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Friedrich Ludwig Freiherr von Witzleben, ein Pionier des Forstwesens

Freiherr von Witzleben, Georg-Ludwig-Hartwig-Stiftung, 1990

Von 1798 bis 1815 bestand in der Kurhessischen Landgrafschaft nahe beim Casseler Forst, in Waldau, eine  Forstlehranstalt . Das Gebäude steht noch heute an der Nürnberger Straße im Ortskern von Waldau. Die Meisterschule stand unter Leitung des Oberforstmeisters Friedrich Ludwig Freiherr von Witzleben.

Friedrich Ludwig Freiherr von Witzleben (1755 -1830) hat sich besonders verdient um die Entwicklung des heimischen Forstwesens gemacht. Er war Staatsrat und Generaldirektor der Domänen, Forste und Gewässer in Hessen, zuletzt Geh. Staatsminister in Kurhessen, Ritter des Großkreuzes des Kurhessischen Hausordens, forstwissenschaftlicher Literat, Dr. jur. & Dr. phil. h.c. der Universität Marburg.

Im Kaufunger Wald oberhalb von der Krankenanstalt Oberkaufungen befinden sich noch heute ein Gedenkstein, der bereits 1818 zum 63. Geburtstag von Witzlebens durch seinen Mitarbeiter, Johann Caspar Harnickell, dort errichtet wurde. Nicht weit davon entfernt weist eine Infotafel auf sein Wirken und seine Verdienste um den Forst hin.

Gedenkstein im Kaufunger Wald Infotafel im Kaufunger Wald
Der 1991 erneuerte Gedenkstein und die Infotafel im Kaufunger Wald
Fotos: Erhard Schaeffer 2010

Friedrich Ludwig wurde als ältester Sohn aus der zweiten Ehe des Gutsbesitzers Friedrich Wilhelm v. Witzleben mit Christiane Amalie Gräfin v. Schulenburg aus dem Hause Wolfsburg, am 9. Mai 1755 in Wolmirstedt (Thüringen), geboren. 1774 bezog er die Universität Jena, um Rechtswissenschaft zu studieren. 1776 verfasste er, eine juristische Dissertation und ihm wurde die Würde eines Dr. jur. zu teil. Im Jahr 1778 schloss er sein Studium ab. 1779 bewarb er sich bei dem im Haag residierenden Prinzen von Oranien-Nassau um den Zutritt zur Justizkanzlei in Dillenburg. Hierauf erfolgte im Dezember desselben Jahres der Bescheid: „Dass er als Forstmeister Anstellung finden und nach Abgang des jetzigen Chefs (Oberjägermeister v. Röder) in der Reihe weiterbefördert werden solle, wenn er noch ein Jahr lang in Karlsruhe und auf dem Harze erfolgreich mit dem Forstwesen sich beschäftigen und dann im Haag persönlich vorstellen werde“. Diese verlockende Aussicht veranlasste ihn, die Rechtswissenschaft mit dem Forstwesen zu vertauschen.

Wappen Witzleben
Wappen der Familie von Witzleben

Als oranien-nassauischer Jagdjunker ging er alsbald nach Karlsruhe, um bei dem Oberjägermeister v. Geusau das Forstwesen und bei dem Hofjäger Käßberg die Jägerei zu erlernen. Der Unterricht im Forstwesen war damals, da es an guten forstwissenschaftlichen Werken noch fehlte, ein vorwiegend Praktischer. Solange die Jagd als die Hauptsache, die Forstwirtschaft aber nur als Nebensache behandelt wurde, war die Vorbildung des Forstmannes lediglich darauf gerichtet, geschickte Jäger heranzuziehen.

