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Das Sigurd-Werksgelände im Wandel der Zeit

Katalog Sigurd 1939,

Katalog Sigurd 1939
Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.

Die 1919 gegründete Firma Sigurd hat mit dem Versandhandel und noch mehr mit Fahrrädern 50 Jahre lang Erfolg gehabt und den Namen der Stadt Kassel in ganz Deutschland bekannt gemacht.
Nach dem Firmenende wurde ab 1980 das Gelände an der Leipziger Straße 124- 136 für großflächigen Einzelhandel und zur Nahversorgung von Bettenhausen nutzbar gemacht. Der folgende Beitrag ist ein Versuch die Flächennutzung einst und jetzt in Bildern darzustellen.

Sigurd Briefkopf 1943
Sigurd Briefkopf 1943  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.

Die Firma Sigurd Gesellschaft mbH wurde 1919 von dem Kaufmann Kurt Maybaum als Versandhaus gegründet. Noch vor 1926 wurde mit der Fabrikation eigener Fahrräder begonnen und ein Verkaufsstellennetz aufgebaut.
Neben den Ladengeschäften in Kassel Wilhelmstraße 13 und in Bettenhausen in der Leipziger Straße 136 betrieb Sigurd im Jahr 1937 Filialen in weiteren neun deutschen Großstädten. Hauptumsatzträger waren Fahrräder und Fahrradzubehör. Auch ein umfangreiches Sortiment an Haushaltungs- Sport- und Gebrauchsartikel aller Art wurde im über 60 seitigen Katalog angeboten. 1932 übernahm Sigurd den umsatzstärkeren Mitbewerber Stukenbrok in Einbeck und belieferte danach auch dessen Versandkunden.
Kurt Maybaum verstarb am 17. März 1936. Seine Geschäftsanteile erbten seine Ehefrau Susanne Martel und seine Tochter aus 1. Ehe, Frau Käte Chusit. Beide verkauften mit Kaufvertrag vom 7. November 1936 ihre Anteile an Willy Tischbein in Hannover (bis 1934 Generaldirektor der Continental-Werke, Hannover) „zum Zwecke der Auflösung der ungeteilten Erbengemeinschaft“.
Auch der Mitinhaber und Geschäftsführer Fritz Wallstab verkaufte 1937 seine Anteile an Willy Tischbein. Der übereignete Teile der Firma an seinen Schwiegersohn Wilhelm Erdmann. Das Unternehmen wurde in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Komplementär war Erdmann, Kommanditist Tischbein. Später hieß die Firmierung „Sigurd KG, Otto Wilhelm Erdmann“ in Kassel.

Blick über das Firmengelände vom Turm der Marienkirche, 1971
Blick über das Firmengelände 1971  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.

Beim großen Bombenangriff auf Kassel im Oktober 1943 wurden auch die Sigurd-Werke teilweise zerstört. Produktion und Versand liefen jedoch eingeschränkt weiter.
Nach Ende des Krieges wurde Willy Erdmann enteignet und die Erben des Kurt Maybaum übernahmen wieder die Geschäftsführung. Die Beseitigung der Kriegsschäden kostete hohe Investitionen und kam nur langsam voran.
Anstelle von Fahrrädern wurden zunächst „Krücken“ (heute Gehhilfen) produziert. Aufgrund der vielen „Kriegsversehrten“ war der Bedarf entsprechend groß.
Die im Jahre 1952 und 1954 herausgebrachten Kataloge waren wesentlich dünner als die Vorkriegskataloge. z.B. 1952: 16 Seiten, Fahrräder, Zubehör/Ersatzteile und Nähmaschinen; 1954: 16 Seiten, Fahrräder, Fahrradzubehör und-ersatzteile. Dazu ein „Deutschland - Moped“ für 557 DM

Sigurdgelände mit Parkplatz und Einkaufzentrum 1999
Sigurdgelände mit Parkplatz und Einkaufzentrum 1999  Foto: Bernd Schaeffer, Kassel

Der alte Erfolg aber sollte sich nicht wieder einstellen und nach einer längeren Phase des „Gesundschrumpfens“ hat Sigurd 1970 aufgehört zu existieren.
Ab 1980 wurde auf dem Areal mit den Firmen HAWEGE (heute: tegut), Praktiker und anderen großflächiger Einzelhandel angesiedelt.

Nahversorgung mit Parplatz auf dem ehemaligen Sigurdareal, 2012
Nahversorgung auf dem ehemaligen Sigurdareal, 2012  Foto: Bernd Schaeffer, Kassel

Editor: Bernd Schaeffer, Oktober 2014

Quellennachweis:

W. Euhus u. H. Dlugos, „Chronik der Sigurd GmbH in Kassel-Bettenhausen“,

Industriestandort Bettenhausen Bd.2 , Hrsg. Stadtteilzentrum Agathof e.V., 2011 (s. unten)

Fotos: Bettenhausenarchiv Agathof

 

Kurzbeschreibung

Die 1919 gegründete Firma Sigurd hat mit dem Versandhandel und noch mehr mit Fahrrädern 50 Jahre lang Erfolg gehabt und den Namen der Stadt Kassel in ganz Deutschland bekannt gemacht. Nach dem Firmenende wurde ab 1980 das Gelände an der Leipziger Straße 124- 136 für großflächigen Einzelhandel und zur Nahversorgung von Bettenhausen nutzbar gemacht. Der folgende Beitrag ist ein Versuch die Flächennutzung einst und jetzt in Bildern darzustellen.

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