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Die Schuhmacher Wills

Leipziger Strasse 140 in 1935

Schumacherwerkstatt von Peter Will in der Leipziger Str. 140, 1935
Foto: Karl Wills, Kassel

Die Anfertigung und Reparatur von Schuhen war lange Zeit der Broterwerb von handwerklich gut ausgebildeten Schuhmachern mit einem eigenen kleinen Geschäft in Kundennähe. In Bettenhausen fertigten und reparierten zwei Generationen der Familie Wills Schuhe in ihren Werkstätten. Als Peter Wills, der Vater, wie so viele seiner Generation, aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückkam, begann sein fünfzehnjähriger Sohn Karl 1947 eine Lehre zum Schuhmacher. Ab 1950 hat er an verschiedenen Stellen im Ortskern von Bettenhausen seine Werkstatt betrieben. 1974 schloss Karl Wills sein Geschäft.
Der Schuhmacher Peter Wills (* 13. 6. 1908) zog 1932 von Bischhausen, Kreis Eschwege, nach Kassel-Bettenhausen. Die Familie, seine Ehefrau und drei Kinder, holte er wenig später nach. Er führte bis 1933 in der Burgstraße 8 im Hinterhof der Bäckerei Hermann Schwabe eine Schuhmacherwerkstatt mit Annahmestelle des Schuhmachers Gerhard Schröter aus der Weserstr. 27 ½.

Schuhmacher Peter Wills, 1934
Schuhmacher Peter Wills, 1934  Foto: Karl Wills, Kassel

1933 eröffnete er seine eigene Schuhmacherei mit Maßgeschäft in der Leipziger Str. 140. Auf dem Grundstück befindet sich heute das Autohaus Hessenkassel. Die Meisterprüfung für das Schuhmacherhandwerk legte er 1934 ab. Damit war er auch berechtigt, Lehrlinge auszubilden.
Seine handwerklich gute Arbeit zog viele Kunden an. Um die Reparaturarbeiten und die Neuanfertigung von Maßschuhen bewältigen zu können, musste ein Geselle eingestellt werden.

 

Peter Wills wurde 1939 gleich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zum Kriegsdienst eingezogen. Die Schuhmacherwerkstatt musste geschlossen werden. Alle vorhandenen Maschinen wurden von der Schuhmacherinnung abgebaut und an anderer Stelle wieder neu installiert. Schuhreparaturen wurden ab sofort für alle an einer zentralen Stelle von Fremdarbeitern durchgeführt.
Bei einem Fliegerangriff auf Kassel am 3. Oktober 1943 wurde das Haus Leipziger 140 mitsamt der Schuhwerkstatt total zerstört, als eine Bombe in die Einfahrt der benachbarten Eisen- und Metallgroßhandlung Röttger & Co. in der  Leipziger Str. 144 fiel.
Peter Wills wurde im August 1944 als vermisst gemeldet. Er kehrte, wie so viele seiner Generation, aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zurück.

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Karl Wills (geb. 1932), Sohn des Peter Wills, begann 1947 als fünfzehnjähriger eine dreijährige Lehre als Schuhmacher und machte sich zum 1. Juli 1950 in Kassel-Bettenhausen im Hinterhof des Hauses Dormannweg 3 selbständig. Als die Werkstatt zu klein wurde, mietete er größere Geschäftsräume in der ehemaligen Bäckerei Schwabe in der Burgstraße 8 an.

Karl Wills an einer Maschine in seiner Werkstatt, 1955
Karl Wills in seiner Werkstatt, 1955  Foto: Karl Wills, Kassel

Kurz vor dem 25jährigen Geschäftsjubiläum, am 30. Juni 1974, schloss Karl Wills seine Werkstatt als Schuhmacher in der zweiten Generation.

Laden von Karl Wills in der Burgstrasse 8
Laden von Karl Wills in der Burgstrasse 8  Foto: Karl Wills, Kassel

Text: Karl Wills, November 2008

Fotos: Karl Wills

Editor: Bernd Schaeffer, September 2013

Kurzbeschreibung

Die Anfertigung und Reparatur von Schuhen war lange Zeit der Broterwerb von handwerklich gut ausgebildeten Schuhmachern mit einem eigenen kleinen Geschäft in Kundennähe. In Bettenhausen fertigten und reparierten zwei Generationen der Familie Wills Schuhe in ihren Werkstätten. Als Peter Wills, der Vater, wie so viele seiner Generation, aus dem Zweiten Weltkrieg nicht zurückkam, begann sein fünfzehnjähriger Sohn Karl 1947 eine Lehre zum Schuhmacher. Ab 1950 hat er an verschiedenen Stellen im Ortskern von Bettenhausen seine Werkstatt betrieben. 1974 schloss Karl Wills sein Geschäft.

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