Textbeitrag von Bernd Schaeffer
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Die Geschichte der Bettenhäuser Kirchenbücher

Marienkirche Innenaufnahme, Foto: A. Holtmeyer, 1923

Die Kirchenbücher der Pfarrei Bettenhausen von 1620 bis 1830 sind bei dem Luftangriff vom 22.10.1943 zusammen mit anderen wichtigen Dokumenten der Stadt Kassel im Keller des Kasseler Rathauses vernichtet worden.

Leider wurde bisher nirgends etwas über die bei der Pfarrei der Marienkirche geführten Kirchenbücher berichtet. Ich möchte dieses Versäumnis nachholen und hoffe damit aufmerksame Leser zu finden.
Seit 1620 ungefähr führte die Kirchengemeinde Bettenhausen eigene Bücher, vorher wahrscheinlich mit Waldau zusammen. Wie allgemein üblich wurden sie jeweils beim amtierenden Pfarrer aufbewahrt. Später kamen sie in das Evangelische Gemeindeamt und zuletzt ins Kasseler Stadtarchiv, wo sie im Kellergeschoss des Rathauses mit allen anderen Kirchenbüchern der Stadt- und Vorortgemeinden, es mögen 60 an der Zahl gewesen sein, gelagert waren. Sie umfassten meistens den Zeitraum vom Beginn der Bücher bis 1830. Beim schweren Luftangriff am 22. 10. 1943 wurden sie alle, mit anderen wertvollen Archivalien, durch eine schräg ins Geschoss einfallende Brandbombe ein Raub der Flammen, während das darüber liegende Erdgeschoss erhalten blieb. Auch die Fotokopien und Karteien bei der Evangelischen Kirchenbuchstelle in der Spohrstraße verbrannten, so dass der Verlust ein totaler ist.

Marienkirche, 1923, A. Holtmeyer

Marienkirche in Bettenhausen
Foto: A. Holtmeyer, 1923

Während nun für den Familienforscher keine Möglichkeit der Kirchenbuchforschung mehr besteht in den Kasseler Stadt- und den Vorortgemeinden (Waldau, Nieder-und Oberzwehren, Nordshausen und Wolfsanger, eingeschränkt Wahlershausen, Wehlheiden, Harleshausen, Kirch- und Rothenditmold, weil hier das älteste Kirchenbuch des Kirchspiels Weißenstein noch im Staatsarchiv Marburg vorhanden ist), blieb Bettenhausen allein durch einen glücklichen Umstand ein vollwertiger Ersatz dadurch, dass der seit 1934 in Bettenhausen in Ruhestand lebende Hauptlehrer Hugo Dreusicke, ein eifriger Genealoge, in zehn­jähriger fleißiger Arbeit eine rund 7100 Bogen umfassende Gesamtkartei der Bettenhäuser Kirchenbucheintragungen angefertigt und daraus 5070 Familienblätter, alphabetisch geordnet, übersichtlich nummeriert, angelegt und sorgsam verwahrt hatte. Die Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck, deren Mitglied er war, hat in großer Sorge um diese einzige unersetzliche Quelle, die nur aus losen Blättern bestand, und von denen leicht einzelne verloren gehen könnten, diese in 10 Großbänden binden lassen und in ihre Verwahrung genommen. Sie stehen jedermann zur Forschung zur Verfügung:
Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck e.V. (GFKW)
Geschäftsstelle
Postfach 10 13 46
D-34013 Kassel
.
Diese Familienkartei, die den Zeitraum von 1620 bis 1905, dem Jahr der Eingemeindung, umfasst, ist umso wertvoller als das Original, da sie nicht nur die evangelischen Bürger, sondern auch die katholischen einbezogen hat, die aus 18 Bänden der St. Elisabethgemeinde in Kassel entnommen wurden. Der Versuch nach 1945, die jüdischen Einwohner Bettenhausens auch noch zu erfahren, blieb erfolglos, da alle Urkunden der jüdischen Gemeinde als verloren anzusehen sind.

Text: Karlwilli Damm, veröffentlicht im "Bettenhäuser Heimatblatt", Okt. 1954

Fotos: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Reg Bez. Kassel, Alois Holtmeyer, Marburg 1923

Editor: Bernd Schaeffer, Okt. 2011

 

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