und die beiden bis zur nächsten Raststätte mitnahm. Von hier aus wurde die KVG angerufen und diese versprach, sofort einen anderen Bus zu schicken. Per Anhalter ging es wieder zurück. Doch auf halbem Wege kam Ihnen unser erster Bus entgegen. Schnell raus aus dem Laster, rüber auf die andere Seite und wieder ging es per Anhalter hinter dem Bus her. Inzwischen hatte uns der 2. Bus aus Kassel eingeholt, mit dem Chef im Schlepptau, der sich nun selbst ans Steuer von Bus Nr. 1 setzte. Der 2. Bus wurde wieder nach Kassel geschickt und unsere Fahrt ging weiter. Kaum waren wir über Alsfeld hinaus, da musste auch der Chef das Handtuch werfen und sagte: „Der Bus kann nicht weiterfahren, der Motor ist im ...“. Im PKW raste er dann nach Bad Homburg, führte ein Blitzgespräch mit Kassel, wo der zurückgeschickte Bus gerade wieder einlief und sofort erneut auf die Reise geschickt wurde.

Uns war klar geworden: Unser Auftritt in Wiesbaden war geplatzt, aber hin wollten wir trotzdem. 4 Stunden mussten wir an der Autobahn warten und konnten dann endlich mit dem 2. Bus weiterfahren. Um 18:00 Uhr, nach 13 Stunden, kamen wir in Wiesbaden an. Der Ober brachte uns einen Eintopf. So gut hat uns noch nie ein Essen geschmeckt wie an diesem Abend. Doch wer glaubt,wir hätten später in Ruhe unsere Heimfahrt genießen können, der irrt! Wir waren kaum aus Frankfurt raus, da streikte auch dieses Vehikel. Der Motor fing an, Feuer zu spucken. Nachts um 3:30 Uhr stiegen wir dann in den 3. von der KVG geschickten Bus und erreichten endlich morgens um 7:00 Uhr Kassel. Wir waren müde und kaputt, doch glücklich, wieder heil gelandet zu sein. Die KVG hat uns später reichlich entschädigt. Von dem Geld konnten wir uns einen neuen Notenschrank kaufen.

Der Verfasser oder die Verfasserin ist leider unbekannt.

Editor: Joachim Schmidt, 2019

Kurzbeschreibung

"Wenn einer eine Reise tut,so kann er was erzählen. Der Beitrag schildert die Reise des Gemischten Chores 1861 Kassel-Bettenhausen e. V. nach Wiesbaden.

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