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Lossemühle Agathof - Kattun-, Leinen- und Zitzfabrik

Der Agathof wurde 1765 bis 1774 zuerst als Mahlmühle, dann als Branntweinbrennerei genutzt. Im September 1774 wurde der Betrieb der Mühle eingestellt und der Schweizer Kaufmann Benedikt Nieggeler (auch: Niggeler) erhielt das Privilegium zur Anlage einer Kattun -, Leinen- und Zitzfabrik. Doch trotz mehrer staatlicher Vorschüsse in beträchtlicher Höhe und der Aussicht auf die Vergabe einer Erbleihe war der Schweizer ein glückloser Kaufmann, sodass am Ende die Landesherrschaft als Hauptgläubiger den Betrieb übernahm und in unbedeutendem Umfange bis 1785 fortführte. B. Nieggeler starb am 21. Juni 1783 im Alter von 42 Jahren. Nach dem Eintrag im Bettenhäuser Kirchenbuch soll er aus Versehen Gift getrunken haben

Mehr Erfolg hatten die Gebrüder Ahnesorge aus Altona, die den Agathof auf Grund einer „Punctation“ am 20. April 1785 übernahmen. Sie brachten aus ihrer Heimat mehr Erfahrungen und Geschäftsverbindungen mit und fanden in dem späteren Finanzrat Johann Christoph Ludwig Spindler einen Teilhaber und Geschäftsführer, dem es gelang, die Kattun- und Zitzfabrik zu einer der größten frühindustriellen Betriebe der damaligen Zeit in Hessen mit mehr als 200 Beschäftigten zu entwickeln. Als die Brüder Ahnesorge 1801 in Kassel verstarben, hinterließen sie ein für ihre Zeit beträchtliches Vermögen von zusammen mehr als 200.000 Reichstalern.  Schon am 21. Dezember 1793 hatte J. C. L. Spindler durch Erbleihbrief, erteilt von Landgraf Wilhelm IX., die Firma auf Ersuchen der Brüder Ahnesorge und unter Beibehaltung des Firmennamens übernommen.

Im Jahre 1811 überließ Spindler den Agathof und die Kattun- und Zitzfabrik „Ahnesorge Gebrüder“ seinem aus Flensburg stammenden Schwager Jacob Christian Nerong. Unter den damaligen widrigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen (Besetzung durch die Franzosen und Herrschaft durch Napoleons I. Bruder, Jerome) konnte er den Niedergang der Fabrikation nicht aufhalten.1832 übergab er die Fabrik an seinen Sohn Heinrich Gottfried Nerong, dem es gelang durch die Einführung technischer Verbesserungen (Installation einer Dampfmaschine) und einer beachtlichen Hypothek der Landeskreditkasse die Ertragsfähigkeit erheblich zu verbessern und international konkurrenzfähig zu werden. Mit Aufhebung der Erbleihe ging der Agathof im Jahre 1848 in das Eigentum der Familie Nerong über. Als H. G. Nerong am 7. Januar 1850 in noch jungen Jahren verstarb, hinterließ er zwei unmündige Söhne. Seine Frau Helene Nerong, geb. Möller, führte mit fremder Hilfe die Geschäfte fort, bis am 30. April 1872 Gustav und Heinrich Nerong als alleinige Inhaber die Firma „Ahnesorge Gebrüder“ durch Vertrag übernahmen.Nach dem Tod von Gustav Nerong im Mai 1875 betrieb Heinrich Nerong noch die Kattunfabrik bis 1883. Die Fabrik, deren Produkte sich zum Teil überlebt hatten, ging nach über einhundertjährigem Bestehen in Konkurs.

Ab 1883 übernahm die Seifenfabrik Diemar & Heller den Agathof.

Autor: Bernd Schaeffer, März 2006

Quellenverzeichnis:
Diemar, Julius, Fabrikant in Bettenhausen, „Hessenland“, Bd. 13, 1909, S. 183-238
Feldner, Claus, u. Wieden, Peter, „Bettenhausen“, Wartbergverlag, 1989
Hermsdorff, Wolfgang, „Blick zurück(1045)“, HNA vom 26.05.1986
Jacob, Bruno (1881-1954), Kasseler Heimatforscher, „Geschichte des Dorfes Bettenhausen, 1126-1926“, Hrsg. Bürgerverein Kassel Bettenhausen, 1927
Arbeitskreis Bettenhausen früher und heute. „Mühlen in Bettenhausen“ Stadtteilzentrum Agathof e. V., 2006

 

 

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