Textbeitrag von Erhard Schaeffer
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Wiederaufbau und Neubeginn auf dem Viehberg

Heinz Vonjahr, 1950

In den ersten Nachkriegsjahren sammelte wohl jeder Deutsche Erfahrungen beim Wiederaufbau. Durch schwere körperliche Arbeit einer ganzen Generation entstanden viele neue Projekte, so auch die Wartburghütte auf dem Viehberg. Heinz Vonjahr, Jahrgang 1932 und Mitglied im CVJM Wartburg, beschreibt in seinen Jugenderinnerungen wie er selbst mitgeholfen hat.

....  Dem Aufbau ging das Aufräumen der Trümmer voran. Maschinen gab es so gut wie gar nicht. Alles wurde in Handarbeit erledigt. Jeder Stein wurde in die Hand genommen; der Schutt mit der Schippe in Schubkarren gefüllt. Jeder von uns hatte so schon bei Verwandten oder in der Nachbarschaft geholfen. Viele Nachmittage bin ich ins Königtor gepilgert, um meinem Onkel Hans beim Wiederaufbau seiner verschütteten Schreinerwerkstatt zu helfen.

Mit dieser „Vorbildung“ waren wir gefragte Helfer, als die Notkirche für die Kirchengemeinde Bettenhausen angekündigt worden war. Der Platz, an dem einmal die Marienkirche gestanden hatte, musste vom Schutt befreit und geebnet werden. Viele Stunden haben wir zusammen mit erwachsenen Gemeindegliedern dort gearbeitet.

Wartburghütte auf dem Viehberg bei Heiligenrode

Die Wartburghütte auf dem Viehberg in 1957
Foto: B. Schaeffer

Einige Jahre später konnten wir unsere Erfahrungen verwenden, als der Bau der Wartburghütte in Angriff genommen wurde, die auf der Hochfläche zwischen Sandershausen und Heiligenrode entstehen sollte. Der Verein wollte ein festes Haus als Zentrum für seine Zeltlager errichten. Auch da erleichterte keine Maschine die Arbeit. Heute ist das unvorstellbar: nicht einmal eine Bohrmaschine stand zur Verfügung; Beton wurde von Hand gemischt. „Kette bilden!“ lautete das Kommando, wenn Backsteine abzuladen waren. Jeder Stein wurde einzeln in die Hand genommen und dem Nebenmann zugeworfen. Ohne Hautabschürfungen ging es dabei nicht ab. Von Arbeitshandschuhen hatten wir noch nie etwas gehört.

Ganze Sommer über war auf dem Gelände am Viehberg Betrieb. In den Schulferien haben wir oft wochenlang in Zelten kampiert. Frau Segner hat uns bekocht; auch die „Küche“ hatte nur eine Zeltplane als Wetterschutz. Fundamentgruben wurden ausgehoben, Zaunpfähle gesetzt und schließlich der Brunnenbau begonnen. Abends am Lagerfeuer wurden Geschichten erzählt, zum Wochenschluss gab es eine Andacht. Wir haben die Schwerarbeit nicht als körperliche Belastung empfunden. Wir wollten ja, dass die Hütte entsteht. Es war eine Zeit, in der wir eine enge Kameradschaft gelebt haben. Dahinter stand das pädagogische Konzept des Vorsitzenden des CVJM Wartburg, Pfarrer Hans-Theodor Sendler: „Junge Leute brauchen eine Aufgabe.“ Meine Erfahrungen im Schippen, Schachten und Schubkarrenfahren sind mir später zugutegekommen, als ich selbst Aufbaulager in Ost-Berlin leitete.

Editor: Erhard Schaeffer, 2010

 

Quelle: Heinz Vonjahr, -Meine Jugend im Nachkriegs-Deutschland-, 2009

 

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