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Theater des Osten

Ansichtskarte von 1925, Horst Knoke

Das Theater des Osten, kurz "T.d.O." genannt, war nach dem zweiten Weltkrieg ein beliebter Ort kultureller Veranstaltungen in Bettenhausen, an den sich viele Menschen auch über Kassel hinaus mit besonderer Freude erinnern.

In der Leipziger Straße. 207 - 209 befanden sich im letzten Jahrhundert wechselnd verschiedene Gastbetriebe. Anfang des 20. Jahrhundert war dies das Restaurant Belz, ab 1930 zog die Gaststätte Osterberg ein und nach dem Krieg (1945 bis 1970) befand sich hier das über Kassel hinaus bekannte Theater des Ostens - T.d.O.

Ansichtkarte von Restaurant Belz, Leipziger Straße 205-209
Auf einem Auschnitt einer historischen Ansichtskarte ist das Restaurant Belz dargestellt.
(Archiv Bettenhausen früher und heute)

Das kulturelle Leben in Bettenhausen hatte nach 1945 im Theater des Ostens, dem " T.d.O.", einen geeigneten Platz gefunden. Eingerichtet wurde es im Saal der ehemaligen Gaststätte Belz. Der große Saal zog sich entlang der Burgstraße bis zur Dorfstraße (heute Erfurter Straße), wo sich später das Möbelhaus Salomon befand. Das T.d.O. war zu dieser Zeit nicht nur für Bettenhausen, sondern für ganz Kassel eine Begegnungsstätte, denn es gab durch die Zerstörung der Stadt nur wenige Räume, wo Veranstaltungen im größeren Rahmen durchgeführt werden konnten. Wir bekamen wieder das Gefühl zu leben nach den schrecklichen Kriegsjahren und nahmen froh an den Veranstaltungen teil, die uns hier geboten wurden: Klassische und Unterhaltungsmusik, Tanzabende, Maskenbälle; das traditionelle Vereinsleben kam wieder in Gang. So nutzte auch das Kasseler Staatstheater, das zerbombt war, die Möglichkeiten und vermittelte hier Kassels Bürgern lange vermisste schöne Aufführungen, die mit vollem Herzen genossen wurden.

Saal des Theaters des Osten,1945
Der große Saal des T.d.O. mit Bühne  (Archiv: H. Schagrün)

Von den vielen kulturellen Veranstaltungen nach 1945, durch die das T.d.O. stadtweite Berühmtheit erlangte, sind hier nur einige gennannt:

  • 28./29.09.1946 gastiert der spätere "Papa Hesselbach" Wolf Schmidt mit seiner Kleinkunstbühne "Herz As" in einer politischen Satire
  • Am 12.10.1946 ein zeitgeschichtliches Kabarett stellt sich vor
  • Am 15.10.1946 ein Balettabend
  • Am 02.11.1946 eine Märchenvorstellung
  • 09./10.11.1946 das Kabarett zu Zweien "Ich kann nicht ohne Liebe sein"
  • Am 19.11.1946 Negro Spirituals
  • Am 06.03.1947 gastiert das Staatstheater mit "Spuren im Schnee" von Josef Nowak
  • Am 11.03.1947 singt der damalige Schlagerstar Nummer 1, Rudi Schuricke

Am 1. Juli 1948 gründete sich der Musik- und Theaterverein Kassel Bettenhausen. 24 musikbegeisterte Männer und auch Frauen zählten zu den Gründern des Vereins. Sie wählten das Eichwald-Restaurant zum Vereinslokal, das sich aber ab 1951 im T.d.O. in der Leipziger Straße befand. Schnell stieg die Zahl der Mitglieder auf 50 und zeitweise sogar auf 60 an. Hauptträger des Vereins waren stets die aktiven Musiker. Unter der Leitung von Otto Weißing bildete sich eine Musikabteilung, die immer wieder gern gehört wurde. Sie pflegt vornehmlich Unterhaltungs-, Volks- und auch Tanzmusik. Das Theaterspiel konnte wegen fehlender Mittel stets nur am Rande betrieben werden. Den Vorsitz des Vereins führt Heinz Löser. Dem Vereinsvorstand gehörten ferner folgende Mitglieder; Otto Weißing, Erich Kanitz, Heinz Meybert, Wolfgang Adorjan, Werner Koch und Heinz Frisch an.

Nach mehrjähriger Pause fand am 21.03.1953 im T.d.O. erstmals wieder eine vom Verwaltungsausschuss einberufene Bürgerversammlung statt.
Zum T.d.O. gehörte auch eine beliebte Speisegaststätte, in der der Betreiber des Hauses Heinz Happe jeden Mittwoch ein Schlachtefest anbot.

In den 60-ziger Jahren nahm in dem Gebäude Klaus Richter die Tenne in Betrieb. Der Veranstalter setzte völlig neue Maßstäbe. In der Tenne traten englische und deutsche Spitzenbands wie die Rattels, die Fleets, die Sorceres, Georgie Dee and the Beat Kings, die Sonics und viele andere auf und begeisterten die Jugend mit Rock and Roll und Beat-Musik.

In den 70-ziger Jahren diente der Saal lange Zeit als Lager für ein Möbelhaus. 1976 wurde schließlich das Gebäude für den Neubau des Möbelgeschäfts Salomon abgerissen.

   Leipziger Platz 1955 mit Blick in die Leipziger Straße Richtung Innnenstadt
Das Foto vom Leipziger Platz zeigt den Blick in die Stadt. Auf der rechten Straßenseite, hinter dem Kiosk steht das Gebäude des T.d.O., Leipziger Straße 207-209. (Foto: Bartel, Kassel 1955)

Editor: Erhard Schaeffer, 2009

Quellen:

  • Erinnerungen von Wilgard Schiller
  • Festzeitung 850 Jahre Bettenhausen
  • Chronik anläßlich des 50. Jahrestage der Eingemeindung Bettenhausens, Kurt Klehm 1956

 

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Rudi Schuricke: Zarte Töne in rauhen Zeiten
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