Hessen
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Bettenhausen im Dreißigjährigen Krieg

Der geharnischte Reiter von Hans Ulrich Franck, 1643

Der geharnischte Reiter von Hans Ulrich Franck, 1643
Foto: @Falk Urlen

Bettenhausen wird 1647, kurz vor dem westphälischen Frieden, von den Truppen des Generals "Melander", geplündert und gebrandschatzt. Dieser General war bis 1640 Führer des hessischen Heeres und wurde durch die Landgräfin Amalie-Elisabeth wegen des Verdachtes der Untreue entlassen. Danach schloss er sich den kaiserlichen Truppen an und verwüstete aus Rache gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges das Werratal und Bettenhausen.

1643 begannen in Osnabrück die Friedensverhandlungen zwischen Schweden und Hessen-Cassel, während im folgenden Jahr die Unterhandlungen mit Frankreich in Münster eröffnet wurden. Es dauerte aber bis zum Friedensschluss noch 5 Jahre, in denen der Krieg im Westen Deutschlands weiterging und immer grausamer wurde. Die Truppen mussten sich selber ernähren, so fielen sie wie die Heuschrecken über das Land her. Wenn sie in einer Gegend die Lebensmittel aufgezehrt hatten, so zogen sie in eine andere; und auf diese Art sogen sie das ganze Land gewaltig aus. Die Soldaten verrohten, die Offiziere waren eigentlich nur noch Räuberhauptleute, die mit ihren Räuberbanden raubten, plünderten und brandschatzten. In einem Grebensteiner Kirchenbuch findet man z. B. den Eintrag von Todesgründen:

„2 alte Männer so vom Feinde jämmerlich geteert und verbrühet“

„Martin, ein Knecht von Walershausen, so vom Feinde im Backofen gebraten“

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(Bild rechts: Jacqes Callot: Die Schrecken des Krieges, Der Galgenbaum, 1632)

Brunner schreibt: "Nirgends mehr weitausgreifende Unternehmen, die auch die Armut und Entvölkerung der Länder nicht gestatteten; dafür um so gründliche Zerstörung überall."

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Melander, bis 1640 der Führer des hessischen Heeres, stand im Verdacht der Untreue, so dass er von Landgräfin Amalie-Elisabeth entlassen wurde. Er trat danach unverzüglich in die kaiserlichen Dienste ein und wurde jetzt eine Geißel des Landes, für dessen Rechte und Ruhm er bisher gekämpft hatte. Kassel hatte in diesen letzten Kriegsjahren mit dem Krieg nicht mehr viel zu tun, da sich dieser eher westlicher abspielte. Die großen Heere umgingen gerne das gebirgige Hessen mit seinen kriegsgewohnten Einwohnern. Wahrscheinlich aus Rache fiel der jetzt kaiserliche Feldmarschall Melander, jetzt Graf von Holzappel, am 23. Oktober 1647 ins Werratal ein, „und zwar mit solcher Wucht, daß die erschrockenen Einwohner haufenweise sich nach Kassel flüchteten. Hier fanden sie wenigstens Sicherheit für ihr Leben, denn die Stadt zählte eine Besatzung von 2000 Mann, wozu ein schwedischer Oberst Jordan mit 500 Reitern stieß, welche am 29. Oktober 500 Kaiserliche bei Allendorf niedergemacht hatten und 400 Beutepferde mit vielen Gefangenen nach Cassel führten.“

Überfall im Dreißigjährigen Krieg
Überfall im Dreißigjährigen Krieg  Foto: @Stadtteilzentrum Agathof e. V.

In Cassel richteten sich die Bauern der umliegenden Dörfer unter den Kanonen in Hütten ein. Melander überfiel am 27. Oktober 1647 zwischen 9 und 10 Uhr nachts mit 2000 Mann Bettenhausen, plünderte und brannte einige Häuser nieder (Piderit), Bruno Jacob schreibt, dass ganz Bettenhausen niedergebrannt worden sei. Aus heutiger Sicht war Bettenhausen ein kleines Dorf mit 41 Haushaltungen im Jahr 1639 (Römheld). Inmitten eines Kirchhofs, der von einer Wehrmauer umgeben war, stand die Marienkirche. In Kriegszeiten bot die Kirche den Menschen Zuflucht vor Feinden, sie war die Burg der Bauern, so im Dreißigjährigen Krieg. Es gibt aber keine Überlieferung darüber, wie und wo die Menschen diesen Überfall überlebten. Ein 1565 erbautes Haus in der Dorfstraße, heute Erfurter Straße, hat diese Bettenhäuser Katastrophe überstanden, es steht heute noch und gilt als das älteste Haus Kassels:

1565_erbaut.jpg

Literatur

     

  • Brunner, Hugo; Geschichte der Residenzstadt Cassel, Cassel 1913
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  • Piderit, Th.; Geschichte der Haupt- und Residenzstadt Kassel
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  • Römheld, A.; Die evangelische Kirchengemeinde Kassel-Bettenhausen, Kassel 1972
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  • Rommel, Christoph von, Geschichte von Hessen, Cassel 1830
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  • Siegel, G., Grebenstein im 30jährigen Kriege, Hessenland, 40. Jg., Heft 1, Kassel 1928
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  • Wigand, Carl Samuel; Kleine Heßische Chronik für die Jugend, Zweyter Theil, Cassel 1793
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  • Freiburger Geschichte in Zitaten: Sebastian Vrancx: Soldaten pluendern einen Bauernhof (Internet)

Kurzbeschreibung

Bettenhausen wird 1647, kurz vor dem westphälischen Frieden, von den Truppen des Generals "Melander", geplündert und gebrandschatzt. Dieser General war bis 1640 Führer des hessischen Heeres und wurde durch die Landgräfin Amalie-Elisabeth wegen des Verdachtes der Untreue entlassen. Danach schloss er sich den kaiserlichen Truppen an und verwüstete aus Rache gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges das Werratal und Bettenhausen.

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