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Der Eichwald und die Fasanerie im Wandel der Zeit

Zeit: 1700-1749 | Ort: Eichwald 
Kartenausschnitt von 1835, Stadtarchiv

Östlich des Stadtteils Bettenhausen liegt auf dem Eichberg, einem Ausläufer des Kaufunger Waldes, der Eichwald. Hier hat Landgraf Wilhelm VIII schon 1740 eine noch heute sichtbare Eichenallee pflanzen lassen und eine Fasanerie eingerichtet. In den vergangenen 250 Jahren wandelte sich die Nutzung des Eichwaldes vom herrschaftlichen Jagdrevier zum Sport- und Freizeitgelände der Bettenhäuser Bevölkerung.
Der Eichwald ist der westlichste Ausläufer des Kaufunger Waldes. Bis zur Gründung der Dörfer Heiligenrode und Umbach war er noch eine zusammenhängende Waldfläche. Im Eichwald wurde 1513 durch die Landesherrschaft die Quelle der Eichwasserleitung gefasst. Das Wasser wurde in hölzernen Rohren zur Stadt Kassel bis zum Renthof geleitet.

Eichwald, Plan der Fasanerie, 1793

Plan des Eichwaldes mit Fasanerie, gezeichnet v. C. W. Baumbach 1793

Um 1740 entstand durch Landgraf Wilhelm VIII die Fasanerie im Eichwald. Auf dem Kamm des Eichwalds wurde eine Eichenallee angepflanzt, die auch heute noch vorhanden ist. Der alte Fasanenstall, ein langer eingeschossiger Fachwerkbau, stand nahe des mit Eichen besäumten Mittelweges. Die Gemeinde Bettenhausen hatte für die Fasanerie bestimmte Handdienste zu verrichten, so u. a. die Bestellung von sieben Äckern Land.
Die Fasanerie bestand bis 1830, wurde aber unter der Bezeichnung Tierpark weiter geführt. Der Tiergarten in der Aue wurde aufgelöst und Tiere, überwiegend heimisches Wild, in den Eichwald verbracht. Bis zu diesem Zeitpunkt waren auch Fasanenmeister angestellt. Die ersten Fasanenmeister waren Johann Adam Hassel und sein Sohn Johann Martin Hassel. Der letzte Fasanenmeister Conrad Graf wurde 1830 zu der Fasanerie in Wilhelmshöhe versetzt. Der Eichwald mit seinem Tierpark blieb aber weiterhin kurfürstliches Leibgehege. Die Fasane brüteten noch bis 1901 und blieben noch bis 1904 innerhalb des Tierparks.
 

Eichwald Fasanenstall 1927

Fasanenställe im Eichwald, 1927
Foto: B. Jacob

Der Eichwald, und somit auch die Gebäude incl. der Fasanarie, waren mit einem hohen Dielenzaun umgeben. Zum Schutz der Fasane und Welschhühner (Auerhähne) waren in den Dielenzaun Marderfallen (Kastenfallen) eingebaut. Im Herbst wurde im Eichwald zur Jagd geblasen. Die Fasane wurden am Abend vor der Jagd aus ihren Gehegen freigelassen, versteckten sich im Unterholz, wo sie von Treibern aufgestöbert und dann abgeschossen werden konnten. Die fürstliche Jagd, eine Treibjagd, gehörte schon vor 250 Jahren zu den größten Vergnügungen des Adels.
Die Dielenwand wurde während der Inflationszeit nach und nach abgerissen und als Brennholz verwandt. Seitdem ist der Eichwald von allen Seiten frei zugänglich.
Zu der Fasanerie gehörte auch die alte Remise im Heiligenröder Feld, Ziel und Sammelpunkt der Fasane bei ihren Ausflügen in die nahen Felder. Die Remise befand sich links von der Bunten Berna etwa im Bereich des heutigen Sichelsteiner Weges.
Mit der Umbenennung der Fasanerie in einen Tierpark gehörte ab 1830 der Eichwald mit anderen Revierteilen zur Rottebreite, der Oberförsterei Oberkaufungen. Die eingestellten Forstbeamten wurden als Parkaufseher und Hegeförster geführt. Der Eichwald unterstand bis 1866 der Generalverwaltung des kurfürstlichen Hausfideikomisses (unveräußerliches und unteilbares Familienvermögen) und danach zu den kurfürstlichen Leibgehegen.
Nach dem Tod des letzten Kurfürst Friedrich Wilhelm I pachtete das preußische Hofjagdamt 1875 den Eichwald.
Das alte Forsthaus diente den Fasanenmeistern und Förstern als Wohnung. Es brannte 1876 völlig ab und wurde durch einen Neubau, in dem später das Eichwaldrestaurant seine Gäste empfing, ersetzt. Die Fasanenwärter wohnten in dem kleinen lang gestreckten Gebäude östlich vom Forsthaus. Das Nebengebäude stand noch unverändert bis nach dem 1. Weltkrieg und wurde danach zu drei Wohneinheiten umgebaut. Der Fasanenstall stand noch mindestens bis Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts.
Bis zum 1. Juli 1904 versah Förster Brey seinen Dienst, bevor er in einen Wildpark nach Potsdam versetzt wurde. Seit diesem Zeitpunkt ist der Eichwald ein Teil des ehemaligen Schutzbezirks Zollhaus und gehört in den Dienstbereich der Oberförsterei Oberkaufungen.
Im Jahre 1905 wollte die Stadt Kassel den Eichwald kaufen. Der Forstfiskus lehnte dies ab und so pachtete die Stadt Kassel den Eichwald als Park für die östlichen Stadtteile (Bettenhausen wurde 1906 eingemeindet). Das alte Forsthaus wurde als Gaststätte weiter verpachtet.

