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Pfarrer Dippel kämpft für den Bau der Söhrebahn

Der Autor erzählt in kurzer Form die Geschichte der Söhrebahn, die von 1912 bis 1983 zwischen Wellerode-Wald und dem Bahnhof Bettenhausen verkehrte.

Bevor im Jahr 1912 die Söhrebahn feierlich eingeweiht wurde, lagen Jahre großer Überzeugungsarbeit und auch 2 Jahre harter körperlicher Arbeit. Pfarrer Hermann Dippel (1864 - 1936) setzte die Idee um, nachdem ihn die neue selbstständige Gemeinde Vollmarshausen (früher ein Ortsteil von Crumbach), zum Pfarrer gewählt hatte. Sofort gründete er einen Spar- und Darlehnskassenverein und schaffte es, Vollmarshausen durch eine vollspurige Kleinbahn mit Kassel zu verbinden. Die Kasseler standen dieser Idee zunächst nicht freundlich gegenüber, weil sie befürchteten - wie bereits durch den Bau der Cassel-Waldkappeler Bahn geschehen - Wirtschaftskraft ins Umland abgeben zu müssen, andererseits war sie aber auch an preiswerten Rohstofflieferungen (Braunkohle, Holz, Basalt, Ziegelsteine) interessiert. 1910 wurde eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Wellerode gegründet, deren Aufsichtsratvorsitzender Pfarrer Dippel bis zu seinem Tod war. Aktien erwarben die anliegenden Gemeinden aber auch Einzelpersonen, Grund und Boden stellten die Gemeinden. Darlehen gab es von der Regierung und dem Bezirksverband. Der Bau am Lindenberg vorbei gestaltete sich schwierig, es musste viel gesprengt werden, was man heute noch gut sehen kann (Eibenweg), dann musste die Ochshäuser Str. überquert werden. Im Personenverkehr wurde die Bahn vor allem von Arbeitnehmern und Schülern benutzt, am Wochenende beförderte sie Wander- und Naturfreunde in die Söhre. Auf dem Forstfeld entstand eine Bedarfshaltestelle (hier wohnte damals kaum jemand) “Eisenhammer”, nahe dem alten “Schindeleichweg” (heute Forstbachweg) dort, wo heute das “Haus Forstbachweg” ist. Bis 1966 der Personenverkehr eingestellt wurde, hatte die Bahn über 50 Millionen Fahrgäste über die 10,5 km lange einspurige Strecke befördert, sie konnten zunächst zwischen der 2. bis 4. Klasse wählen, später gab es nur noch die 2. Klasse. Fünf bis sieben Züge fuhren an Werktagen hin und zurück, am Wochenende sechs. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern schaffte die Bahn die Strecke in einer knappen halben Stunde und überwand dabei einen Höhenunterschied von 180 m. 1983 befuhr der letzte Güterzug die Trasse, dampfend und Ruß verstreuend an den neu gebauten weißen Häusern der Heinrich-Steul-Straße vorbei. Heute befindet sich auf der Trasse bis Lohfelden teilweise ein Wanderweg, teilweise hat sich hier ein schönes Biotop gebildet. Diese Trasse muss freigehalten werden, falls einmal die geplante  Regiobahn nach Lohfelden gebaut werden sollte (Leipz. Str., Forstbachweg, Lohfelden).

Im Anhang finden Sie die Broschüre von H. Credé, der sich intensiv mit der Geschichte der Söhrebahn befasst hat.

Söhrebahn 30er Jahre vor _Mehldörfchen

Söhrebahn in den 30er Jahren vor dem "Mehldörfchen" (Siedlung Lindenberg I)

 

Söhrebahn, Überführung Ochshäuser Str.

Söhrebahntrasse überführt die Ochshäuser Str. und unterführt die Autobahn A7 (von Ochshausen aus gesehen)
Foto: Hans Pirsch

Die folgenden Aufnahmen wurden freundlicherweise vom Geschichtskreis Söhrewald e. V. zur Verfügung gestellt

Söhrebahn Lok 3

Lok 3: Dh2t Bj 1937 Henschel #23662

Ausrangierte Waggons

Ausrangierte Personenwagen

Rangierfahrt

Rangierfahrt - an Garben vorbei

Verladebunker

Verladebunker für Braunkohlen in Wellerode-Wald

Wer mehr wissen will, kann sich die Broschüre von Herbert Credé aus Söhrewald (früher Wellerode) herunterladen.

Editor: Falk Urlen, 2009

 

Dokumente zum Herunterladen:

pdf
Herbert Crede - Die Söhrebahn
[pdf-Datei; Gr��e 0.02 MB]
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