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Das Bettenhäuser Schulwesen bis zur Eingemeindung

Die Geschichte des Bettenhäuser Schulwesens bis 1906 ist wechselvoll. Schule fand an vielen Standorten statt. Noch heute zeugen einige alte Gebäude, die einst als Schule dienten, von dieser Entwicklung.

Da das Dorf Bettenhausen schon vor der Reformation eine eigene Pfarrei besaß, unterrichtete der jeweilige Küster die Kinder und Jugendlichen. Nach dem wirtschaftlichen Ruin in Folge des Dreißigjährigen Krieges versorgte der Pfarrer von Waldau die Gemeinde Bettenhausen in seelsorgerischer Hinsicht, dabei begleitete ihn der Küster von Waldau. Ihr Weg führte sie durch den “Pfaffenstieg“ nach Bettenhausen.

Schon vor dem Jahre 1748 hatte Bettenhausen auch wieder einen eigenen Küster und Schulmeister, der die Schuljugend in den notdürftigsten Wissenschaften unterrichtete. Ein besonderes Schulhaus stand ihm nicht zur Verfügung. Erst im Jahre 1817 baute die Gemeinde ein Schulhaus am Dorfplatz (linkes Bild), so wie es heute noch als umgebautes Gebäude in der Erfurter Straße 8 steht.

Längst unterrichtete ein hauptamtlicher Lehrer. Auf den Schulmeister Hayner folgte der Lehrer Rose (1797-1826). Sein Nachfolger war der frühere Hilfslehrer am Waisenhaus zu Cassel, Peter Crede, der diese Stelle allein bis zum Jahre 1841 verwaltete. Mit der wachsenden Schülerzahl wurde das Schulhaus zu eng, ein zweiter Lehrer , Herr Reuting aus Kirchbauna, fand Schulsaal und Wohnung in der Ringhofstraße 9. Das Haus brannte 1895 ab. Allerdings hatte man schon vorher besser ausreichenden Raum in einem Bauernhaus Kirchgasse 8 gefunden, wo der zweite Schulsaal bis zum Jahre 1872 verblieb.

Kirchgasse_8

(Das neu renovierte  Haus Kirchgasse 8 im Jahr 2002, Foto K. P..Wieddekind)

Sein Nachfolger war Lehrer Wagner, der sich bald an das reformierte Waisenhaus in Cassel versetzen liess. Ihm folgte Lehrer Laar aus Grebenstein. 1850 klagte man ihn an "demokratischer Gesinnung" zu sein, und setzte ihn ab. Im Jahre 1872 wurde ein Neubau an dem Schnittpunkt von Leipziger Straße und Ochshäuser Straße mit zwei Schulsälen und zwei Lehrer-Wohnungen errichtet. Der Inhaber der zweiten Lehrerstelle war von 1853 an der Lehrer Nadler. Die zweite Lehrerstelle erhielt später Lehrer Zufall aus Netra, der von 1872 bis 1879 amtierte, aber sehr krank war und dadurch die Kinder oft lange Wochen hindurch Ferien genossen. Da ein Lehrer unmöglich über 200 Kinder allein versorgen konnte, schickte eine Anzahl Eltern ihre Kinder in die Waßmuthsche Privatschule am Siechenhof. Später tat sich eine private Schule unter Lehrer Blankmeister, in dem unbenutzten Schulsaal an der Ochshäuser Straße auf.

