Textbeitrag von Bernd Schaeffer
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Ehren- und Gedächtnistafel

Foto: Bernd Schaeffer

Ehren- und Gedächtnistafel für die Teilnehmer an den Befreiungskriegen.

Auf vielen Friedhöfen erinnern stattliche Ehrenmale an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Ein anderes Zeugnis für die Bettenhäuser Soldaten, die an den Befreiungskriegen gegen die Franzosen (1812 – 1814) teilgenommen haben, ist bei Aufräumungsarbeiten in der Bettenhäuser Marienkirche wieder ans Tageslicht gekommen. Auf einer Ehren- und Gedächtnistafel von 1814 befinden sich die Namen, Alter und der Namen ihrer Väter von 28 jungen Männern aus Bettenhausen, die in den  Befreiungskriegen ihr Vaterland von der Fremdherrschaft befreit haben. Die ca. 80 x 100 cm große mit einem Goldrahmen gefasste Tafel ist eine Kopie des Originals, welches seinen Platz in der Gemeinderepositur (Archiv) hatte und vom Greben (Bürgermeister) Matthäus Dörger und den Gemeindevorstehern Jacob Menkel und Paulus Goßmann unterzeichnet ist. Nach alten Unterlagen ist anzunehmen, dass das Dorf Bettenhausen in dieser Zeit weniger als 900 Einwohner hatte. 28 am Krieg teilnehmenden Söhne bedeuteten, die Bevölkerung des kleinen Dorfes Bettenhausen hatte für die „deutsche Freiheit und Unabhängigkeit“ ein großes Opfer gebracht. Einer der dort Verzeichneten, Johann Heinrich Kibhenn, geb. am 30.12.1795, war ein direkter Vorfahr des Autors dieses Beitrags.
Wo genau die Bettenhäuser Soldaten gekämpft haben, kann man der Tafel leider nicht entnehmen. Geschichtlich belegt ist, dass Kurfürst Wilhelm I. nach seiner Rückkehr nach Kassel, 1813, die sofortige Einberufung aller im Jahre 1806 entlassener Regimenter anordnete. Die neu zusammengestellten hessischen Truppen wurden dem preußischen Korps Kleist zugeteilt, der zur Armee des Feldmarschalls Blücher gehörte. Sie waren dazu bestimmt die preußischen Truppen vor den eingeschlossenen französischen Festungen an der Mosel abzulösen.
Über die Pflege und Behandlung der Kriegsverletzten in den Leipziger Lazaretten nach der Völkerschlacht im Oktober 1813 gibt es den Bericht eines Zeitzeugen. Der Direktor des preußischen Lazaretts schreibt:

„In Leipzig fand ich ungefähr 20 000 verwundete und kranke Krieger von allen Nationen….Sie liegen entweder in dumpfen Spelunken, in welchen selbst das Amphibienleben nicht genug Sauerstoff finden würde, oder in scheibenleeren Schulen und wölbischen Kirchen…An jenen Orten liegen sie geschichtet wie die Heringe in ihren Tonnen, alle noch in den blutigen Gewändern… Unter den 20 000 Verwundeten hat auch nicht ein einziger ein Hemde, Betttuch, Decke, Strohsack oder Bettstelle erhalten… Viele sind noch gar nicht, andere werden nicht alle Tage verbunden. Die Binden sind zum Teil von grauer Leinwand, aus Dürrneberger Salzsäcken geschnitten, die Haut mitnehmen, wo sie noch ganz ist. In einer Stube stand ein Korb mit rohen Dachschindeln zum Schienen der zerbrochenen Glieder.“

Wie viele Bettenhäuser verwundet aus diesem Krieg zurückgekehrt sind und in welcher Verfassung sie waren, darüber gibt es keine greifbaren Aufzeichnungen. Umso bedeutungsvoller ist die Tatsache, dass die Bettenhäuser Bürger und Bürgerinnen, 1814, diese Ehren- und Gedächtnistafel anfertigen ließen. Ohne diese Tafel, gäbe es kein greifbares Zeugnis dafür, dass die deutsche Geschichte vor fast 200 Jahren auch das Leben in dem kleinen Dorf Bettenhausen auf tragische Weise berührt hat.

Text und Foto: Bernd Schaeffer

Quellen:

Jacob, Bruno,    Geschichte des Dorfes Bettenhausen, 1126-1926, Herausgeber: Bürgerverein Bettenhausen

Chronik der Deutschen Herausgeber: Harenberg Kommunikation Verlags- und Mediengesellschaft, Dortmund, 1983

 

 

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