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Bäckerei Wilhelm Klemme - das „Knusperhäuschen“ in der Eichwaldstraße 45.
- Autor: Bernd Schaeffer
- Zeit: 1920
- Ort: Eichwaldstraße
- Vom: 31.10.2026
- Themen: Firmen- und Industriegeschichte, Handel und Dienstleistungen
Werbung der Bäckerei Wilhelm Klemme in 1956
Foto: Eine Chronik 1956, Kurt Klehm
Nach dem Zweiten Weltkrieg normalisierte sich nur allmählich die Versorgung der Bevölkerung mit den Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. Im Stadtteil Bettenhausen gab es zu der Zeit etwa zehn eigentümergeführte Bäckereien. Wilhelm Klemme mit seinem kleinen aber gut geführten Geschäft in der Eichwaldstraße 45 war einer unter ihnen. Er erwarb die Bäckerei Anfang der 1920 er Jahre und übergab seine Firma Anfang der 1960 er Jahre nach dem Tod seines Sohnes Kurt, der ebenfalls als Bäcker im Betrieb tätig war, an den Bäckermeister Textor aus Niederzwehren. Dieser schloss schon in 1967 die Bäckerei und läutete damit als einer der ersten das Sterben der Familienbetriebe in Bettenhausen ein.
Mit der Eingemeindung des Dorfes Bettenhausen in 1906 wurden die Investitionen in dem neuen Kasseler Stadtteil für viele Unternehmer interessant. Der Bäckermeister Jacob Katzwinkel aus dem Philosophenweg 138, der seine Bäckerei in der Wilhelmshöher Allee 54 betrieb, erhoffte sich durch den Bau einer Bäckerei mit dahinterliegenden Backhaus in der Eichwaldstraße 45 eine Umsatzsteigerung und eröffnete in dem Haus eine Filiale. Das kleine Geschäft befand sich in einem Mehrfamilienhaus und zum Betreten des Ladens mussten ein paar Stufen überwunden werden.
Aus dem Kasseler Adressbuch von 1920 ist zu entnehmen, dass Jacob Katzwinkel, wahrscheinlich aus Altersgründen, die Bäckerei an den Bäckermeister Wilhelm Klemme (*1889 - +1972), ursprünglich aus Heiligenrode und dessen Frau Gertrud geb. Meystädt (*1899 - +1964) aus Treysa verkauft hat.
Die Familie Wilhelm Klemme wohnte im Haus Eichwaldstraße 45 und ihre Tochter Wiltrud lernte im väterlichen Betrieb den Beruf einer Fachverkäuferin. Die Ware der kleinen Bäckerei war sehr beliebt und der Kundenkreis wohnte, wie in dieser Zeit üblich, in fußläufiger Entfernung zum Geschäft.
Wie viele Bettenhäuser Firmeninhaber beteiligte sich der Bäckermeister Wilhelm Klemme mit einem Motivwagen am Umzug zur 800 Jahrfeier von Bettenhausen. Das gewählte Motiv, ein „Knusperhäuschen“, hatte einen naheliegenden Bezug zur Ladengröße.
Als in 1964 seine Frau Gertrud starb, fand der 74jährige Bäckermeister Klemme keinen familiären Nachfolger für seinen Betrieb und verkaufte die Bäckerei an den Kollegen Heinrich Textor aus Niederzwehren. Dieser eröffnete in 1966 in der Korbacher Straße 23/ Ecke Brüder-Grimm-Straße ein neues Geschäft und schloss aus wirtschaftlichen Gründen in 1967 den Laden in der Eichwalstraße 45. Damit schloss nach 60 Jahren ein familiengeführtes Fachgeschäft, dessen Kundenstamm im nahen Einzugsbereich wohnte, seine Tore.
Tochter Wiltrud Klemme arbeitete viele Jahre als Fachverkäuferin für die Bäckerei und Konditorei Konrad Griesel in der Leipziger Straße 171.
Epilog
Das Ende der Bäckerei Wilhelm Klemme/Textor war der Anfang einer langen Kette von Bäckerei-Schließungen in Bettenhausen.
Persönlich geführte Bäckereien in Bettenhausen nach 1945:
- Ahrens L. Brot- u. Feinbäckerei, Osterholzstr. 17
- Griesel K. Bäcker u. Konditor, Leipziger Str. 171
- Holzapfel F. Bäcker, Agathofstr.32
- Klemme H. Bäcker, Umbachsweg 71
- Klemme W. Bäcker, Eichwaldstr. 45
- Möller U. Bäcker, Sensensteinstr. 1
- Riede C. Bäcker u. Konditor, Leipziger Straße 189
- Schubbert Bäcker, Sanderhäuser Str. 116 b
- Schwabe H. Brot u. Feinbäcker, Burgstr. 8
- Vogt G. Bäckerei u. Konditor, Leipziger Str. 189
Von den zehn hier aufgelisteten Bäckereien, die nach 1945 in Bettenhausen eine flächendeckende, kundennahe Versorgung sicherstellten, existiert heute nur noch das Geschäft von C. Riede als Filiale in der Leipziger Straße 189. Die Versorgung mit Backwaren übernahmen verschiedene Brotfabriken aus der gesamten Region in den Filialen der neuen Supermärkte und Discounter im Stadtteil.
Damit endete nicht nur in Bettenhausen die lange Tradition eines Handwerks, das frische Backwaren und kundenfreundliche Bedienung geboten hat.
Text und Editor: B. Schaeffer, Oktober 2026
Quellen:
- Verschiedene Ausgaben des Adressbuchs von Kassel.
- Persönliche Berichte der Enkel von Wilhelm Klemme
- Auflistung von Fachgeschäften in Bettenhausen der Gruppe „Bettenhausen früher und heute“.
Wo spielt dieser Beitrag?
Kurzbeschreibung
Nach dem Zweiten Weltkrieg normalisierte sich nur allmählich die Versorgung der Bevölkerung mit den Lebensmitteln des täglichen Bedarfs. Im Stadtteil Bettenhausen gab es zu der Zeit etwa zehn eigentümergeführte Bäckereien. Wilhelm Klemme mit seinem kleinen aber gut geführten Geschäft in der Eichwaldstraße 45 war einer unter ihnen. Er erwarb die Bäckerei Anfang der 1920 er Jahre und übergab seine Firma Anfang der 1960 er Jahre nach dem Tod seines Sohnes Kurt, der ebenfalls als Bäcker im Betrieb tätig war, an den Bäckermeister Textor aus Niederzwehren. Dieser schloss schon in 1967 die Bäckerei und läutete damit als einer der ersten das Sterben der Familienbetriebe in Bettenhausen ein.
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