Schule Ochshaeuser Strasse-Leipziger Strasse 1930

(Das Schulgebäude an der Ochshäuser Straße, 1930, Sitz der Fa. Kaysan und Wagner
Foto: Fr. Kulla, Kassel)

Die Regierung sandte Lehrer Bolte aus Tann in der Rhön bei Hersfeld, der mit Nadler 249 Kinder betreute, da die Gemeinde die Anstellung des dritten Lehrers mit dem Hinweis verweigerte, dass diese Kinderzahl für zwei Lehrer nicht zu viel sei. Es erfolgte die Teilung nach Geschlechtern. Nadler erhielt die Mädchen, Bolte die Knaben. Erst am 01.April 1885 erreichte die Regierung die Anstellung eines dritten Lehrers in der Person des Lehrers Kaufmann aus Schnellrode. Da die Besoldung sehr gering war wanderte er nach Cassel ab. Der Nachfolger, Lehrer Johannes Möller aus Günsterode, wurde aber sesshaft, er blieb bis 1925 im Amt. Schon 1891 erwies sich die vierte Stelle notwendig und so wurde nach langen Kämpfen ein weiteres Schulhaus mit vier Sälen und Lehrer-Wohnungen in der Agathofstraße 48 errichtet, 1893 bezogen und mit den Lehrergehilfen Schröder aus Nieder-Kaufungen besetzt. Lehrer Nadler trat am 01. November 1895 in den Ruhestand und die Gemeinde beschloss "nur junge Lehrkräfte" anzustellen.

Agathofstrasse 48

(Das Gebäude Agathofstraße 48 in dem heute das Stadtteilzentrum eingerichtet ist).

Es wurde in der Folge die fünfte bis neunte Lehrerstelle geschaffen, die nach anfänglichen Widerständen auch mit weiblichen Lehrkräften besetzt wurden. Die Schulräume genügten nicht mehr und konnten durch den Anbau zweier neuer Klassenräume an der Ochshäuser Straße erweitert werden. Als auch diese mit steigender Schülerzahl nicht mehr ausreichten schlug die Geburtstunde für das noch heute genutzte Schulgebäude in der Eichwaldstraße (heute Losseschule).

Am 01.April 1905 endete die geistliche Lokalschulaufsicht. Nach einem Interregnum von Pfarrverweser Angersbach durch Übertragung der "erweiterten Befugnisse" eines Schulleiters an den Rektor Hunstein. Im Jahre 1905 konnte schließlich das neue Zentralschulgebäude an der Eichwaldstraße 68 mit 14 Klassen und 747 Kindern bezogen werden. 800 m2 Gelände für 32000 Mark hatte die Gemeinde in großzügiger und weitausschauender Weise an der Ecke von Osterholz- und Eichwaldstraße von dem Landwirt Ludwig Müller erworben, Als Einweihungsdatum wird der 03. Januar 1906 genannt.

Eichwaldstraße 68, 2009

(Das Schulgebäude Eichwaldstraße 68 im Jahr 2009, Foto E. Schaeffer)

Am 1. April 1906 erfolgte die Eingemeindung. Bettenhausen verlor seine Selbstständigkeit und wurde Adoptivtochter der Stadt Cassel. Die Maßnahmen für die Schule genügten nur auf kurze Zeit. Die wachsende Kinderzahl zwang gar bald zur Anstellung neuer Lehrkräfte und forderte mehr Lehrraum, so baute die Adoptivmutter Cassel neben das im Jahre 1905 errichtete Gebäude im Jahre 1912 ein neues Schulhaus. Am 01. April 1913 konnte das neue Gebäude als Bürgerschule 25 unter Rektor Weissbrod mit Teilen des alten Kollegiums und den neuen Kräften bezogen werden. Die Schule an der Eichwaldstraße wurde Bürgerschule 26.

Editor: Erhard Schaeffer

Quellen: Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum der Bürgerschule Eichwaldstraße, 1956

Konrad Srube: Bettenhäuser Schulwesen,Stadtarchiv Kassel:

Helmut Schagrün, Privatarchiv 2006

Bruno Jackob: Die Geschichte des Dorfes Bettenhausen 1126-1927, Eigenverlag, Bettenhausen, 1927

Kurt Klehm: Eine Chronik zur 50 Jährigen Eingemeindung von Bettenhausen, Eigenverlag, Bettenhausen, 1956,

 

Dokumente zum Herunterladen:

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Die 4 alten Bettenhäuser Schulen
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