Eichwaldrestaurant, AK 1909

Eichwaldrestaurant und Nebengebäude auf einer AK von 1909
AK: Sammlung H. Lamprecht, Fuldatal


Im Frühjahr 1929 wurde vom Stadtgartenamt an der Nordostseite ein neuer Weg angelegt, von dem aus man einen weiten Blick bis nach Heiligenrode hatte. Im selben Jahr wurde die Terrasse am Eichwaldrestaurant erneuert und die fehlende Wasserleitung gelegt.
Der 2. Weltkrieg warf seine Schatten auch auf den Eichwald. Am 17. 6. 1941 wurden zwei Zwangsarbeiter erhängt, weil sie zusammen mit vier anderen bei der Firma Spinnfaser tätlichen Widerstand gegen den Werkschutz ausgeübt hatten.
Im Februar 1944 wurde in Selbsthilfe am Fasanenweg kurz vor der Autobahn ein Stollen begonnen, der mit einer Länge von 50 m ungefähr 400 Personen Platz bieten sollte. Einen Monat später, im März 1944, begann ein Bergmann zwischen Fasanenweg, in Höhe Hirschbergstraße/Hopfenbergweg, und Eichwaldstraße mit dem Stollenbau und ein Unternehmer führte ihn weiter. Dieser Stollen sollte 170 m lang sein und 500 Personen Schutz bieten. Am 1. August 1944 waren 20 bzw. 140 m fertiggestellt.
Im März 1953 versuchte der neu gegründete Verein „Tierpark Eichwald“, einen Tierpark im Eichwald anzulegen. Nach einem Aufruf kamen die ersten Tiere aus Spenden, die notdürftig auf dem Gelände des Eichwaldrestaurants untergebracht wurden. Mangelnde Unterstützung durch die Bevölkerung ließ das Projekt jedoch scheitern.
Das spätere Eichwaldrestaurant wurde in den 1950er und 1960er Jahren von der Bettenhäuser Bevölkerung gern als Ausflugslokal genutzt und war eine beliebte Anlaufstelle während des jährlich vom Bürgerverein Gartenstadt Eichwald ausgerichteten Eichwaldfestes. Nach einer Restnutzung durch einen Kleintierhalter musste das Gebäude ca. 1976/77 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
Eine Grillhütte an gleicher Stelle, im Juni 1979 eingeweiht, musste schon wenige Jahren später wieder aufgegeben werden, da sie durch eine unsachgemäße und missbräuchliche Nutzung baufällig geworden war. 

Text: K-P. Wieddekind, März 2010 

Fotos: Bruno Jacob, Kassel 

Quellennachweis:

  • „Bettenhausen 1126 – 1926“ vom Bruno Jacob
  • „Bettenhausen 1906 – 1956 – Eine Chronik“ von Kurt Klehm
  • Kasseler Post vom 23. 6. 1929
  • „Ein Blick zurück“ Nr. 435 vom 13. 3. 1971
  • Extra Tip vom 30. 5. 2004
  • „Wie viel gebauter Krieg steckt in der Stadt“ von Lola J. Meyer
  • HNA vom 5. 6. 1979
  • Aus „Die Geheime Staatspolizeistelle Kassel 1933 – 1945“ von Gunnar Richter  

Editor: Bernd Schaeffer, Dezember 2011

 

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