Hessen
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Chronik der Seniorenwohnanlage Lindenberg

AK Heilstaette Lindenberg, 1900

Zwei Haeuser der Heilstaette auf dem Lindenberg, 1900
Foto: K.-P. Wieddekind, Kassel

Die Anlage am Faustmühlenweg 31 auf dem Lindenberg hat eine lange und wechselvolle Geschichte, in der sich Zweckbestimmung und Nutzung mehrfach geändert haben, allen gemeinsam ist das Ziel, Kranken- und Altenfürsorge.
Schon 1866 gründete sich in Kassel ein Zweigverein der „Victoria-National-Invaliden-Stiftung“ mit dem Ziel, die Fürsorge der durch Kriegseinwirkung verarmten Menschen zu verbessern.
Ein „Komitee für Krüppelfürsorge im Reg. Bez. Cassel“ wurde bereits 1909 ins Leben gerufen, und schon vor dem 1. Weltkrieg kam es zur Gründung der „Stiftung Heilstätte Lindenberg“. Aber erst 1915 wurde auf dem Lindenberg mit dem Bau eines Erholungsheimes begonnen, der aber wegen der Kriegswirren nicht fertig gestellt werden konnte.

Die Reichswehr erwarb 1916 die unvollendete Anlage und baute sie als orthopädisches Militärlazarett aus.
Nach dem 1. Weltkrieg, 1919, übernahm das Land Hessen mit dem Landeshauptmann Reinhard von Gehren die Krankenanstalt und wandelte sie unter dem Namen „Heilstätte Lindenberg“ zum orthopädischen Krankenhaus um. Wegen der Belegung mit vielen Kriegsversehrten wurde das Haus im Volksmund auch "Krüppelheim" genannt. Der renommierte Orthopäde Adolf Alsberg (1869-1933) war in der Zeit von 1921 bis 1933 ärztlicher Leiter des Krankenhauses.

Luftbild der Heilstaette Lindenberg in 1930
Luftbild der Heilstaette Lindenberg in 1930  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Wegen zurückgehender Patientenzahlen wurde 1934 aus der Heilstätte ein „Wohlfahrtsheim für alte Leute“. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen war, nach der Schließung des Wohlfahrtsheims in der Luisenstraße 2, auf den Lindenberg verlegt worden. Die offizielle Bezeichnung lautete damals „Siechen und Pflegeanstalt". Das Heim war in eine Männer- und in eine Frauenabteilung gegliedert und bot Platz für 200 Bewohner. Zur Anlage gehörten 15 Äcker Land (davon 2 Acker Wald), die unter Mithilfe der Heimbewohner bearbeitet wurden. Das Heim leitete in dieser Zeit Dr. Harrfeldt.

Reserve-Lazarett mit Luftschutzsirene und Kreuz auf dem Dach, 1940
Reserve-Lazarett mit Luftschutzsirene und Kreuz auf dem Dach, 1940  Foto: Stadtteilzentrum Agathof e.V.

Mit der Fertigstellung der Reichsautobahn, 1936, in der Nähe zur Anlage am Lindenberg, war die fußläufige Verbindung über den Faustmühlenweg nach Ochshausen nicht mehr zu nutzen.
1939, übernahm die Deutsche Wehrmacht das Heim am Lindenberg und richtete dort das "Reservelazarett Nr. 7" ein.