Nach fast einjährigem Aufenthalt in Karlsruhe begab er sich in den Harz. Hier hatte er die Gelegenheit sich mit dem Berg- und Hüttenwesen bekannt zu machen. Ende 1780 kehrte er nach Dillenburg zurück. Er machte sich alsbald an die Aufgabe, die zukünftige Vermessung, Einteilung, Beschreibung und Betriebsregulierung der dortigen Forste in Angriff zu nehmen. Zur Anerkennung hierfür wurde ihm am 1. September 1782 die Ernennung zum wirklichen Forstmeister mit Sitz und Stimme in der Kammer zu teil. 1785 erfolgte seine Beförderung zum Oberforstmeister, und – nachdem der Oberjägermeister v. Röder verstorben war – erhielt er 1795 dessen Posten und zugleich das Präsidium der Bergkommission.

Grabstätte von Witzleben  

Grabstätte Familie von Witzleben auf dem alten Friedhof neben der Lutherkirche
Foto: Erhard Schaeffer, 2011

 

Inzwischen waren aber die Franzosen eingerückt und hatten, nach Verjagung der Regierung, Besitz vom Land ergriffen, weshalb von Witzleben von seinem Fürsten den Befehl erhielt, sich auf einige Zeit außer Landes zu begeben. Der Landgraf Wilhem IX. von Hessen berief ihn im Sommer 1796 zum zweiten Oberjägermeister an die Spitze des kurhessischen Forstwesens. Die kriegerischen Stürme der damaligen Zeit erfassten aber zehn Jahre später auch das Kurfürstentum Hessen. Witzleben wurde jedoch auf seinem Posten belassen. Hierdurch blieben die kurhessischen Forste vor einem Systemwechsel bewahrt. Noch unter dem französischen Regiment wurde Witzleben zum Staatsrat und zum Generaldirektor der Domänen, Forste und Gewässer ernannt.

Die Generaldirektion der Forste behielt er bis zum Ende der französischen Okkupation (1814) bei. Nachdem das angestammte Fürstenhaus wieder in das Land zurückgekehrt war, wurde Witzleben in seinem früheren Posten als Oberjägermeister und Chef des Forstwesens nicht nur bestätigt, sondern sogar zum Geheimen Staatsminister ernannt und im Dezember 1814 durch Verleihung des Großkreuzes des Kurhessischen Hausordens ausgezeichnet. Von Witzleben starb am 16. März 1830 in Cassel und wurde auf dem alten Casseler Friedhof neben der Lutherkirche beerdigt

Sein Wirken für den Forst
Witzleben’s Schwerpunkt lag zunächst in der von ihm in den Waldungen von zwei Staaten entfalteten forstorganisatorischen Tätigkeit, sowie in der Fürsorge um Hebung der eigentlichen Forsttechnik. Seine Wirksamkeit nach diesen beiden Richtungen hin erreichte insbesondere während seiner Amtierung in Kurhessen ihren Höhepunkt. Sie erstreckte sich auf fast alle Zweige der Staatsforstverwaltung. Er förderte namentlich den Kulturbetrieb, die Ablösung der schädlichen Waldservituten (Waldgrundgerechtigkeiten), verbesserte die Laufbahn und finanzielle Lage der unteren Forstbeamten und erweckte unter der jüngeren Generation den Eifer zum gründlichen Erlernen des Forstwesens, unter anderem auch durch Gründung der seiner Leitung unterstellten Forstlehranstalt zu Waldau (1798), die unter den kriegerischen Wirren der damaligen Zeit schon im Jahre 1815 wieder einging. Sein Hauptwerk ist die 1795 erschienene Schrift: „Über die rechte Behandlung der Rothbuchen-Hoch- oder Samen-Waldung, vorzüglich über die Bewirtschaftung pfleglich erzogner, gut und geschlossen stehender, vormals bereits regelmäßig behandelter Buchwaldungen“, die 1805 in zweiter, unveränderter Auflage erschien. Freiherr von Witzleben hat entscheidend zur neueren Forstgeschichte ab der Mitte des 18. Jahrhunderts beigetragen.

Editor: Erhard Schaeffer, 2011

Quellen:

  • peter-hug.ch/lexikon/Forstakademie
  • wikipedia /Witzleben/Adelsgeschlecht

 

 

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