Logo von Erinnerungen im Netz

Ingeborg Bechstedt berichtet im Jahr 2000 von ihrer Reise nach Tschernobyl

Ingeborg Bechstedt, Foto Bernd Schaeffer, 2012

Frau Ingeborg Bechstedt, Damenschneidermeisterin, wohnhaft im Unteren Käseweg, besuchte im Jahr 1998 mit einer Gruppe von Experten der evangelischen Kirche Tschernobyl, wo vor 12 Jahren die Reaktorkatastrophe geschehen war. Sie besichtigten bei Minsk ein Arreal, in dem sie mit Handwerkern der Organisation 'Handwerk und Kirche' ein Erholungsheim für strahlengeschädigte Kinder errichteten. Vor den Mitgliedern der Siedlergemeinschaft Forstfeld hielt sie im Jahr 2000 einen Diavortrag von dieser Reise und Falk Urlen vom Freien Radio Kassel erstellte daraus eine Radiosendung, die im Frühjahr 2000 ausgestrahlt wurde.

Diese Sendung soll hier wiedergegeben werden, jedoch in einem erweiterten Umfang.

 

Im Frühjahr 2000 lud die Siedlergemeinschaft Forstfeld Frau Ingeborg Bechstedt ein, um von ihren Erfahrungen in der Ukraine und vor allem Tschernobyl in Form eines Diavortrags zu berichten.
Am 26.04.1986 explodierte in Tschernobyl der Atomreaktor und veränderte die Welt.
Der Vortrag dauerte 2 ½ Stunden. Daraus schnitt der Autor für das Radio Forstfeld im Freien Radio Kassel eine Sendung von ca. 25 Minuten und trug hier die wesentlichen Aussagen Ingeborg Bechstedts zusammen.

 

Tschernobyl Reaktor-Sarkophag, 2006
Tschernobyl Reaktor-Sarkophag, 2006  Foto: Arne Müseler, https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Tschernobyl

Zunächst stellte sich Ingeborg Bechstedt vor.

Frau Bechstedt zog 1959 nach Kassel und später zu ihrer Mutter, die 1958 das Haus im Unteren Käseweg gekauft hatte. Später lebte sie hier mit ihrem Mann. Von Beruf ist sie Damenschneidermeisterin und betrieb auf dem Lindenberg ihren Betrieb, der inzwischen auch Ausbildungsbetrieb geworden war. Heute (2022) lebt sie in Lohfelden.
Sie wurde im Rahmen ihres Berufs vom Vizepräsidenten der Handwerkskammer, Orgelbauer Werner Bosch, angesprochen, ob sie nicht in der christlichen Organisation „Handwerk und Kirche“ mitarbeiten wolle. Das machte sie auch und wurde 1984 Vorsitzende dieser Organisation in Kurhessen/Waldeck und war auf diese Weise auch im Vorstand der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland). So traf sie aus der „Männerarbeit Braunschweig“ Paul Koch, der eine Tschernobyl-Initiative ins Leben gerufen hatte; diese wollte ein Areal bei Minsk kaufen, um hier strahlengeschädigte Kinder helfen zu können. Zur Besichtigung nahm diese Organisation Ingeborg Bechstedt mit.

Tschernobyl_Kinder_13_W.jpg
Nach der Katastrophe verlassenes Kinderzimmer (Fotomappe die "Kinder von Tschernobyl" des Fotografen Anatol Kljashtchuk Hrsg. Paul Koch und Manfred Kwiran), Bearbeiter Bernd Schaeffer

Das Areal hatte 12 ha und auf ihm standen mehrere Wohnhäuser für Studenten. Alles war in einem sehr desolaten Zustand. Die Gruppe kaufte das Terrain, die Handwerkerinitiative der evangelischen Kirche half dabei, die Häuser zu renovieren und zu erweitern. Finanzielle Hilfe gab es von einigen Bundesländern. Inzwischen (2000) gibt es hier Platz für 190 Kinder aus der Umgebung von Tschernobyl, die sich hier erholen können. Es gibt Klassenräume und Lehrer, die von Professoren aus Minsk unterstützt werden, es gibt Ärzte und Krankenschwestern. Medikamente werden in Deutschland gesammelt und Handwerker aus Deutschland kommen turnusmäßig, um die Häuser instant zu halten. Gebaut werden soll noch eine Turnhalle und ein Schwimmbecken, weil die Kinder aus dieser Gegend wegen der Naturbelastung nicht in den verseuchten Flüssen schwimmen dürfen.

Spielpark_bei_Tschernobyl.png
Spielpark bei Tschernobyl, seit 1985 still gelegt; Foto: https://www.irishpost.com/news/tourists-rushing-chernobyl-nuclear-site-following-success-hbo-series-167799

1988 fuhr Frau Bechstedt mit einer Gruppe von Experten aus der evangelischen Kirche dort nach Weißrussland und der Ukraine, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Sie wollten sich über die Folgen der Katastrophe an verstrahlten Orten und bei Gesprächen mit betroffenen Menschen informieren, um einen unverfälschten Eindruck von der dortigen Situation zu erhalten.
Frau Bechstedt berichtete dann von den vielen Problemen, besonders gesundheitlicher Art, der betroffenen Personen und von den Fahrten und Erfahrungen rund um Tschernobyl und den Reaktor.  
Aber hören Sie selbst!

Text und Audio: Falk Urlen, Juni 2022

Tschernobyl_Nadeshda_AK_02_W.jpg
Kindererholungsheim Nadeshda (2010er Jahre), Postkarte, Bearbeiter: Bernd Schaeffer  Foto: Bernd Schaeffer

Wo spielt dieser Beitrag?

Kurzbeschreibung

Frau Ingeborg Bechstedt, Damenschneidermeisterin, wohnhaft im Unteren Käseweg, besuchte im Jahr 1998 mit einer Gruppe von Experten der evangelischen Kirche Tschernobyl, wo vor 12 Jahren die Reaktorkatastrophe geschah. Sie besichtigten bei Minsk ein Arreal, in dem sie mit Handwerkern der Organisation 'Handwerk und Kirche' ein Erholungsheim für strahlengeschädigte Kinder errichten wollte. Vor den Mitgliedern der Siedlergemeinschaft Forstfeld hielt sie im Jahr 2000 einen Diavortrag von dieser Reise und Falk Urlen vom Freien Radio Kassel erstellte daraus eine Radiosendung, die im Frühjahr 2000 ausgestrahlt wurde.
Diese Sendung soll hier wiedergegeben werden, jedoch in einem etwas erweiterten Umfang.

© Copyright 2018-2022 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration