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Ein seltener prähistorischer Fund auf dem Forst

Der Kasseler Forst auf einer historischen Karte von 1835

Der Kasseler Forst auf einer Karte von 1835
Foto: Stadtarchiv Kassel

Die Zeit aus der es für die betrachtete Region noch keine schriftlichen Überlieferungen gibt, wird von den Historikern als Prähistorik oder Vorgeschichte bezeichnet. Allerdings sind aus dieser Zeit auch Zeugnisse in anderer Form vorhanden und werden durch Zufall oder gezielter Forschung, meist Grabungen, gefunden. Im Kasseler Becken östlich der Fulda wurden bisher keine umfangreichen Untersuchungen zur Vorgeschichte unternommen, allerdings gibt es Zufallsfunde, die beweisen, dass schon in der Bronzezeit (von 2200 bis 800 v. Chr.) Menschen in diesem Gebiet gesiedelt haben müssen. Ein Museumsstück in der Sammlung des Hessen Kassel Heritage im Schloss Wilhelmshöhe kann als als Beweis für diese Mutmaßung dienen.

Der ehemalige Bewohner der Wohnstraße 4, Dr. Rudolf Mach, schildert in seinen Jugenderinnerungen, dass im Jahr 1939 bei Bauarbeiten zur Erweiterung eines Fabrikgebäudes, unmittelbar westlich der Fieselerwerke, vier Urnengräber aus der Bronzezeit freigelegt wurden. Leider hat uns der Chronist keine näheren Ortsangaben gemacht. Doch da sich der genannte Fundort auf dem ehemaligen Forstgelände befindet, war es nicht schwer, eine Verbindung zu dem Museumsstück mit der Nummer VF 885 der Sammlung „Vor- und Frühgeschichte“ im Schloss Wilhelmshöhe herzustellen. Für das dort verzeichnete bronzene Absatzbeil aus der „Mittleren Bronzezeit“ wird die Fundstelle mit „Bettenhausen, Auf dem Forst“ genannt. Bei dem gegossenen und bearbeiteten Beil handelt es sich nach der Zuordnung durch den Katalog des Prähistorikers Kurt Kippert (* 1921) um ein Absatzbeil der Form Kassel, in der Variante Bühne.

Das auf dem Kasseler Forst gefundene Bronzeabsatzbeil. Invent. Nr. VF 885
Das auf dem Kasseler Forst gefundene Bronzeabsatzbeil. Invent. Nr. VF 885  Foto: http://datenbank.museum-kassel.de/53288/ HKH Schloß Wilhelmshöhe

Das Beil hat die folgenden Maße: 16,5 cm (Länge), 3,3 cm (Breite), 2,15 cm (Dicke), 343 g (Gewicht) und wird als Einzelfund bezeichnet.

Prinzipskizze für die Schäftung eines Absatzbeils
Prinzipskizze für die Schäftung eines Absatzbeils  Foto: Zeichn: Sauermilch 1921, Hist. Museum Hellental, Gestaltung: Klaus A.E. Weber

Zur Herstellung des Absatzbeils waren handwerkliches Geschick und Wissen erforderlich. Nach Auswahl des geeigneten Materials wurde die Klinge im Sandgussverfahren hergestellt. Der charakteristischen Absatz wurde so angelegt, damit der Stiel (in der Regel ein Knieholz) sicher an der Klinge befestigt werden konnte. Der Stiel wurde mit Lederriemen oder anderem Material durch Umwickeln befestigt. Zum Schluss wurde die Klinge geschärft und poliert.

Hügelgrab bei Schwalmstadt OT Wiera in 2013
Hügelgrab bei Schwalmstadt OT Wiera in 2013  Foto: Oliver Deisenroth, Schwalmstadt, 2013, https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%BCgelgrab_von_Wiera#/media/Datei:H%C3%BCgelgrab_von_Wiera_HDR.jpg

Die Mittlere Bronzezeit dauerte in Mitteleuropa absolut chronologisch gesehen etwa von 1600 oder 1550 v. Chr. bis 1300 v. Chr. Wegen der charakteristischen Hügelgräber spricht man auch von „Hügelgräberkultur“. Eines der am besten erhaltenen Hügelgräber in Nordhessen befindet sich in Schwalmstadt im OT Wiera.

Zum Schluss muss noch auf zwei herausragende Funde aus der Bronzezeit hingewiesen werden.

  • Im Tal der Unstrut in Sachsen-Anhalt wurde in 2007 die berühmte Himmelsscheibe von Nebra gefunden. Sie ist ca. 4000 Jahre alt und wird als astronomisches Phänomen bezeichnet. Sie gehört seit Juni 2013 zum UNESCO Weltdokumentenerbe in Deutschland.
  • Schon 1902 wurde im dänischen Solvognen der „Sonnenwagen von Trundholm“ (um 1400 v. Chr.) gefunden. Er befindet sich im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen und ist ein Beleg für die großartigen handwerklichen Fähigkeiten der Menschen in der Bronzezeit.

Text und Editor: B. Schaeffer, Januar 2024

Quellen:

 

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Kurzbeschreibung

Die Zeit aus der es für die betrachtete Region noch keine schriftlichen Überlieferungen gibt, wird von den Historikern als Prähistorik oder Vorgeschichte bezeichnet. Allerdings sind aus dieser Zeit auch Zeugnisse in anderer Form vorhanden und werden durch Zufall oder gezielter Forschung, meist Grabungen, gefunden. Im Kasseler Becken östlich der Fulda wurden bisher keine umfangreichen Untersuchungen zur Vorgeschichte unternommen, allerdings gibt es Zufallsfunde, die beweisen, dass schon in der Bronzezeit (von 2200 bis 800 v. Chr.) Menschen in diesem Gebiet gesiedelt haben müssen. Ein Museumsstück in der Sammlung des Hessen Kassel Heritage im Schloss Wilhelmshöhe kann als als Beweis für diese Mutmaßung dienen.

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