Unterhaltungsprogramm im Reservelazarett Nr. 7
Unterhaltungsprogramm im Reservelazarett Nr. 7  Foto: Fieseler Zeitung, Ausgabe: August 1941

Nach Kriegsende, im Mai 1945, nutzten die amerikanischen Streitkräfte das Haus als Militärhospital. Schon am 9. Februar 1946 gaben die Amerikaner die Anlage an die Stadt Kassel zurück.
Noch im Jahre 1946 richtete die Stadt Kassel, wegen des akuten Mangels an Krankenbetten, auf dem Lindenberg eine Medizinische Abteilung des Stadtkrankenhauses mit fünf Stationen ein. Dadurch konnten die  Hilfskrankenhäusern VI und VII, die während der Kriegszeit in Witzenhausen eingerichtet worden waren, geschlossen werden. Die ärztliche Leitung der Inneren Abteilung lag in dieser Zeit in den Händen von Prof. Dr. Erich Toenissen und Dr. Charlotte Hülße. Schon in 1946 konnten in der Abteilung auf dem Lindenberg 695 Männer, 881 Frauen und 201 Kinder behandelt werden.
In 1947 wurden die Infektions- und Tuberkulosekranken des Behelfskrankenhauses Wilhelmshöhe aus dem Generalkommando auf den Lindenberg verlegt, und im Januar 1956 folgte die Innere Abteilung mit 136 Betten.
Ein „Kranken und Pflegeheim für Alte“ mit 100 Plätzen wurde am 1. Juli 1956 in den Gebäuden am Faustmühlenweg eröffnet. Die Infektions- und Tbc-Abteilung blieben jedoch noch bis zum April 1963 im Haus, bevor auch diese Station aufgelöst und nach Oberkaufugen bzw. auf den Meißner verlegt werden konnten. Von diesem Zeitpunkt an gab es in Kassel östlich der Fulda kein städtisches Krankenhaus mehr.
Der Bau der Häuser am Eschenstruther Weg 1-7 erfolgte 1971/72.
Im August 1968, stellte man die alten Wirtschaftsgebäude des Altenheims am Lindenberg, Faustmühlenweg 31, der Freiwilligen Feuerwehr Kassel Bettenhausen/Forstfeld zur Verfügung. Damit ging eine 23jährige Suche nach einer geeigneten Unterkunft zu Ende.
Vier Jahre später, im Herbst 1972, zog der DRK Ortsverein Bettenhausen/Waldau in das gleiche Gebäude und richtete sich dort sein Vereinsheim ein
Am 25. August 1981 feierte das Altenheim Lindenberg sein 25jähriges Bestehen (Erstbelegung: 21.08.1956).
Die inzwischen umgebaute Glasveranda über 3 Etagen des Hauptgebäudes wurde am 11.11.1983 seiner Bestimmung übergeben.

Hauptgebaeude der SWA Lindenberg im Jahr 2009
Hauptgebaeude der SWA Lindenberg im Jahr 2009  Foto: Bernd Schaeffer, Kassel

 

Mit Wirkung zum 1. Januar 1995 wurde aus dem Altenheim Lindenberg die Seniorenwohnanlage. Die Heime am Lindenberg und am Fasanenhof in Wolfsanger werden als „Altenzentrum Kassel GmbH“ vom Klinikum Kassel übernommen.
Das Richtfest für den Anbau an das Pflegehaus konnte nach fünf Monaten Bauzeit am 14.04.1996 gefeiert werden.

 

Heute, 2009, gehören die Seniorenwohnanlagen Lindenberg und Fasanenhof mit zusammen 186 Pflegeplätzen und 424 betreuten Wohnungen zur der in 2002 gegründeten „Gesundheit Nordhessen Holding AG“ (GNH AG)

 

Editor: Bernd Schaeffer

 

 Quellenverzeichnis:

  • Aufzeichnungen von H. Knoke, Kassel, 2008
  • 200 Jahre Charité – Städt. Kliniken Kassel, Hrsg. Betriebsleitung Städt. Kliniken Kassel, 1985
  • Wikipedia.org, kassslexikon.hna.del

Kurzbeschreibung

Die Anlage am Faustmühlenweg 31 auf dem Lindenberg hat eine lange und wechselvolle Geschichte, in der sich Zweckbestimmung und Nutzung mehrfach geändert haben, allen gemeinsam ist das Ziel, Kranken- und Altenfürsorge.

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