Im Geschichtskreis „Bettenhausen früher und heute“ wurden im Jahr 2011 die persönlichen Erinnerungen an das Heiraten in der Nachkriegszeit thematisiert. Anna-Magdalena Becker aus der Schreibwerkstatt hat die einzelnen Beiträge zu Papier gebracht. Im folgenden Artikel schildert Uschi Knoke den Ablauf ihrer eigenen Hochzeitsfeier, ergänzt um die Anekdoten anderer Gruppenmitglieder.
Ich, Uschi Knoke, bin in Bettenhausen als Kind einer eingesessenen Familie geboren und am Dorfplatz aufgewachsen. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als es langsam wieder aufwärtsging, habe ich mich in Horst verliebt, und wir haben in 1952 geheiratet.
Die kirchliche Trauung fand in der evangelischen Notkirche von Bettenhausen statt. Zu diesem Anlass waren wir und die Hochzeitsgäste festlich gekleidet. Ich ganz in Weiß mit Schleier und Kranz. Selbstverständlich trug ich ein geschlossenes Kränzchen auf dem Kopf, denn ich war noch Jungfrau. Wenn es schon bemerkbar war, dass die Braut bereits ein Kind hatte oder schwanger war, musste der Kranz hinten offenbleiben. Mein Bräutigam trug einen schwarzen Anzug, einen schwarzen Zylinder und weiße Handschuhe.
Horst und Uschi Knoke vor und nach der Trauung in der Notkirche in Bettenhausen
Das anschließende Festessen fand in der "Römerhalle" statt und war sehr reichlich. Traditionell gab es Hochzeitssuppe, Rinder- und Schweinebraten mit Gemüse. Das Bier war von der Brauerei "Schöfferhof". Es gab auch Schnaps, Torten und sogar Bohnenkaffee. Während des Essens und bis spät in die Nacht wurden von den Gästen dem Brautpaar viele Streiche gespielt. So gab man uns nur einen Teller, aus dem wir beide essen mussten. Schlimm wurde es später, nachts. Unsere Betten wurden ausgehängt und krachten zusammen. Die Nachttöpfe wurden woanders im Haus versteckt, und wir mussten sie suchen. Am nächsten Morgen wurde viel darüber gelacht.
Das Brautpaar in einer Kutsche auf der Fahrt in das Lokal "Römerhalle"
Bei anderen Hochzeiten gab es auch viele lustige Streiche.
Um Mitternacht wurde das Brautpaar verabschiedet und der inoffizielle Teil des Festes begann. Dem Bräutigam wurde eine Zipfelmütze aufgesetzt und der Braut eine Haube. Danach wurden sie feierlich zum Schlafzimmer geleitet. Das Bett und der Sprungrahmen waren so präpariert, dass es bei Belastung zusammenbrach. Unter dem Bettlaken steckten Steine und/oder Nussschalen. Mehrere Wecker waren im Schlafzimmer versteckt und so eingestellt, dass jede Stunde einer läutete.
Gute Freunde erstellten für das Hochzeitspaar eine "Hochzeitszeitung". Sie enthielt viele Informationen, auch witzige aus der Jugendzeit des Brautpaares und konnte von den Gästen gekauft werden. Der Erlös kam dem Brautpaar als Starthilfe zugute. Wer heute noch so eine Zeitung besitzt, hat die Möglichkeit darin zu blätten um sich zu erinnern oder sie den Enkelkindern vorzulesen.
Hochzeitsgesellschaft 1952 auf dem Weg zur "Insel Helgoland"
Foto: Bettenhausenarchiv, Agathof
Text: Schreibwerkstatt Anna-Magdalena Becker
Fotos: Uschi Knoke
Editor: Bernd Schaeffer, November 2011
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Kurzbeschreibung |
Im Geschichtskreis „Bettenhausen früher und heute“ wurden im Jahr 2011 die persönlichen Erinnerungen an das Heiraten in der Nachkriegszeit thematisiert. Anna-Magdalena Becker aus der Schreibwerkstatt hat die einzelnen Beiträge zu Papier gebracht. Im folgenden Artikel schildert Uschi Knoke den Ablauf ihrer eigenen Hochzeitsfeier, ergänzt um die Anekdoten anderer Gruppenmitglieder. |
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